Kommunikationsdesign

Bachelorstudiengang

Dekoratives grafisches Element

Abschied von einem Freund und Förderer

Er hat die Bodenseekunstschule an die HTWG gebracht: Zum Tod von Klaus Keller-Uhl

Der folgende Text ist ursprünglich erschienen in der Publikation »Mach's gut altes Haus – eine Hommage an die Villa Prym«, Konstanz 2012. Zu Ehren von Klaus Keller-Uhl veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle nochmals.

Wegbegleiter der Studiengänge

Klaus Keller-Uhl und die Geschichte der Designer am See

Wer einen Designstudiengang gründen will, hat es unter Umständen nicht leicht. Dass es die Studiengänge Kommunikationsdesign an der Konstanzer Hochschule gibt, ist vielen Menschen zu verdanken. Einem besonders: Klaus Keller-Uhl. Der ehemalige Stadtrat, einstige Vorsitzende des »Vereins zur Förderung der Stiftung Bodensee-Kunstschule« und Ehrensenator der HTWG hat mit viel Geduld und politischem Geschick entscheidend dazu beigetragen, dass die Übernahme der Bodenseekunstschule gelang. Keller-Uhl erinnert sich – an einen Weg mit vielen Stationen.

Eine Autofahrt in die Schweiz
1987 machten sich zwei Männer auf den Weg nach Zürich: Prof. Olaf Harder, Rektor der Konstanzer Fachhochschule, und Klaus Keller-Uhl, Stadtrat und Vorsitzender des Fördervereins der Bodensee-Kunstschule. Ihr Ziel: Das Haus eines renommierten Designers namens Michele Baviera. Das Institut für Kommunikationsdesign war auf der Suche nach neuen Professoren. Baviera war den Herren sehr empfohlen worden. Und sie wurden nicht enttäuscht. Bereits beim ersten gemeinsamen Mittagessen stimmte die Wellenlänge und der Gestalter aus der Schweiz signalisierte Interesse, ja Begeisterung. Und mehr als das. Noch heute erinnert sich Keller-Uhl daran, wie Baviera sagte: »Ich hätte da noch einen Freund. Den Andi.« Gemeint war Peter Andermatt, der dann als Professor und Leiter des Instituts sowie des späteren Studiengangs jahrzehntelang in Konstanz tätig sein sollte.

Ein Haus mit Hirsch – und kreativem Inhalt
Das Engagement des Stadtrats Keller-Uhl für die Kunstschule reicht weiter zurück als in das besagte Jahr 1987. Aber die Züricher Episode ist beispielhaft für das Herzblut, mit dem der Lokalpolitiker die Gestalter am See unterstützte. Keller-Uhl kannte das Ehepaar Dietrich von den Anfängen der Kunstschule in den 60er Jahren an, war als Mitglied des Kulturausschusses an Kunst und Gestaltung hoch interessiert. Und die Villa Prym war ihm von klein auf vertraut: »Das war schon als Kind ein faszinierender Anblick«, erzählt er. Der auf die Hubertus-Legende bezogene Hirsch an der Front des Hauses hat ihn damals besonders beeindruckt. So gehörte es auch zu seinen ersten Bemühungen, im Gebäude mehr Platz für die Gestalter zu schaffen. Denn das Studio im Erdgeschoss musste man sich in den Anfangsjahren noch mit dem Kunstverein teilen, in den anderen Räumen lagerten zum Teil Exponate des Rosgartenmuseums, im Nebengebäude residierte die Wasserschutzpolizei. Anfang der 70er Jahre war das erste Ziel erreicht: Die Villa gehörte den Gestaltern. Doch schon Ende der 70er stellte sich die nächste Frage: Wer würde die Schule übernehmen, wenn sich die Dietrichs zurückzögen?

Design? Brauchen wir nicht …
Es begann ein jahrelanger Gang durch die Institutionen, immer mit dem Ziel eine öffentliche Trägerschaft für die Schule zu finden. »Sehr zäh«, so beschreibt Keller-Uhl heute die Verhandlungen mit der Landesregierung. Dort hatte man kein Interesse daran, einen zusätzlichen Studiengang der Konstanzer Fachhochschule zu finanzieren. Zudem wehrte sich die Konkurrenz aus Pforzheim. Keine weitere Gestaltungshochschule in Süddeutschland, das war dort die Maxime. Kurz habe sogar im Raum gestanden, die Schule in die Zeppelin-Gewerbeschule zu integrieren. Ein akademischer Anspruch wäre damit aber verloren gegangen.

