Forschung

 

Institut für Naturwissenschaften und Mathematik - INM

Exzellente Lehre wird honoriert

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zeichnet die Professoren Dr. Jürgen Sum und Dr. Bernd Jödicke von der HTWG Konstanz mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre in der Kategorie Physik aus. Der Preis wird am 5. März in Berlin überreicht.

In ihren Lehrveranstaltungen zur Physik – für Studierende der Ingenieurswissenschaften – stellen sie die Vermittlung der "physikalischen Methode" in den Fokus und beschränken sich nicht auf die Behandlung von Inhalten. Um dies zu erreichen, nutzen sie didaktische Werkzeuge, die sie weiterentwickelt oder selbst entworfen haben. Sie stellen die methodischen Kompetenzen in den Mittelpunkt ihrer Lehre, die Ingenieuren später im Beruf helfen.

Für die Lehrenden stellt die Vermittlung von Physikkenntnissen eine besondere Herausforderung dar, weil die Vorbildung der Studienanfänger unterschiedlich gut ist. Dabei ist eine solide physikalische Grundausbildung unerlässlich für ein erfolgreiches Ingenieurstudium.

Die Notwendigkeit, die Physikausbildung neu auszurichten, ergab sich mit der Einführung der Bachelorstudiengänge. „Für uns ist es ganz wichtig, dass es uns gelungen ist, die Physikausbildung an die Bachelorausbildung anzupassen“, sagt Professor Bernd Jödicke. Er und sein Kollege Jürgen Sum entwickelten in enger Zusammenarbeit mit Professoren aus allen betroffenen Fakultäten ein gemeinsames Konzept. „Deshalb gebührt ihnen ebenso Dank, die Auszeichnung würdigt die gemeinsame Leistung aller Beteiligten“, betont Professor Jödicke. Beide Professoren sind im Institut für Naturwissenschaften und Mathematik (INM) tätig, Professor Sum als Leiter.

Mit dem Ars-legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre wurden die Professoren Dr. Bernd Jödicke und Dr. Jürgen Sum vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet (v.l.).
Bild: HTWG Konstanz

Die Umstellung umfasst heute die gesamte Physikausbildung an der Hochschule Konstanz, von Vorlesungen über Übungen bis hin zu den Laboren. Statt physikalischer Inhalte stehen nun methodische Aspekte im Vordergrund. Dafür wurde ein ganzer Strauß an Methoden entwickelt. Sie helfen, physikalische Inhalte zu transportieren. Die Methoden bauen nicht aufeinander auf, sondern ergänzen sich. Dazu gehören Laborteamcoaching, Selbstlernversuche, Lerneinheiten zu bestimmten Themen, interaktive Fragesysteme, Erhaltungssätze und Bilanzen sowie Schätzaufgaben und schnelles Überschlagsrechnen ohne Hilfsmittel. In einem Forschercafé besprechen Studierende die Fortschritte ihrer Projektarbeiten.

Für Jürgen Sum, Bernd Jödicke und ihre Kollegen war es ein langer Weg zum heutigen Stand der Physikausbildung an der HTWG Konstanz. Was motiviert sie, weiter am Thema zu bleiben? Für Professor Sum ist „die Physik die schönste aller Wissenschaften“. Jeder Ingenieur benötige „eine solide Bildung im Bereich der grundlegenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten und vor allem aus dem Bereich der physikalischen Methoden“. Nur mit diesem Fundament sei ein „erfolgreiches und innovatives Berufsleben als Ingenieur möglich“.

Professor Jödicke hat bei der Umstellung der Studiengänge auf Bachelorabschlüsse festgestellt, dass damals auch die Frage nach dem Sinn der Physik für die Ingenieurausbildung aufkam. Weil jeder Ingenieur physikalische Methoden im Berufsalltag einsetzt, gelang es ihm, seine Kollegen zu überzeugen, dass es „diese und andere Methoden, und nicht die Inhalte sind, die unsere Absolventen erfolgreich im Beruf sein lassen“. Er ist davon überzeugt, dass die Studierenden „jetzt Physik nachhaltig lernen, denn erworbene Fähigkeiten sind langlebiger als aktuelles Wissen“.

An der Hochschule freut man sich „über den Preis ganz besonders“, so Präsident Professor Dr. Carsten Manz. Die Auszeichnung sei „der beste Beweis, dass wir echte Profis in Sachen Didaktik an unserer Hochschule haben. Sowohl im Bereich Forschung und Entwicklung als auch in der Lehre sind wir auf dem besten Weg unsere Innovationsstärke unter Beweis zu stellen".

Professorin Dr. Beate Bergé, Vizepräsidentin für Lehre und Qualitätssicherung, meint zur Auszeichnung der beiden Professoren: "Dieser Preis ist gleichzeitig auch Ausdruck von der qualitativ hochwertigen Lehre, die insgesamt an der HTWG Konstanz gelebt wird. Wir vom Service-Team Lehre sind deshalb sehr motiviert, die Lehrenden in ihrem vielfältigen Engagement für die Lehre zu unterstützen und ein begünstigendes Umfeld für die Einführung und Umsetzung erfolgreicher Lehrmethoden und innovativer Lehrformen zu schaffen." ac

Info

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die Gesellschaft Deutscher Chemiker, die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und der Verband für Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland haben den Ars legendi-Fakultätenpreis Mathematik und Naturwissenschaften 2014 zum zweiten Mal ausgelobt. Mit dem Preis soll die außerordentliche Bedeutung der Hochschullehre für die Ausbildung des Nachwuchses in der Mathematik und den Naturwissenschaften herausgestellt werden. Der Preis kann für Lehrende einen karrierewirksamen Anreiz schaffen, sich in der Hochschullehre weiter zu engagieren und sie über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern.

Den Ars legendi-Fakultätenpreis für exzellente Hochschullehre erhalten neben Jürgen Sum und Bernd Jödicke von der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (Physik), Simone Karrie, Reinhard Köster und Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig (Biowissenschaften), Dietmar Stalke von der Georg-August-Universität in Göttingen (Chemie) und Norbert Henze vom Karlsruher Institut für Technologie (Mathematik).