KD im Schatten der Sphinx
Zweisprachige Straßenschilder, zweisprachige Magazine und zweisprachige Logos: Wer Kommunikationsdesign in Ägypten machen möchte, muss eigentlich in zwei Kulturen und zwei Schriftsystemen zu Hause sein. Neben dem Arabischen haben sich das Englische als zweite Sprache und die lateinische Schrift als zweites Zeichensystem in dem nordafrikanischen Land etabliert.
Die Notwendigkeit, beide Systeme zu kombinieren, schafft gleichzeitig reizvolle Möglichkeiten – wie reizvoll, davon konnten sich KD-Studenten und Professoren bei der Präsentation der Gäste überzeugen. Die Studentinnen der German University in Cairo gehören dabei zu den Pionieren des Kommunikationsdesigns in Afrika. Die Hochschule, die von den Universitäten in Stuttgart und Ulm unterstützt und vom Land Baden-Württemberg mitgetragen wird, hat als einzige im Mittleren Osten eine Design-Fakultät. Produktdesigner, Mediendesigner und Graphikdesigner werden dort von Lehrern aus Deutschland und Ägypten ausgebildet. Noch sind es vor allem Designerinnen: Ein künstlerisches Studium wird in Ägypten noch nicht in ähnlicher Weise anerkannt wie in Europa. Männer studieren daher eher die klassischen Fächer: Jura, Betriebswirtschaft, Medizin.
Kommunikationsdesigner können so noch einen ganzen Kontinent erobern. In welchem Maße das bereits geschieht, zeigten Beispiele moderner Verwendung von arabischer Kalligraphie, neu gestalteter Magazine, moderner Filmplakate. So ist es kein Wunder, dass die 2002 gegründete Hochschule eine stets wachsende Anzahl an Studienbewerbern verzeichnet. Die meisten von ihnen waren bereits auf internationalen Schulen. Als Studenten können sie an der German University ihre interkulturelle Ausbildung fortsetzen – zum Beispiel durch einen regen Austausch mit deutschen Hochschulen.
Wie faszinierend ein Aufenthalt vor Ort sein kann, zeigten so auch die Bilder des deutschen Designers Stefan Theiss, der die Abteilung für Graphikdesign an der German University leitet. Theiss schilderte den Alltag in einer Metropole, in der sich auf einer Fläche, die kaum größer als Berlin ist, über 20 Millionen Menschen ballen. Er gab einen Einblick in orientalische Gepflogenheiten und zeigte dennoch, wie sehr sich das Land in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Und während seine Studentinnen am Bodensee erste Erfahrungen mit Schnee und Eis sammelten, erzählte er von den Unannehmlichkeiten eines echten Sandsturms.


