Bachelor

 

Architektur (BA6/BA8)

Der Architekturkritiker und Autor des Architekturführers Tokio, Ulf Meyer, machte am 29.03. den Anfang: Anhand eindrucksvoller Aufnahmen weckte er nicht nur bei den Teilnehmern der anstehenden Japan-Exkursion die Lust, sich dem exotischen Land und seiner Architektur zu nähern. Er nahm die Zuschauer mit auf eine Reise von den historischen Anfängen bis zu den aktuellsten Bauten Tokios, stellte dabei genuin japanische Architekten wie den Pritzker-Preisträger Tange Kenzo oder die japanische Besonderheit der metabolistischen Architektur vor. Anekdoten aus mehr als zwei Jahrzehnten persönlicher Japan-Erfahrung untermalten seine Schilderungen, wie man sich in einer Großstadt mit 32 Mio. Einwohnern, aber ohne Straßennamen zurechtfindet; welche Auswirkungen die doppelte Totalzerstörung in der kollektiven Psyche des „Rühreis“ Tokio mit sich gebracht hat; welchen Stellenwert Grundbesitz, Gartenanlagen und Architektur einnehmen und weshalb ein guter Mann in Japan vor allem „gesund und weg“ sein muss.

Eine Woche später berichtete dann Prof. Jürg Grunder von der Berner Fachhochschule von seinen Erfahrungen in Indien. Er stellte nicht nur die Projekte der IN:CH Academy und von IN:CH Architects and Planners vor, die sich vor allem nachhaltiger Architektur und Siedlungsentwicklung sowie dem Aufbau eines Ausbildungszentrums für den indischen Bausektor unter Einbeziehung internationaler Institutionen und Studierender widmen. Die Vertreter der Architekturmoderne wurden gegenwärtig und Grunder machte neugierig auf zeitgenössische Architekten wie Rahul Mehrotra, Mumbai Studio und Gurjit Singh Matharoo. Auch er weckte mit seinen Schilderungen indischer Lebenswirklichkeit, den Erläuterungen zur indischen Architekturlehre Vastu und den vielen Beispielen nachhaltiger Architektur Lust, an der SummerSchool im August teilzunehmen.

Am 03.05. bildete Prof. Wang Hao aus Shanghai mit seinem Vortrag „Gravity is Water“ den Abschluss der Reihe. Der Mitgestalter des chinesischen Pavillons bei der letzten Architekturbiennale von Venedig, der seit 2015 zusammen mit Ye Man das Rùn Atelier betreibt, stellte Beispiele seines preisgekrönten Werks vor, allen voran Ein- und Zweifamilienhäuser in seiner Heimatstadt Ningbo. Für junge Architekten wie ihn sieht er in solch kleineren Bauvorhaben im privaten Sektor die Chance, einen eigenen Stil abseits der staatlichen Baukultur zu entwickeln. Er verbindet dabei bewusst traditionelle Materialien und Bauweisen mit modernen Elementen. Während beispielsweise die alten gebogenen Brücken in China immer mehr verschwinden, gestaltet er die Treppen innerhalb seines Hauses entsprechend des historischen Vorbildes kurvig. Er trennt strikt zwischen Außen und Innen: Wie die Menschen in einem Dorf oftmals den gleichen Familiennamen tragen, sich aber im Vornamen unterscheiden, so stört es ihn nicht, Bauvorhaben äußerlich der Nachbarbebauung anzugleichen, wenn sie nur von innen eine eigenständige Persönlichkeit entfalten. Der inspirierende Vortrag wurde sprachlich von David Staib gestützt, der an der HTWG Wirtschaftssprachen Asien studiert und sich spontan bereit erklärte, seine Chinesischkenntnisse hilfreich einzusetzen.

Endlich - die Dokumentation der letztjährigen China-SummerSchool ist fertig!