Forschung

 

Institut für Naturwissenschaften und Mathematik - INM

Bilder aus der Mathematik

In diesem Semester konnte das INM Professor Dr. Günter M. Ziegler von der FU Berlin als Referenten für die „Vortragsreihe Mathematik“ gewinnen. Am 23. Oktober stellte G. M. Ziegler sein neues Buch „Mathematik – Das ist doch keine Kunst!“ vor. In der sehr gut besuchten Veranstaltung präsentierte er verschiedene „Bilder aus der Mathematik“.

Zunächst zeigte G. M. Ziegler am Beispiel der verschiedenen Ausgaben des Bandes „Mathematik“ aus der Reihe „Was ist Was?“, welches Bild der Mathematik Jugend­lichen in den letzten 50 Jahren ver­mittelt wurde. 

Anschließend stellte er den russischen Mathematiker Grigori Perelman vor, der u. a. für seinen Beweis der Poincaré-Vermutung die größte und wichtigste Ehrung der Mathematik, die Fields-Medaille erhalten sollte, die er (wie auch andere Auszeichnungen) ablehnte.

Am Beispiel von Pressemitteilungen zeigte G. M. Ziegler, wie in der Öffentlichkeit immer wieder ein Bild des Mathematikers erzeugt wird, das wenig mit dem genialen Wissenschaftler selbst zu tun hat, sondern vielmehr von den üblichen Klischees geprägt ist. So präsentierte z. B. die Internetplatt­form pravda.ru die Meldung „Junge Männer wollen nicht Mathematiker werden, weil sie schäbig aus­sehende Verlierer sind“, illustriert mit einem Foto des genialen Mathematikers G. Perelman.

Wer ist die Dame auf dem Buchumschlag der Biografie „Emmy Noether: The Mother of Modern Algebra“ von M. B. W. Tent? G. M. Ziegler erläuterte, warum auf dem Foto nicht die bedeutende Mathe­matikerin Emmy Noether (1882 – 1935) zu sehen ist.  

Darüber hinaus präsentierte er das Foto eines kleinen Mädchens, das mit Taschen­rechnern spielt, ein Foto, das immer wieder gern in Presseartikeln abgebildet wird, die darüber informieren, dass auch Mädchen Mathematik können. Hat sich das Klischee, dass Mathematik und Mädchen nicht zusam­men passen, erledigt? G. M. Ziegler zitierte Professor G. Roth (Universität Bremen), der erst vor zwei Jahren erklärte, dass Mädchen „statistisch“ gesehen weniger mathematisches Talent haben als Jungen. Stereotype sind gegen Veränderung sehr resistent.

Das Mädchen mit den Taschenrechnern ist heute 20 Jahre alt, mag Mathematik und studiert Ingenieur­­­­­wissenschaften.

Des Weiteren erklärte G. M. Ziegler, warum die Skulptur „Mae West“, eine Hyper­boloid­kon­struk­tion auf dem Münchener Effnerplatz, nach der gleichnamigen Schauspielerin benannt wurde. Er stellte die „Formelkunst“ des französischen Bildhauers Bernar Venet vor und ging der Frage nach: „Ist das Kunst, auch wenn´s mathematisch nicht stimmt?“. Ferner berichtete er über die Entstehung des Decken­gemäldes „Die Mathematik“ von Franz Matsch in der Universität Wien.  

Am Ende seines Vortrags zeigte G. M. Ziegler, wie Mathematik anlässlich einer Demonstration auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau eingesetzt wurde, wenige Tage nach den Parla­ments­­wahlen im Dezember 2011. Auf einem Foto hält ein Demonstrant ein Plakat mit dem Slogan „Tschurow glau­ben wir nicht, Gauß schon!“ in die Höhe, das eine Statistik über die Wahlergebnisse der ver­schie­denen Parteien in den verschiedenen Wahlbezirken Russlands zeigt. G. M. Ziegler ­erläu­terte die (wissen­schaftlich untermauerte) Statistik, in der die Graphen aller Parteien stark von der Gauß-Verteilung ab­weichen.

Das INM dankt Professor Ziegler für seinen unterhaltsamen Vortrag.

(Fotos: J. Sum)

Einladung zur Vortragsreihe Mathematik im Wintersemester 2013/14

Professor Dr. Günter M. Ziegler (FU Berlin)

spricht über

Mathematik – Das ist doch keine Kunst!

am Mi., den 23. Oktober 2013 um 18.00 Uhr in der Aula.

"Welchen Wert hat ein Buch ohne Bilder oder Unterhaltungen?" fragt ein kleines Mädchen am Anfang eines sehr berühmten Buches eines weniger berühmten Mathematikers.

Mit diesem Vortrag präsentiert G. M. Ziegler ein Buch voller Bilder: Bilder aus der Mathematik als Anlass zum Geschichten-Erzählen, als Anlass zum Nachdenken und als Anlass zu längeren Unterhaltungen. Es geht dabei um das Bild der Mathematik, um das Bild des Mathematikers und um schlechte Bilder einer sehr berühmten Mathematikerin.

G. M. Ziegler berichtet über politischen Streit um ein sehr großes Hyperboloid na­mens Mae West, über erotische Gefühle eines Kunstkritikers bei der Betrachtung fehler­­hafter Formeln aus der homologischen Algebra und über eine Unterhaltung mit dem kleinen Mädchen auf einem Pressefoto, das beweist, dass Stereotypen ziemlich immun sind gegen Veränderung.

Günter M. Ziegler ist Professor für Mathematik an der Freien Universität Berlin. Er leitet das Medienbüro Mathematik und das Netzwerkbüro Schule – Hochschule der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) und enga­giert sich sehr für ein positives und lebendiges Bild der Mathematik in der Öffent­lichkeit. Insbesondere war er Initiator und Mitorganisator des Jahrs der Mathe­matik 2008. Für seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten und die her­­vor­ragende Präsentation der Mathe­matik in der Öffentlichkeit wurde er mehrfach aus­gezeichnet. U. a. erhielt er 2001 den „Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis“ der Deutschen For­schungs­gesellschaft (DFG). 2008 wurde ihm der „Communicator-Preis – Wissenschafts­preis des deutschen Stifterverbandes“ für sei­ne erfolgreichen Bemü­­hungen um ein neues, frisches Bild der Mathematik in der Öffent­lichkeit verliehen.

Kontakt: INM - - Mathematik, Prof. Dr. Silke Michaelsen, michaels@htwg-konstanz.de