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Startup und Bachelorarbeit in einem: Studenten gründen Modelabel

Alexander Sack und Markus Schaffner kniend vor einem Bergsee in den Alpen. Sie tragen die "Touch of Alps"-T-Shirts.

Markus Schaffner (l.) und Alexander Sack (r.) an einem ihrem Lieblingsorte: mitten in der Natur in den Bergen.

Mit dem Vertrieb eines nachhaltigen Produktes ins Berufsleben starten und auch noch die Bachelorarbeit darüber schreiben – dieses Ziel verfolgen aktuell die Startup-Gründer von „Touch of Alps“ von der HTWG. Wie sie zum Wandel der Fashion-Industrie beitragen wollen und wie Interessierte ihnen finanzielle Starthilfe dabei geben können:

„Wir lieben die Natur und hatten während unseres Studiums auf dem Weg an die HTWG jeden Tag einen wunderschönen Blick auf die Alpen“, erzählt Markus Schaffner, wenn man ihn und seinen Kommilitonen Alexander Sack danach fragt, wie sie auf die Idee für „Touch of Alps“ gekommen sind. Während der Corona-Zeit haben sie wieder mehr Zeit in den Bergen verbracht.

T-Shirts aus 60 Prozent Bio-Baumwoll-Verschnitt und 40 Prozent recycelten PET-Flaschen

Die beiden HTWG-Studenten schreiben gerade ihre Bachelorarbeit im Studiengang Betriebswirtschaftslehre über ihr eigenes Startup. Ihr Plan: Mit dem Vertrieb eines nachhaltigen Produktes ins Berufsleben starten. Ihre Inspiration, das Alpenpanorama und ihre Abenteuer in den Bergen, wollen sie dabei mit ihren zukünftigen Kund*innen teilen.

Ein Bergsee in den Alpen.

So kamen sie auf die Idee, nachhaltige Kleidung zu vertreiben. Ihre Produkte: upgecycelte Secondhand-Jeansjacken sowie T-Shirts aus 40 Prozent recycelten PET-Flaschen und 60 Prozent Bio-Baumwoll-Verschnitt, der in der Textilindustrie im Müll landen würde. Auf dem Rücken der Kleidungsstücke ist das Logo von „Touch of Alps“ inklusive Alpenpanorama abgedruckt. Die Ärmel der T-Shirts zieren die Koordinaten der Fahrradbrücke in Konstanz, von der aus die beiden Studenten während ihres Studiums jeden Tag den Blick auf die Berge genießen konnten.

8 Millionen Tonnen Plastikmüll landet jährlich in den Weltozeanen

„Die Recyclingquote für Plastikmüll ist selbst in Ländern wie Deutschland erschreckend. Für uns ist es ein wichtiges Anliegen entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter fairen und nachhaltigen Bedingungen zu produzieren“, sagt Alexander Sack.

Plastikmüll werde in Deutschland zwar seit 30 Jahren getrennt, schreiben die beiden Studenten in ihrer Pressemitteilung, nur 17 Prozent unseres anfallenden Plastikmülls werde aber nachvollziehbar recycelt. 60 Prozent würden verbrannt, 13 Prozent würden zum Recycling ins Ausland exportiert. Nach dem Export erfolge jedoch keine Nachverfolgung. Das habe zur Folge, dass unser Plastikmüll auf Mülldeponien in Südostasien lande. Jährlich gelangten zudem rund 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in unsere Weltozeane.

Der indische Produzent für die nachhaltige Mode ist Fairtrade-zertifiziert

Diesen Problemen sowie dem negativen Einfluss der Fast-Fashion-Industrie auf Müll- und Umweltprobleme wollen die Gründer mit ihren Produkten und ihrem Instagram-Kanal @touchofalps entgegentreten. „Wir finden es toll, dass es mittlerweile immer mehr Modemarken gibt, die den gleichen Gedanken verfolgen. Als Kollektiv können wir der Fast-Fashion-Industrie sicherlich die Wichtigkeit eines Wandels klarmachen“, sagt Alexander Sack.

Drei junge Männer stehen mit dem Rücken zur Kamera vor einem Bergsee.

Der Produzent ihrer T-Shirts sitzt in Indien. „Wir glauben, dass es notwendig ist mit Produzenten aus Schwellenländern zusammenzuarbeiten, um nachhaltige Mode zu einem erschwinglichen Preis anzubieten“, sagt Markus Schaffner. Um zu gewährleisten, dass die Produktion ohne Kinderarbeit und unter Bezahlung von guten und existenzsichernden Löhnen stattfindet, haben sie sich einen Partner ausgesucht, der Fairtrade-zertifiziert ist. Mit ihrer Wahl wollen die Studenten ein Zeichen setzen: „Um einen fairen Standard in der Textilbranche nachhaltig voranzutreiben, zahlen wir in einen Partner ein, der in die richtige Richtung arbeitet“, ergänzt Schaffner.

Eine Crowdfunding-Kampagne soll die erste Kollektion des nachhaltigen Modelabels finanzieren

Ihre erste Kollektion wollen die Studenten mit einer Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Der Startschuss fiel vergangene Woche. Auf www.startnext.com/touch-of-alps können Unterstützer*innen zu privaten Geldgeber*innen des Projekts werden. Als Dankeschön gibt’s unter anderem natürlich T-Shirts und Jacken des Startups.   

Organisatorische Unterstützung für ihr Projekt erhalten die beiden neben ihrem Betreuer für die Bachelorarbeit von der HTWG auch von „Startup your Thesis“ von Kilometer1. Das Programm der Startup-Initiative von HTWG und Universität Konstanz gibt HTWG-Studierenden die Möglichkeit, sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit ein Semester lang intensiv mit ihrer Gründungsidee auseinanderzusetzen.

Wenn sie mit ihrer ersten Kollektion erfolgreich sind, wollen Alexander Sack und Markus Schaffner weitere nachhaltige Modekollektionen produzieren und sich mit ihrem Startup an Initiativen gegen die Verschwendung von Ressourcen beteiligen. „Eine Idee wäre zum Beispiel, dass wir bei der Initiative Rhine Cleanup mitmachen und mit unserer Community einen eigenen Cleanup veranstalten“, sagt Alexander Sack. (mm)