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Nachrichten aus der HTWG

16.03.17

Aus der Welt eines bedrohten Volkes

Sie wurden verschleppt, vergewaltigt, verkauft. Über 1000 Jesidinnen hat das Land Baden-Württemberg ausgeflogen. Eine Gruppe von ihnen hat nun mit Design-Masterstudenten der HTWG in gemeinsamen Workshops Arbeiten gestaltet. Sie sind noch bis 16. April im Konstanzer Bildungsturm zu sehen.

"Kinder des Lichts - 1000 Stimmen für Jesiden" lautet der Titel der Ausstellung, die unter der Leitung der Professorin Judith Grieshaber und der Journalistin Kerstin Conz entstanden ist.

Im Bildungsturm drängten sich zur Vernissage am Mittwochabend die Besucher – und wohl keiner unter ihnen war nicht berührt von dem, was zu sehen ist und was an diesem Abend berichtet wurde. "Es gibt nichts, was sie nicht mit uns gemacht haben", sagte eine siebzehnjährige Überlebende den über 200 Gästen bei der Eröffnung im Wolkensteinsaal, "sie haben uns wie Tiere behandelt". Wie systematisch und massenhaft die Gräueltaten gegenüber Jesiden waren und sind, schilderte dann der Traumatologe Jan Ilhan Kizilhan, der regelmäßig vor Ort ist und alle der über 1000 Frauen, die vom Land Baden-Württemberg ausgeflogen wurden, gesprochen und untersucht hat. 74 Genozide sind in der Geschichte an Jesiden verübt worden. Dieser könnte der letzte sein: "Wir sind Zeugen der Vernichtung einer Gemeinschaft", so Kizilhan, "die Jesiden stehen am Scheideweg." Wohin der Weg führe, liege auch an der Reaktion des Westens. Und der habe schon viel zu lange gewartet.

 

Einblicke in geschichtliche Hintergründe und die Welt des jesidischen Glaubens sind bis 16. April im Konstanzer Bildungsturm zu sehen. Jesidinnen und Masterstudierende haben die Ausstellung erarbeitet.

Besucher finden in der multimedialen Ausstellung einen Einblick in geschichtliche Hintergründe und die Welt des jesidischen Glaubens, der viele Parallelen zum Christentum aufweist. Die Tempeltürme von Lalisch, dem heiligen Ort der Jesiden, sind so mit Holzkonstruktionen nachempfunden worden. Am Morgen der Vernissage noch hatten die jungen Jesidinnen dort strahlend Knoten in bunte Tücher geknüpft. Das macht man in ihrer Heimat so, wenn man sich etwas wünscht. Und in die Sprechblasen im ersten Stock haben sie ihre größten Wünsche geschrieben: "In Singal leben" oder "Ich wünsche mir meine Familie". Auch Besucher können hier ihre Wünsche mit Kreide an die Wand schreiben. Und wer im bunt bebilderten Obergeschoss noch dazu eines der Notizbüchlein oder einen Siebdruck erwirbt, die Studenten und Jesiden gemeinsam gestaltet haben, hilft ganz handfest mit bei der Finanzierung dieses Projektes und eventuell folgender Aktionen. 60 jesidische Frauen haben sich laut Kizilhan in den nordirakischen Lagern bereits selbst getötet, weil vor Ort keine ausreichende Versorgung für die schwer traumatisierten Menschen möglich ist. Tausende sind noch in der Gewalt des IS. "Ich flehe Sie an, eine Stimme für diese Menschen zu werden". Das hatte die junge Jesidin zu Beginn gesagt. Ausstellungen wie diese könnten helfen einen Chor daraus zu machen. (bes)

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag, 10 bis 17 Uhr
Öffentliche Führungen:
Sonntag, 19. März, 15 Uhr
Sonntag, 2. April, 15 Uhr

Außerdem bieten die Studiengänge Kommunikationsdesign auf Anfrage Führungen an. Auch bei Interesse an den gestalteten Arbeiten sind die Studiengänge Ansprechpartner. Kontakt: Prof. Judith Grieshaber