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Ein Plädoyer für die Diversität

Studierende beider Konstanzer Hochschulen haben die Ausstellung »Raum für … ! Unboxing Heteronormativität« gestaltet. Nun hat das Konzept einen Bronze-Nagel für »besondere Kreativität« beim Junior Wettbewerb des renommierten Art Directors Club erhalten

 

Es geht um ein Thema, das öffentlich immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt: eine diverse Sexualität. Denn wer nicht heterosexuell in einem Geschlecht zu Hause ist, der hatte es bislang nicht immer leicht: Schon ein »Coming out« homosexueller Menschen ist oft mit Hürden und Zurückweisungen verbunden. Eltern und Freunden zu eröffnen, man fühle sich nicht als Mann bzw. Frau und wolle die entsprechenden Konsequenzen ziehen, das sorgt oft für noch mehr Irritation.  Wie machtvoll gesellschaftliche Normen und Ordnungen die sexuelle Identität und unsere Alltagspraxis einschränken oder ermöglichen: das betrifft jedoch nicht nur Minderheiten, sondern alle – beispielsweise, wenn wir auf Rollenbilder reagieren „wie Frau oder Mann zu sein haben“.

Wenn Liebe kompliziert wird
Wer die telefonzellengroßen, weißen Boxen der Ausstellung »Raum für …! Unboxing Heteronormativität« betritt, wird mit den Konsequenzen uns allzu selbstverständlicher Normen konfrontiert. Mit Geschichten von Menschen, die eigentlich nur nach ihrer je eigenen Façon ein Liebesleben und ein geschlechtliches Leben führen wollen, und denen das denkbar schwer gemacht wird. Menschen, die tatsächlich nicht wissen, auf welche Toilette sie gehen sollen. Menschen, die heimlich die Kleidung wechseln. Menschen, die schon als Kinder von Ärzten umoperiert und in ein bestimmtes Geschlecht gezwungen wurden.

Als Wanderausstellung konzipiert
Drei Semester lang haben sich Studierende der Fachbereiche Kommunikationsdesign, Literatur- und Medienwissenschaft, Architektur und Gender Studies mit Konzept und Gestaltung dieser Ausstellung beschäftigt. Betreuende Lehrende waren: Prof. Andreas P. Bechtold, Prof. Karin Kaiser und Prof. Stefan Krötsch von der Hochschule Konstanz; Dr. Svenja Kornher und Dr. Martin Schneider von der Universität Konstanz. In Auftrag gegeben wurde das Projekt von den Gleichstellungsreferaten beider Hochschulen. Als Wanderausstellung soll die Ausstellung an unterschiedlichen Orten zu sehen sein – und Menschen dafür sensibilisieren, wie normativ wir oft sind, wenn wir über Geschlecht und Sexualität sprechen.

Gestaltung mit Hörstationen, Spiegeln und Licht
Die acht Boxen bieten inhaltliche Räume, die sich mit einzelnen Aspekten des Themas auseinandersetzen: Das reicht von der Darstellung »normaler« Familien in Schulbüchern, bis zur Liebesgeschichte Transsexueller. Visuell mit viel Liebe zum Detail umgesetzt bieten diese Boxen einen geschützten Raum, um die Vielfalt der Intimitäten kennenzulernen oder um Lebensformen, die aus der Ferne vielleicht fremd erscheinen, näher zu kommen. Hörstationen, Spiegel, transparente Flächen und der intelligente Einsatz von Licht bieten ästhetische Anreize, um die Boxen zu betreten und setzen die Vielschichtigkeit des Themas visuell in Szene.

Termine
Ausstellungstermine noch in diesem Jahr sind im Bürgersaal der Stadt Konstanz von 10. September bis 23. September (veranstaltet von der Chancengleichheitsstelle) sowie an der Universität Zürich (Oktober 2019) und an der Hochschule Konstanz Technik Wirtschaft und Gestaltung (November 2019).
Interessenten an der Ausstellung können sich melden bei der Beauftragten für Gleichstellung und Diversity an der Hochschule Konstanz, