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Nachrichten aus der HTWG

13.01.15

Theater ohne Scheuklappen

Im Studium ruhig Blut zu bewahren ist nicht immer einfach. Vor allem dann, wenn man es nicht schafft, die Anforderungen zu erfüllen und das Scheitern vor Augen hat. Theatralisch aufbearbeitet haben dies Studierende der Eventproduktion unter der Regie von Felix Strasser.

Was, wenn jemand ausrastet, weil er auch durch die letztmögliche Prüfung gerasselt ist? Wenn das Fallbeil genannt Studien- und Prüfungsordnung die Zukunftspläne und -aussichten mit einem Schlag gekappt hat? Wenn die Welt um einen einstürzt während die anderen über die bestandene Prüfung jubeln? Wenn man die Jubler zu Geiseln macht, um ihnen beizubringen was Demütigung, Machtlosigkeit, Zukunftsangst in einem anrichten? Dann ist es schwierig „Ruhig Blut“, so der Titel der Inszenierung, zu bewahren.

Einrichtung zur bolognakonformen Einstellung von Gehirnen. Ein kräftiger Schuss Satire gehörte auch zu den Zutaten der Inszenierung.

Diese Extremsituation haben die Studierenden - die übrigens alle Szenen und Texte des Stückes selbst entworfen und verfasst haben - gleichsam als Parabel gewählt, um das Thema soweit zu verdichten, dass der schmale Grat zwischen Erfolg und Scheitern schmerzlich sichtbar wurde. Das über Strecken hinweg außerordentlich intensiv dargebotene Stück wurde immer wieder von Videosequenzen durchbrochen, etwa durch ein Interview mit einem Psychologen über Belastungen im Studium oder mit Polizeibeamten über den Einsatz von Polizisten bei Amokläufen. All das unter dem Überbau der Hochschulpolitik im Kielwasser der Bolognareformen, mit denen sich das Ensemble immer wieder kritisch auseinandersetzte. Dazu gehörte auch die Frage, inwiefern die Hochschulreformen Stromlinienförmigkeit nach sich ziehen, oder in welchem Ausmaß das Durchziehen des Studiums unter permanentem Druck Versagensängste und ein reduziertes Reflexionsvermögen Leben nach sich ziehen.

Sich wach halten zu müssen um jeden Preis, um das Lernpensum für die Prüfungen zu bewältigen, kann manchmal wütend machen.

Herangeführt an solche Themen wurden die Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes durch eine Campustour besonderer Art als Auftakt zur eigentlichen Aufführung. Da konnten sie gruppenweise einem Studiengangleiter beim Überlegen zusehen, wie Studien- und Prüfungsordnungen ausgelegt werden können, und wie sagt man einem Studierenden, dass er nicht mehr weiter studieren darf? Oder einen verrückten Forscher erleben, wie er studentische Gehirne wieder bolognakonform ausrichtet. Oder in der HTWG-Puppenkiste die Wirklichkeit über internationale Mobilität der Studierenden und die grenzüberschreitende Anerkennung von ECTS-Punkten aus dem Munde schräger Marionetten erfahren. Oder schließlich vom nächtelangen Lernen erschöpfte Studierende erleben, die vom Hausmeister erst geweckt, schließlich aber doch zugedeckt werden.

Starke schauspielerische Leistungen zeigen die Mitglieder des Ensembles in der aktuellen Inszenierung und bewiesen nebenher auch, dass das Studium generale richtig Spass machen kann. Das Publikum quittierte die Aufführung mit langem Applaus.

Es ist eine Mammutleistung, insgesamt 51 Mitwirkende unter einen Hut zu bringen und am Ende eine runde, begeisternde Inszenierung hinzubekommen die fesselt, berührt und zum Nachdenken verleitet. Felix Strasser ist dies bravourös gelungen. Dem Ensemble ebenso. ac

„Ruhig Blut“ wird noch bis zum 16. Januar täglich ab 20 Uhr im Gebäude G (Eingang Rheingutstraße) aufgeführt. Die Vorstellungen sind eigentlich ausverkauft. Restkarten werden noch an der Abendkasse angeboten.

Homepage der Eventproduktion