Berufsperspektiven
Die wesentlichen Herausforderungen für unsere Zukunft ergeben sich aus dem Wandel gesellschaftlicher Strukturen, der industriellen Globalisierung und insbesondere dem Bevölkerungswachstum:
- Sicherstellung der Ernährung
- Deckung des Energiebedarfs
- Schonung der Ressourcen
- Schutz der Umwelt
Die Verfahrens- und Umwelttechnik ist dabei eine der Schlüsseltechniken, um für tragfähige Lösungen zur erarbeiten. Daraus ergeben sich zukünftig große Chancen für Verfahrensingenieurinnen und –ingenieure.
Verfahrenstechnik ist überall
Aufgrund der branchenübergreifenden Struktur ist die Verfahrenstechnik in fast allen Industriebereichen zu finden. Über 50 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden durch Industrien erwirtschaftet, die Verfahrens- und Umwelttechnik betreiben bzw. nutzen:
- Energieerzeugung, Brennstoffe, Brennstoffzelle
- Pflanzenschutz / Düngemittel
- Nahrungsmittel
- Anlagen- und Apparatebau
- Umweltschutz, Sicherheitstechnik
- Glas, Keramik, Zement
- Wasser-/Trinkwasseraufbereitung
- Chemische Industrie
- Kunststoffe, Holz, Papier, Farbstoffe
- Pharmazeutische Produkte/Medizintechnik
- Ver-/und Entsorgungstechnik
- Waschmittel und Kosmetik
Beste Prognosen
Detaillierte Arbeitsmarktprognosen sind zwar schwierig, aber angesichts der Branchenvielfalt und der hohen Bedeutung sind die Zukunftsaussichten für Ingenieurinnen und Ingenieure der Verfahrens- und Umwelttechnik sehr gut. Auch rückblickend hat sich die Verfahrenstechnik in wirtschaftlich angespannten Zeiten als überaus krisensicher erwiesen.
Wie in anderen technisch geprägten Berufen war auch die Verfahrenstechnik in der Vergangenheit eine „Männer-Domäne“. Dies hat sich glücklicherweise geändert. Immer mehr Frauen entscheiden sich mit gutem Grund für eine Zukunft in der Verfahrens- und Umwelttechnik.
Perspektive Masterstudium
Wer sein Wissen nach dem Bachelorstudium erweitern und vertiefen möchte oder eine wissenschaftliche Laufbahn vielleicht in Richtung Promotion anstrebt, kann nach dem Bachelorabschluss den ebenfalls von der HTWG Konstanz angebotenen Masterstudiengang Umwelt- und Verfahrenstechnik UVT anschließen.
Stichwort Zukunft
Verfahrenstechnik ist immer zugleich Stoff- und Energietechnik. Dabei bauen die meisten Verfahren heute noch auf fossilen Rohstoffen auf. Doch was passiert, wenn keine fossilen Rohstoffe mehr zur Verfügung stehen?
Mittlerweile sind die meisten Ölvorkommen der Erde erschlossen. Ölexperten gehen davon, dass die maximale Förderrate aller fossilen Energieträger bereits zwischen 2010 und 2020 erreicht wird. Der Energiehunger hingegen nimmt aufgrund wachsender Weltbevölkerung und Industrialisierung stetig zu. Die steigende Nachfrage gekoppelt mit der stagnierenden Ölproduktion führt schließlich zu einer Preisexplosion in allen Märkten. Die meisten der heutigen Verfahren werden in 40 Jahren nicht mehr rentabel sein.
Verfahrens- und Umweltingenieure werden im Lauf der nächsten Jahrzehnte spannende Aufgabenstellungen im Zuge des Rohstoffwandels und der Erschließung alternativer Energiequellen bearbeiten. Sie werden einen entscheidenden Beitrag zur Lösung dringlicher Problemstellungen leisten:
- Nachhaltige Erschließung von Energiequellen, die ohne Schadstoffemissionen genutzt werden können.
- Optimierung der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Herstellung von Kunst-, Bau- und Brennstoffen.
- Ernährung der zunehmenden Weltbevölkerung trotz Nutzung von Anbauflächen zur Produktion nachwachsender Rohstoffe.
Brennstoffzelle
Viele Forschungsprojekte der Verfahrenstechnik beschäftigen sich schon heute mit diesen Fragen. Weltweit arbeiten Firmen und Hochschulen am Projekt Brennstoffzelle – einem alternativen Energiewandlungssystem. In der Brennstoffzelle werden Wasserstoff und Sauerstoff kontrolliert zur Reaktion gebracht und dabei die chemische Energie direkt in elektrische Energie umgewandelt. Wasserstoff und Sauerstoff werden zuvor durch Einsatz von Solaranlagen aus Wasser gewonnen. Zur Erzeugung der Brennstoffzellen werden u.a. spezielle Membranen benötigt, die von Verfahrensingenieurinnen und -ingenieuren entwickelt und getestet wurden. Auch die Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und Sauerstoff aus Wasser werden von Verfahrensingenieurinnen und -ingenieuren entwickelt, geplant und gebaut.
Nachwachsende Rohstoffe
Die Nutzung von Biomasse als nachwachsendem Rohstoff (NaWaRo) ist derzeit ein weiteres TOP-Thema. Hierbei werden neue Technologien zur Verwendung der unterschiedlichsten Bestandteile der Biomasse entwickelt. Insgesamt steht mit Biomasse ein enormes und gleichzeitig regeneratives Rohstoffpotential zur Verfügung
Biokraftstoffe der 2. Generation
Bioethanol ist ein hervorragender Kraftstoff für Autos und wird klassischerweise durch Fermentation von Zuckerrohr gewonnen. Die Verwendung von Zuckerrohr und Getreide steht jedoch in direkter Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion. Es wird daher intensiv an der Entwicklung eines Verfahrens zur Produktion von Bioethanol aus pflanzlicher Cellulose gearbeitet. Dann könnten Pflanzen wie Gräser und Hölzer für die Herstellung von Bioethanol eingesetzt werden.
Der nächsten Generation von Verfahrens- und Umweltingenieurinnen und Ingenieuren bietet sich die besondere Gelegenheit, den Rohstoffwandel durch die Entwicklung neuer verfahrenstechnischer Prozesse aktiv mitzugestalten. Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen – unsere Gesellschaft braucht Sie, um die notwendige Grundlagenforschung und verfahrenstechnische Umsetzung in Angriff zu nehmen.
Mehr dazu: Neugierig auf Verfahrenstechnik - GVC-VDI-Gesellschaft


