Forschung

 

Institut für Naturwissenschaften und Mathematik - INM

Was Wahlsysteme mit Mathematik zu tun haben

Am 17. Dezember 2014  konnte das INM Professor Dr. Friedrich Pukelsheim (Universität Augsburg) zu einem Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe Mathematik begrüßen. Kurz vor Weihnachten erläuterte F. Pukelsheim, welche mathematischen Fragestellungen bei der Verteilung von Sitzen nach Wahlen entstehen und wie man sie beantworten kann.

Zu Beginn seines Vortrags erklärte er am Beispiel der Bundestagswahl 2013, wie die Sitze im Bundestag verteilt werden. Insbesondere ging er darauf ein, welche Rollen die Erst- und Zweitstimmen im sogenannten Divisorverfahren mit Standardrundung spielen.

Dann erläuterte er allgemeiner die Bedeutung der im Grundgesetz verankerten Wahlgrundsätze, nämlich dass Wahlen allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim sein müssen. Diese Grundsätze haben im Laufe der Geschichte immer wieder einen Wandel erlebt. F. Pukelsheim spannte einen Bogen vom Philosophen Ramon Llull, der sich bereits um 1300 mit den Anforderungen an faire Wahlen befasste, über die französische Revolution bis hin zur Europäischen Union. 

Das Bundesverfassungsgericht präzisiert den Grundsatz der Wahlgleichheit: „Alle Wähler sollen mit der Stimme, die sie abgeben, den gleichen Einfluss auf das Wahlergebnis haben.“ F. Pukelsheim erklärte, wie sich diese Wahlgleichheit mathematisch messen lässt und was daraus für die mathematische Konstruktion guter Zuteilungsverfahren folgt.

Zum Abschluss stellte er noch ein weiteres Sitz-Zuteilungsverfahren vor, nämlich das von ihm mitentwickelte doppeltproportionale Zuteilungsverfahren. Dieses Verfahren wird in einigen Städten und Kantonen der Schweiz angewendet.

Das INM dankt Professor Pukelsheim für seinen sehr interessanten Vortrag.

(Fotos: J. Sum)

Einladung zur Vortragsreihe Mathematik im Wintersemester 2014/2015

Professor Dr. Friedrich Pukelsheim

Universität Augsburg

spricht über

Von Wählern zu Gewählten – Über Sitzzuteilungsverfahren bei Verhältniswahlen

am Mi., den 17. Dezember 2014 um 18.00 Uhr in der Aula

Verhältniswahlsysteme haben zum Ziel, am Ende einer Wahl die Stimmenzahlen der Wählerinnen und Wähler möglichst verhältnistreu auf Sitzzahlen für die Parteien abzubilden.  Da es nur ganze Sitze gibt und keine Bruchteile von Sitzen, müssen die einzusetzenden Zuteilungsmethoden der unverzichtbaren Ganzzahligkeit besondere Aufmerksamkeit schenken.  Der Vortrag bietet einen Überblick über unterschiedlichste Fragen, die sich stellen, und Antworten, die sich im Zusammenwirken von Mathematik mit Verfassungsrecht und Politikwissenschaften ergeben.  Besondere Mathematikkenntnisse werden von den Zuhörern nicht verlangt.  Ein neugieriges Interesse an demokratischen Grundlagen wäre allerdings hilfreich.

F. Pukelsheim ist emeritierter Professor für Stochastik und ihre Anwendungen an der Universität Augsburg. Er beschäftigt sich mit der mathematischen Analyse von Wahlverfahren und berät als Experte Parlamente bei Änderungen im Wahlrecht. So hat er zuletzt Stellungnahmen zur Änderung des Bundeswahlgesetzes und des Landeswahlgesetzes Schleswig-Holstein erstellt. Ein von ihm entwickeltes Sitzzuteilungsverfahren findet im Kanton Zürich in der Schweiz Anwendung.

Das Plakat

Kontakt: INM - - Mathematik, Prof. Dr. Irene Lau, irene.lau@htwg-konstanz.de