Hochschultag für Nachhaltige Entwicklung
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„Rendezvous mit der Zukunft: Nachhaltige Wertschöpfung an Bodensee und Hochrhein“ – unter diesem Projekttitel hat die HTWG ein Jahr lang erforscht, wie Unternehmen, Bürgerorganisationen und Hochschule die nachhaltige Entwicklung in der Region voranbringen können. Mit einer Fachtagung, die neben der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, mehr als 120 Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg und anderer Bundesländer Länder zählte, ging das Projekt zu Ende
HTWG-Präsident Dr. Kai Handel, der 2007 den bundesweit ersten Referenten für nachhaltige Entwicklung an einer Hochschule einstellte, stellte das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf Kants kategorischen Imperativ als eine Verpflichtung für die Gesellschaft dar. „Wir haben die Möglichkeit, die Welt zu verändern“, sagte er. Es liege an der heutigen Gesellschaft, ob sie die Welt so hinterlasse wie sie sie gerne hätte vorfinden wollen.
Prof. Dr. Michael Wörz, Sprecher des Netzwerks der Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung, verschaffte den Teilnehmern einen Überblick über Nachhaltigkeits-Aktivitäten der Hochschulen: In 111 Lehrveranstaltungen in 25 Studium-Generale-Reihen und 25 Studiengängen werde das Thema Nachhaltigkeit an 21 Hochschulen aufgegriffen. „Damit werden gerade einmal 10 bis höchstens 20 Prozent der Studierenden erreicht“, rechnete Prof. Wörz vor. Sein Appell: Nachhaltigkeit müsse noch viel stärker in Hochschulen implementiert werden – vom konkreten ökologischen Handeln an der Hochschule bis in die Forschung.
In ihrem Vortrag machte Ministerin Theresia Bauer deutlich, welchen Stellenwert sie der Wissenschaft in der nachhaltigen Entwicklung beimisst: „Wir brauchen die Hochschulen als Zukunfts- und Ideenlabore.“ Sie zitierte den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, der einen „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ als nötig betrachtet. Nach der Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft sei nun der Wandel zur ressourcenschonenden und klimaverträglichen Gesellschaft dringend nötig.
Gerade die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften könnten nach Auffassung der Ministerin mit ihrer Praxisnähe eine Schrittmacherfunktion übernehmen. Allerdings betonte sie auch: „Wenn wir unser Nachhaltigkeitsziel erreichen wollen, brauchen wir einen gelingenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.“
Als beispielhaft bezeichnete die Ministerin das Projekt „Rendezvous mit der Zukunft“ der Hochschule Konstanz. Das Projekt entwickelte Modelle dafür, wie der wechselseitige Austausch zu Nachhaltigkeitsfragen zwischen Hochschulen, Unternehmen und anderen regionalen Partnern organisiert werden kann. „Dabei deckte es ein breites Spektrum von Aspekten der Nachhaltigkeit ab“, erläuterte Nachhaltigkeitsreferent Dr. Michael Kalff, der die Projekte mit Juliane Dross vorstellte. Es umfasste Themen von der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude mittels Bürgerkapital und Contracting über glaubwürdiges Nachhaltigkeitsmanagement für kleine und mittlere Unternehmen bis zur Strahlungsreduzierung im Mobilfunk. Weitere Projekte untersuchten die Möglichkeiten zur Verlagerung von Ausflugsverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel, nachhaltiges Bauen oder die Förderung technischer Bildung für junge Menschen.
„Die Ergebnisse können sich sehen lassen“, sagte Dr. Kalff zusammenfassend. So steht die Gründung einer Genossenschaft für die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude bevor, ein Beratungsmodell zum nachhaltigen Wirtschaften für kleine und mittlere Unternehmen wurde entwickelt, vier Unternehmen erhielten die Auszeichnung „Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“. Die Debatte um Mobilfunksendeanlagen konnte mittels technischer Analysen versachlicht werden, Studierende bauten gemeinsam mit Schülern einen Flugsimulator, der jetzt gemeinsam auf dem Campus betrieben wird. Ein Konzept für Online-Fahrpläne, Online-Tickets und „Erlebnislinien“ steht bereit, um Bodenseegästen die Nutzung von Bahnen, Bussen und Schiffen zu erleichtern. Neuartig war die Zusammenarbeit mit Bürgerorganisationen bei der Entwicklung von Forschungsfragen und praktikablen Lösungen. Projektpartner waren etwa der BUND und Bürgerinitiativen, aber auch Institutionen wie IHK und Handwerkskammer. Verschiedene Unternehmen vom Familienbetrieb über mittelgroße Unternehmen bis zu Branchengrößen haben sich am „Rendezvous mit der Zukunft“ beteiligt, führte Dr. Kalff aus.
Zu den Referenten der Tagung gehörte desweiteren Prof. Holger Rogall, Professor für Nachhaltige Ökonomie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und Vorsitzender der Gesellschaft für Nachhaltigkeit. Er ging mit den Wirtschaftswissenschaften hart in die Kritik. Es bestehe ein dramatischer Mangel an Vermittlung von Kenntnissen der Nachhaltigkeit in Volks- und Wirtschaftswissenschaften. Er forderte eindringlich, Studierenden Lösungsstrategien für Probleme des 21. Jahrhunderts zu vermitteln. „Ein ‚Weiter so‘ ist nicht möglich“, sagte Prof. Rogall. Statt des Wachstumsparadigmas sollte seiner Meinung nach „selektives Wachstum“ im Fokus stehen.
Prof. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Mitglied des Club of Rome und der Enquetekommission des Bundestags zu Wachstum und Wohlstand, referierte zu Möglichkeiten, Nachhaltigkeit im Wissenschaftsbetrieb zu verankern.
Eine Podiumsdiskussion - moderiert von Prof. Dr. Wörz - zwischen dem Rektor der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Achim Bubenzer, Stephan Ertner, Referent im Wissenschaftsministerium, Dr. Michael Kalff, Prof. Rogall und Prof. Schneidewind schloss die Tagung ab. (aw)
Projektbeteiligte
Fakultäten der HTWG Konstanz: Architektur und Gestaltung (AG), Elektro- und Informationstechnik (EI), Maschinenbau (MA), Informatik (IN), Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WS)
Nichtregierungsorganisationen: u.a. BUND, BI Humaner Mobilfunk, ADFC, VCD,
Konstanzer Runde der Energieberater
Institutionen: u.a. Energieagentur Kreis Konstanz, Flugplatz Konstanz, HWK Konstanz, IHK Bodensee-Hochrhein, Stadt Konstanz
Unternehmen: u.a. Hotel Barbarossa, Kanzlei Dr. Binder, Flaig und Ritterhoff, BODO, Cowa, Gärtnereigenossenschaft Reichenau, Ingenieurbüro Gevecke, KONAIR, Insel Mainau, Motedis, Solarcomplex, Sparkasse Singen-Radolfzell, Thurbo, SWISS



