Kommunikationsdesign

Masterstudiengang

Dekoratives grafisches Element

Mit Vorfreude auf kollektive Kreativität

Eva-Maria Heinrich ist neue Professorin für Kommunikationsdesign an der HTWG

Wenn sie selbst gestaltet, dann gerne mit Musik und eher gegen später. Dann, wenn die Pflichten des Tages abgearbeitet sind und sie innerlich frei ist: Eva-Maria Heinrich ist seit diesem Semester Professorin für Kommunikationsdesign an der HTWG. Mit zwei Studienabschlüssen in der Tasche – einem Diplom in Medieninformatik und einem Diplom in Gestaltung –, jahrelanger Erfahrung als Designerin, Lehrbeauftragte und als Kreativleitung der Grafik-Abteilung im Stuttgarter Atelier Brückner ist Heinrich eine Idealbesetzung für die Nachfolge von Prof. Judith M. Grieshaber. Einzig der Umstand, coronabedingt Kolleg*innen und Studierende zum Auftakt ins neue Berufsleben fast ausschließlich online zu treffen, mag da die Freude ein wenig trüben. Ansonsten merkt man sie ihr an: »Das ist ein Geschenk«, sagt sie und startet mit vollem Elan in ihr erstes Semester, das auch gleich ein gemeinsames Projekt mit der Universität Konstanz beinhaltet.

Team-Spielerin
Sie ist es gewohnt, effektiv zu sein und viele Bälle in der Luft zu halten. Wer als Abteilungsleiterin einer großen Agentur Karriere macht, kann sich schnell verlieren in Organisation und Projektmanagement. Heinrich hat stets darauf geachtet, darüber ihren eigentlichen Beruf, der für sie Berufung ist, nicht aus den Augen zu verlieren: Immer auch mit eigenen Projekten, viele Jahre mit zusätzlichen Lehraufträgen an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Die Arbeit mit dem Nachwuchs hat ihr immer Spaß gemacht, sei es im Seminar oder mit Praktikant*innen und Junggestalter*innen im Team. Und überhaupt ist sie eine Freundin der »kollektiven Kreativität«, des beflügelnden Dialogs, der Zusammenarbeit mit anderen – und der kritischen Reflektion darüber, wohin man eigentlich möchte.

Sinnfragen stellen
»Ich möchte etwas tun, das sinnvoll und relevant ist«, das war ihr Credo von Anfang an. Und als hervorragende Schülerin hatte sie lange geglaubt Ärztin zu werden, am liebsten gleich »ohne Grenzen«, um dort tätig zu sein, wo es am dringendsten gebraucht wird. Den Studienplatz hatte sie schon, in Berlin, und gleich noch einen für Architektur in Weimar, als sie in den Ferien vor Studienbeginn bei einem Kunst-Workshop in Polen entschied, doch etwas mit visueller Gestaltung zu machen. Und weil es für die Mappenbewerbung schon zu spät war, hat sie sich im brandneuen Studiengang Medieninformatik eingeschrieben, in Wernigerode, wo sie auch herkommt. Ein Studium, das ihr verschiedene Welten geöffnet hat: die zur digitalen Technik, aber auch die zu komplex gestalteten, multisensorischen Welten. Ihren Schwerpunkt sah sie dabei jedoch immer in der Gestaltung nicht im Coding und absolvierte deshalb noch ein Studium an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, wiederum eine »neue Welt«, auch politisch, philosophisch, künstlerisch. Eine kritische und selbstkritische Haltung einzunehmen, Sinnfragen zu stellen, das habe sie dort trainiert. Und das prägt sie bis heute.

Studium als Privileg
Diese Haltung setzt sie gestalterisch um — am liebsten natürlich in Projekten, die ihr inhaltlich am Herzen liegen; Projekte im kulturellen Bereich, wie z. B. für Musiker oder Museen. Gestaltung aus dem Inhalt zu entwickeln ist ihr wichtig und dabei unterschiedliche Sinne anzusprechen fasziniert sie noch immer. Darüber hinaus besitzt sie ein verinnerlichtes Gefühl für Ästhetik, für schöne Dinge und eine klare Struktur, auch ganz unmittelbar im Alltag. Dieses urmenschliche Bedürfnis, kreativ zu sein, die Lebenswelt zu gestalten, dafür setzt sich Eva-Maria Heinrich auch im Wechselspiel mit der Technologie ein. In einer Welt, in der immer mehr digitale Tools gestalterisches Arbeiten auf der Basis von Algorithmen und Templates ermöglichen, will sie auch weiterhin frei denken und konsistent gestalten können – und genau das auch den Studierenden vermitteln. Von denen erwartet Heinrich vor allem Engagement und Begeisterung für das Fach. Auch »zu sehen, dass es ein Privileg ist, studieren zu dürfen«. Ein Privileg, das für sie nicht selbstverständlich war: Aufgewachsen als Enkelin zweier Pfarrer und als Kind nicht gerade linientreuer Eltern in der ehemaligen DDR wären ihr ohne den Fall der Mauer Abitur und Studium verweigert geblieben. Insofern wünscht sie sich auch das von den Studierenden: die Wertschätzung in einem demokratischen System zu leben und sich frei entfalten zu können.

Bald am See …
Neben der Gestaltung ist und bleibt die Musik eine echte Leidenschaft der außerdem auch noch jungen Mutter, für die Konstanz nicht nur Arbeits-, sondern auch Lebensumfeld werden soll: »Wir träumen davon am See zu leben.« Vorerst lehrt sie von Stuttgart aus und hat gleich zu Beginn eine Schriftgestalterin aus Südkorea zu Gast. Denn auch dafür hat sie eine Schwäche: für Typographie und die Schriften der Welt.