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IT-Sicherheitsexperten tagen an der HTWG

Premiere: Zum ersten Mal fand die Konferenz „SICHERHEIT“ der Gesellschaft für Informatik an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften statt. Die Teilnehmer kamen aus Forschung, Entwicklung und Anwendung.

Schon lange bevor IT-Sicherheit in der breiten Öffentlichkeit als relevantes Thema wahrgenommen wurde, hat der Fachbereich Sicherheit (Schutz und Zuverlässigkeit) der Gesellschaft für Informatik e.V. regelmäßige Jahrestagungen etabliert. Seit 1991 treffen sich IT-Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung alle zwei Jahre bei der Jahrestagung zur Diskussion von Herausforderungen, Trends, Techniken und neuesten wissenschaftlichen und industriellen Ergebnissen.
Seit 20 Jahren fand die Tagung nun einmal wieder in Baden-Württemberg statt, zum ersten Mal überhaupt wurde sie von einer Hochschule für angewandte Wissenschaften ausgetragen. Prof. Dr. Hanno Langweg, an der HTWG Professor für Datensicherheit in cloudbasierten Systemen und IT-Forensik, hatte erfolgreich an die Hochschule eingeladen.

Die thematische Ausrichtung der Tagung ist traditionell sehr breit. „Die Themen geben einen Überblick über die Forschungsthemen, die für Security und Safety von IT-Systemen aktuell sind“, erläutert Prof. Dr. Hanno Langweg. Aus 53 Einreichungen waren 26 Beiträge für das Vortragsprogramm ausgewählt worden. Dabei ging es unter anderem um den Schutz kritischer Infrastrukturen (wie zum Beispiel Wasserversorgung, Gesundheitswesen, Finanzsektor), um Datenschutz, um digitale Forensik, um Sicherheit in der Cloud und Softwaresicherheit. Alle Beiträge sind in der digitalen Bibliothek der GI verfügbar.

Seitens der HTWG sprachen der Wirtschaftsjurist und IT-Rechtler Prof. Dr. Marc Strittmatter und Doktorand Felix Schuckert. Prof. Dr. Strittmatter, der in den Jahren 2014, 2015 und 2016 vom Handelsblatt in die Liste der „Best Lawyers“ im Bereich Informationstechnologierecht und im Jahr 2017 zum „Lawyer des Jahres Informationstechnologierecht“ gewählt worden war, diskutierte in seiner Keynote die Frage: „Die EU-Datenschutz-Grundverordnung – neue Anforderungen an IT-Sicherheit durch einen risikobasierten Ansatz?“. Felix Schuckert stellte in seinem Vortrag das gemeinsame Forschungsprojekt von ihm und Max Hildner mit Prof. Hanno Langweg (HTWG) und Prof. Basel Katt (NTNU) zu einer Systematisierung von Buffer-Overflow-Schwachstellen vor.

Marina Krotofil (FireEye, U.S.A.) hielt 32 Jahre nach Tschernobyl einen Keynote-Vortrag zur Sicherheit industrieller Kontrollsysteme und wies eindrücklich auf die steigenden Gefahren und sinkenden Hemmschwellen grenzüberschreitender Sabotage über vernetzte Systeme hin. Der Keynote-Vortrag „10 Schritte zur digitalen Souveränität“ von Dirk Fox (Secorvo Security Consulting) ist in einer älteren Aufzeichnung frei streambar.

Doktorandenforum bietet wertvolle Plattform

Am Vortag der SICHERHEIT 2018 fand an der HTWG ein Doktorandenforum statt. Dort konnten sich Doktorandinnen und Doktoranden zu ihrer Forschung austauschen, vortragen, Netzwerke knüpfen und Erfahrungen weitergeben. "Gerade für Promovierende, die nicht an einem der großen Cluster der IT-Sicherheitsforschung tätig und nicht in überregionale Netzwerke wie MyPhD eingebunden sind, bietet ein solches Forum eine wertvolle Community", betont Prof. Dr. Langweg.

Die Gelegenheit zum Austausch nutzte die Fachgruppe E-Commerce und E-Government zu einem Workshop mit Marktüberblick von elektronischen Wahlsystemen, die künftig auch bei GI-Wahlen zum Einsatz kommen könnten. Fachexperten in internationalen Normungsgremien aus Deutschland, der Schweiz und Österreich trafen sich am Bodensee, um ihre Anliegen einmal außerhalb von Gremiensitzungen zu vertiefen.

Im Rahmen der Tagung präsentierten die beiden Finalisten des CAST/GI-Promotionspreises IT-Sicherheit 2018 ihre Arbeiten. Nach eingehender Diskussion kürten die anwesenden Fachexperten einen Preisträger. Der Promotionspreis wird für eine hervorragende Leistung im Bereich der IT-Sicherheit gemeinsam von CAST e.V. und GI vergeben. Die Vergabe erfolgt in einem zweistufigen Verfahren mit Jury und Publikum und ist mit 3.000 EUR dotiert. Preisträger 2018 ist Dr. Sebastian Banescu (TU München). (aw/hl)