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Architektur (MAR)

Letzte Vorbereitungen für das Klangexperiment

Noch ist gegenüber der Großbaustelle des Berliner Schlosses eine Attrappe zu finden – zwar seit rund 13 Jahren schon, aber mit absehbarer zeitlicher Begrenzung. Die Schinkelsche Bauakademie stand einst an diesem Platz und soll dort nach heißen Diskussionen auch wiedererrichtet werden. Zwischenzeitlich dienen Baugerüste mit Planen und Fassadenaufdruck sowie der modellhaft erstellte Schinkelsaal als architektonische Platzhalter. Diesen Zustand des Überganges, die Flüchtigkeit des Momentes, nahmen die Berliner Klangkünstler Korinsky und Professor Katrin Günther mit Architekturstudierenden als Ausgangspunkt für ein künstlerisches Experiment: „Es ist nicht das derzeit Marode oder das zukünftig Mögliche, was uns am Inneren der Bauakademie-Brache interessiert. Es ist das Jetzt, das Zwischenstadium eines „Nicht mehr“ und des gleichzeitigen „Noch nicht“ und dessen besondere Situation der Abwesenheit von Architektur und damit der Abwesenheit des Menschen.“ Raum sollte nicht nur auf dem gewohnten visuellen Wege erlebbar gemacht werden.

In der Bauakademie lauschen die Besucher bei VOLUM IV fast sehnsüchtig den Klängen, die aus dem urwaldähnlichen Innenhof durch die Fenster in den dunklen Saal drängen. Was real und was Teil der Klangkomposition ist, verschwimmt insbesondere bei Naturgeräuschen. Die Nebelschwaden im Hof lassen das Licht und den Raum diffus erscheinen, vervollkommnen die Atmosphäre, die surreale und romantische Züge zugleich trägt. Assoziationen von Gewesenem kommen auf. Karolin Wagner, eine der beteiligten Studierenden, ist überwältigt: „Der Klang formt vor meinem inneren Auge immer neue Körper, die fast schon fühlbar sind und den Raum um mich herum verdichten.“ Auch das Raumempfinden der Besucherin Lisa Schmidt wird verändert: „Aus einem leeren Saal entsteht ein Sehnsuchtsort, der mich in seinen Bann zieht und verborgene Assoziationen sinnlich greifbar werden lässt.“

Den Zugang zu Architektur auf unkonventionelle, mitunter irritierende Weise zu finden und durch freie künstlerische Arbeit neuartige Sichtweisen als Grundlage für innovative Prozesse und den architektonischen Entwurf zu begreifen ist Ziel der gestalterischen Lehre von Katrin Günther. Sie sieht sich in ihrem Ansatz bestätigt: „Bei dieser Ausgabe von VOLUM ließ sich besonders gut beobachten, wie sich die Studierenden dem „historischen“ Raum auf für sie ungewohntem Wege näherten und diesen neu erfuhren“, begeistert sich die seit 2013 in Konstanz lehrende Künstlerin.

Bereits zum vierten Mal ließen die Klangkünstler Korinsky am 1. Juni 2017 zusammen mit Konstanzer Architekturstudierenden und deren Professorin für Darstellen und Gestaltung, Katrin Günther, Räume audiovisuell erlebbar werden: nach der Zentralen Predigtkirche des Berliner Doms 2014 gastierte VOLUM 2015 in der Kestnergesellschaft Hannover, bevor das Klangprojekt 2016 den Großen Wasserspeicher Prenzlauer Berg mit Klängen füllte. Die bisherigen Stationen des VOLUM-Projektes können Sie über den Link kennenlernen.

Fotos von Max Korinsky und Katrin Günther.

Ein Blick hinter und über die Kulissen