Kommunikationsdesign

Bachelorstudiengang

Dekoratives grafisches Element

Ein linker Stadtspaziergang

Studierende gestalten »rebellische« Stadtgeschichte zum Gewerkschaftsjubiläum

Jubiläum eines Gewerkschafts-Ortsverbandes – das klingt ja nun nicht gerade nach einem Thema, mit dem man Studierende begeistern kann. Dass das nicht stimmt, beweist nun ein Kooperationsprojekt der Studiengänge Kommunikationsdesign und des Konstanzer Ortsvereins »Medien und Kunst« der Gewerkschaft Verdi. Herausgekommen ist unter anderem ein Stadtführer, der die rebellischen Seiten der Bodenseestadt in den Blick nimmt – und dabei die Geschichte der Buchdrucker erzählt.

Der Blick in die Vergangenheit hat einiges zu bieten. Er zeigt das Inselhotel als Umschlagplatz für linke Schriften. Die »Untere Laube« als Wiege der Streikkultur. Antifaschistische Flugblätter im Mainauwald. Mai-Kundgebungen auf der Konstanzer Marktstätte. Schon der Stadtplan im Umschlag des Buches »Druck.Machen. – Eine etwas andere Stadtgeschichte von Konstanz« birgt Überraschungen. Denn wer das idyllische Konstanz heute kennt, mag der Stadt kaum revolutionäre Tendenzen zuschreiben.

Rebellisches Nest
Vor 150 Jahren allerdings sah das anders aus: Am Rande Deutschlands gelegen, mit direkter Grenze zur republikanischen Schweiz, war Konstanz damals durchaus ein »Nest« für rebellisches Gedankengut und für Menschen, die willens und in der Lage waren dieses schriftlich festzuhalten und in Druckerzeugnissen zu veröffentlichen. Dabei arbeiteten die Drucker – eine Art Bildungselite unter den Arbeitern – unter oft besonders widrigen Bedingungen. Und später sollten sie mit die ersten sein, die die Folgen der Digitalisierung zu spüren bekamen.

Jubiläums-Programm
1870 wurde der Ortsverein des Verbands der Deutschen Buchdrucker gegründet. Er existiert noch immer, unterdessen als Ortsverein »Medien und Kunst« unter dem Dach der Gewerkschaft Verdi. Und zum 150-jährigen Bestehen hatte man sich eine ganze Reihe von Veranstaltungen ausgedacht: Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen, Kinoabende – ein umfangreiches Programm, natürlich um zu feiern, aber auch, um deutlich zu machen, welche Rolle die Gewerkschaften für die Rechte von Arbeitnehmern in Deutschland gespielt haben. Und wie wichtig diese Rechte heute noch sind.

Vier Autoren
Die Veranstaltungen sind nun pandemiebedingt verschoben. Was blieb, war das Vorhaben, die Geschichte in einem Buch zu erzählen. Ein Autorenkollektiv mit Ralph-Raymond Braun, Patrick Brauns, Pit Wuhrer und Margrit Zepf hat dafür umfassend recherchiert und das Wissen in spannende Texte gefasst. Fotografien und Dokumente machen das Erzählte fassbar. Entstanden ist eine Zeitreise, die gleichzeitig als Anleitung zum linken Stadtspaziergang gelesen werden kann.

Studierende fragen genau nach
Dass der Band so unterhaltsam gelungen ist, ist den Designstudierenden zu verdanken, die in einem Projekt des Hauptstudiums mit Prof. Karin Kaiser das Buch gestaltet haben. »Sie haben uns einiges abverlangt«, berichtet Pit Wuhrer. Man solle die Geschichte ein wenig auflockern, unterhaltsam erzählen, Porträts einfügen. »Die Studierenden haben Fragen gestellt«, berichtet er. Denn gerade unter jüngeren Menschen gelten Gewerkschaften unterdessen oft als Relikt aus der Vergangenheit. Dabei steuern viele – gerade in der Medienbranche – auf unsichere Arbeitsverhältnisse zu.

Kampagne folgt
Das Buch war nur ein Ergebnis der Kooperation: Gestaltet haben die Studierenden außerdem ein ganzes Corporate Design für die Aktionen des Ortsverbands und für die Veranstaltungen zum Jubiläum, die nun auf das Jahr 2022 verschoben worden sind.  Ganz nebenbei haben die Gruppen auch voneinander gelernt. Die Gewerkschaft müsse sich modernisieren, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Das hat Pit Wuhrer erkannt. Man dürfe „nicht stillstehen“. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran: Unter »Druck.Machen« postet Wuhrer jetzt auf Instagram.

Braun, Ralph-Raymond; Brauns, Patrick; Wuhrer, Pit; Zepf, Margrit: Druck.Machen. – Eine etwas andere Stadtgeschichte von Konstanz. Querwege Verlag. Konstanz 2021. 182 Seiten.

Im Handel erhältlich. Preis: 19,80 Euro.

Das Buch »Druck.Machen«

Die Kampagne (verschoben auf das Jahr 2022)