Visionen im Großformat – Studenten gestalten Firmenkalender

- Autogramm von der Professorin: Sarah Krebietke und Benjamin Schnepp mit Prof. Judith M. Grieshaber und Cigdem Kurar von MBtech bei der feierlichen Präsentation des Kalenders.
»Visionen sind die Kunst, Unsichtbares zu sehen« – ein Zitat von Jonathan Swift steht auf dem Titelblatt. Sarah Krebietke und Benjamin Schnepp haben das Unsichtbare sichtbar gemacht und das abstrakte Motto des Wettbewerbs »Visions of Mobility« in 13 Variationen auf Papier gebannt. Dass ausgerechnet ihr Entwurf von der Jury ausgewählt worden ist, um als Aushängeschild der Firma MBtech an Kunden und Geschäftspartner weitergereicht zu werden, damit hätten die beiden Studenten, die im sechsten Semester an der Konstanzer Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung studieren, nicht gerechnet. Weniger aus falscher Bescheidenheit, sondern weil ihre Entwürfe so gar nichts mit der schönen glatten Werbewelt zu tun haben, die man hinter derartigen Aufträgen gemeinhin vermutet.
Externe Experten in der Jury
Bereits zum zweiten Mal hat das Unternehmen an drei Hochschulen einen Wettbewerb zur Gestaltung seines Kalenders ausgeschrieben. Neben Kommunikationsdesignern aus Konstanz haben Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart sowie der Fachhochschule Wiesbaden teilgenommen. 13 Kalenderentwürfe wurden insgesamt eingereicht, aus denen die Jury zunächst drei Hochschulsieger, dann den Gesamtsieger ausgewählt hat. Externe Experten als Fachjuroren sowie leitende Angestellte von MBtech waren an der Entscheidung beteiligt, per Intranet konnten auch die Mitarbeiter des Sindelfinger Werks ihre Stimme abgeben.
Schwer sei der Jury die Entscheidung gefallen, meinte der Sprecher der MBtech-Geschäftsführung Werner Kropsbauer und erläuterte die Kriterien: »Konzept und Idee, gestalterische Qualität und Vorschläge zur drucktechnischen Verarbeitung müssen miteinander harmonieren und gut zum Unternehmen und seinem Leistungsspektrum passen.« Diesbezüglich habe der Konstanzer Entwurf besonders überzeugt.
Zukunft als Entwurf
Professorin Judith M. Grieshaber, einst auch Initiatorin des Wettbewerbs, hat die Studenten bei der Projektarbeit betreut. Eine lange inhaltliche Auseinandersetzung mit den Begriffen »Vision« und »Mobilität« sei der gestalterischen Arbeit im Seminar vorausgegangen, berichten die Preisträger. Krebietke und Schnepp haben dabei entschieden, zwölf Kategorien von Mobilität zu formulieren und gestalterisch umzusetzen. Entstanden sind Bilder, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschließen, Bilder, die durch die angewendeten CAD-Programme einerseits eine technokratische Kühle ausstrahlen, die aber andererseits durch handgezeichnete Elemente skizzenhaft wirken. Die Zukunft als Entwurf sozusagen.
Oft umgibt diese Entwürfe eine düstere Aura. Einsam und sehr klein wirken so die Menschen in ihren riesigen Wolkenkratzern auf dem Januar-Blatt. Und oft haftet der Gestaltung ein surreales Moment an: Stromkabel und Pflanzen verschmelzen im April zu einer unwirklichen Einheit. Jedem Blatt haben die Designer ein zum Inhalt passendes Zitat beigestellt.
1000 Exemplare gedruckt
Ein aufwändiges Unterfangen: Viele Tage und auch manche Nacht haben Sarah Krebietke und Benjamin Schnepp am Rechner verbracht, Ideen gesammelt, Entwürfe ausprobiert. Richtig freuen über den Erfolg konnten sie sich erst auf der Rückfahrt von Sindelfingen, nachdem im Sommer dort die Entscheidung der Jury bekanntgegeben worden war. Jetzt waren sie wieder dort, um zu feiern – und natürlich, um sich selbst einige der insgesamt 1000 druckfrischen Exemplare mit nach Hause zu nehmen.

