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Nachrichten aus der HTWG

12.06.17

Fördergesellschaft der Hochschule würdigt ehrenamtliches Engagement

Sabri Koshaba hat den Rödelstab-Preis erhalten. Die Fördergesellschaft der Hochschule verleiht den Preis jährlich für außerordentliches soziales Engagement. Der BWL-Student hat einen besonderen Ansatz für die Begegnung von Kulturen entwickelt.

„Konflikte löst man nur durch Aufklärung“ – das ist ein Leitsatz der ehrenamtlichen Arbeit von Sabri Khoshaba. Die Konsequenz, die der 30-jährige gebürtige Iraker für sich gezogen hat: Er will die deutsche Kultur verstehen und die arabische Kultur erklären. „Die Kulturen sind verschieden, Missverständnisse sind normal“, hat er beobachtet. Doch dabei belässt er es nicht. Sein Ansatz: Gegenseitiges Kennenlernen, bevor ein Konflikt entstehen kann.  Um dies zu ermöglichen, hat er das Projekt „Marhaba“ – „Willkommen“ an der HTWG ins Leben gerufen und gemeinsam mit drei Kommilitonen im Rahmen eines Projektseminars umgesetzt.

Sabri Khoshaba ist selbst Ende September 2010 aus dem Irak geflohen, Ende Februar 2011 hat er die Anerkennung als Flüchtling bekommen. Seine Eltern und Geschwister haben sich in anderen Teilen der Welt in Sicherheit gebracht. Nachdem er mehrere Deutschkurse besucht hatte, hat er erfolgreich an der Aufnahmeprüfung für das Studienkolleg an der HTWG teilgenommen und nach einem Jahr Studienkolleg die Feststellungsprüfung abgelegt. Seitdem studiert er BWL an der HTWG.

Einbringen persönlicher Erfahrungen

Als im Jahr 2016 die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland und auch nach Konstanz kamen, immer größer wurde, konnte er nicht untätig bleiben. Aus seiner eigenen Geschichte kennt er sehr gut die Eindrücke und Erfahrungen, die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland machen. Er fühlte sich verantwortlich, seine Erfahrungen weiterzugeben, um den Geflüchteten das Einleben in Deutschland zu erleichtern und den schon lange in Deutschland Lebenden die arabische Kultur zu erklären.

Also organisierte er mit Kommilitonen Workshops, in denen er den Austausch ermöglichte und zur Reflektion einlud. „Was ist anders als Ihr es gewohnt seid? Warum irritiert es Dich? Warum findest Du es besser oder schlechter?“ Diese Fragen zu diskutieren,  sei sehr wichtig, um ein Einlassen auf die jeweils fremde Kultur zu ermöglichen, ist Khoshaba überzeugt. So war in einem Workshop die Stellung der Frau in Westeuropa im Vergleich zur Stellung der Frau in arabischen Ländern ein großes Thema. Eigentlich, so waren sich die Teilnehmer einig, finden sie die europäische Haltung besser. Und dennoch koste es manchmal Überwindung, sie ohne weiteres zu akzeptieren. „Es ist diese gedankliche Auseinandersetzung, auf die es ankommt“, sagt Sabri Khoshaba.  Nur so kann seiner Meinung nach eine wirkliche Integration stattfinden.

Anregung zum selbstständigen Denken

„Bereits in der Konzeption der Workshops wurde Herrn Khoshabas Bestreben um Aufklärung, die er als Anregung zum selbstständigen Denken versteht, deutlich“, sagte Waltraut Bauersachs in ihrer Laudatio bei der Preisverleihung. Die Projektkoordinatorin des Interkulturellen Zentrums der HTWG hatte Sabri Khoshaba als Preisträger für den Rosel-Rödelstab-Preis vorgeschlagen. Eine Jury der Fördergesellschaft hatte sich schließlich für den BWL-Student entschieden. „Wir freuen uns sehr, dass wir aus acht sehr guten Vorschlägen wählen konnten. Die Entscheidung für Herrn Khoshaba ist keine Entscheidung gegen die anderen äußerst engagierten Studierenden, sondern eine Auszeichnung und ein Dank für den besonders herausragenden Einsatz von Herrn Khoshaba“, sagte Prof. Dr. Anton Brunner, Vorsitzender der Fördergesellschaft der Hochschule.

Durch sein aufgeschlossenes, uneigennütziges Wesen und seine außergewöhnliche Initiative in der Entwicklung neuer Idee für die Integration von Flüchtlingen habe er einen wichtigen Beitrag zur Begegnung zwischen Studierenden und Flüchtlingen, sowie der Verständigung zwischen den Kulturen geleistet. „Durch seine eigene Geschichte, seine reflektierte Haltung und seine offene und ehrliche Art der Kommunikation ist er ein Beispiel dafür, wie Integration und die Begegnung zwischen den Kulturen konstruktiv und bereichernd für alle Beteiligten gelebt werden kann“, betonte Waltraut Bauersachs. (aw)

 

Prof. h.c. Dr. Anton Brunner, Vorsitzender der Fördergesellschaft der Hochschule, verlieh den Rosel-Rödelstab-Preis für besonderes studentisches soziales Engagement an den BWL-Studenten Sabri Khoshaba. Waltraut Bauersachs, Projektkoordinatorin des interkulturellen Zentrums der HTWG, würdigte sein Wirken in ihrer Laudatio.

Interview mit dem Rödelstabpreisträger 2016 Sabri Khoshaba

Der Rosel-Rödelstab-Preis

Der Preis erinnert an Rosel Rödelstab, engagierte Mitarbeiterin der Hochschule und Mitbegründerin der Fördergesellschaft. Die engagierte Mitarbeiterin gründete 1951 ein Sozialwerk für die Studierendenschaft am damaligen „Staatstechnikum Konstanz“, der heutigen HTWG. Eine solche Organisation war zu dieser Zeit in der Bundesrepublik einmalig. Rosel Rödelstab wollte damit die große Not der Studierenden in der Nachkriegszeit lindern.
Die Ausschreibung für den diesjährigen Rödelstab-Preis läuft: Vorschläge können bis zum 31. August 2017 eingereicht werden, vorschlagsberechtigt sind alle Hochschulmitglieder. Das Preisgeld wird durch die Fördergesellschaft der Hochschule Konstanz e. V. bereitgestellt. Es beträgt 1.000,? Euro. Offizielle Gremien und eingetragene Vereine sind als Preisträger ausgenommen.
Hier das Vorschlagsformular zum Rödelstabpreis 2017 Download