Die »Strippenzieher«
Man versuchte es mit einer Stiftung. Aber woher einen Stifter nehmen? 1982 letztlich kam es zum vorläufigen Befreiungsschlag: Mit der Gründung des »Vereins zur Förderung der Stiftung Bodensee-Kunstschule« war zum einen eine politische Plattform geschaffen, zum anderen die Möglichkeit Gelder zu sammeln. Drei Männer waren wesentlich am Gelingen des Unternehmens beteiligt: Klaus Keller-Uhl selbst wurde zum Vorsitzenden gewählt. Rektor Prof. Olaf Harder war Schatzmeister. Und unter den Teilnehmern der Gründungsversammlung war auch der damalige Landtagsabgeordnete Klaus von Trotha, der schließlich als Minister den endgültigen Übergang an die Fachhochschule gestalten sollte.

Hurra! Ein Institut …
Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Es gab viele Gespräche mit vielen Politikern. Es bedurfte einer unermüdlichen Anstrengung. Es war mühevoll und nicht immer ermutigend: Aber 1985 war das »Institut für Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Konstanz« auf Basis einer Stiftung, die von Stadt, Landkreis und Land getragen wurde, geschaffen. Paul Dietrich und Gretel Dietrich-Schopen konnten sich beruhigt zurückziehen und ihr Haus in andere Hände geben. Prof. Robert Ruthardt, ehemaliger Rektor der Gestaltungshochschule in Mannheim, wurde erster Institutsleiter, 1989 folgte Prof. Peter Andermatt. Und drei weitere Professoren wurden berufen, deren Namen bis heute für die Gründerzeit der Studiengänge stehen und die die Studiengänge entscheiden geprägt haben und noch immer prägen: Bernd Jahnke, Michele Baviera und Judith M. Grieshaber.

Endlich Studiengang
Der Weg zur völligen Integration in die Fachhochschule war dennoch noch weit und steinig: Zum einen wollten die Stiftungsträger aus der Verantwortung kommen, zum anderen sträubte sich die Landesregierung noch eine ganze Weile gegen einen neuen Studiengang an der FH Konstanz. Fördermittel waren so ständig gefährdet. Keller-Uhl erinnert sich noch an eine große Kunstversteigerung im Jahr 1993 zugunsten des Instituts. Und er erinnert sich, wie verschiedene Lokalpolitiker bei den Stuttgarter Abgeordneten vorstellig geworden sind. Minister Klaus von Trotha war als Mitglied des Fördervereins wesentlich daran beteiligt, dass schließlich doch alles gut wurde: Aber erst 1995 wurden die Designer Teil der Fakultät für Architektur, die seither Fakultät für Architektur und Gestaltung heißt. Es war gleichzeitig das Ende des Fördervereins. Der Stiftungszweck war erfüllt, der Verein löste sich auf.
Das Institut war nun zwar Studiengang, personell aber änderte sich zunächst nichts. Erst im Jahr 2001 wurde aus dem »Halbzug« ein »Vollzug«, sprich: Erstsemester konnten nun im Winter- und Sommersemester beginnen. Da die Villa Prym nun endgültig zu klein wurde, bezogen die Designer zusätzlich das M-Gebäude auf dem Hochschulcampus. Und auch das Kollegium wuchs: 2002 wurde die Zahl der Professoren verdoppelt.

Bachelor und Master
Kaum angekommen, wurden auch die Designstudiengänge im Rahmen des Bologna-Prozesses reformiert. In den Jahren 2004 und 2005 stellte man vom Diplom auf Bachelor- und Masterabschlüsse um, die Akkreditierung durch die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover folgte im Jahr 2007. Heute ist das Curriculum der Designer breit gefächert, ebenso wie die Professuren: Neben Stellen für Kommunikationsdesign gibt es Professuren für Film, Fotografie, Design und Raum, Schreiben und Rhetorik, Interface Design sowie ab dem Wintersemester 2011 eine Professur für Illustration.

Ein neues Haus
Mit dem Umzug in den Neubau sind die Designer nun angekommen – auf dem Hochschulcampus, und in einem Gebäude, das ideale Bedingungen bietet. Nichtsdestotrotz nimmt der Studiengang seine Geschichte und seine Geschichten aus der Villa Prym mit. Die Spontaneität, die innere Unabhängigkeit, der Zusammenhalt zwischen Professoren und Studenten sollen auch künftig die Konstanzer Designausbildung ausmachen. Beim Abschied von der Villa Prym saß auch Klaus Keller-Uhl mit im Publikum und freute sich. Kleiner Dank für große Bemühungen: Zur Eröffnung des Neubaus wurde Keller-Uhl zum Ehrensenator der Hochschule ernannt. Und eine Hommage an die Dietrichs gibt es künftig auch: Die Straße, die zum Gebäude der Kommunikationsdesigner führt, wird als Paul-Dietrich-Straße an die Anfänge der Designer in der Villa erinnern.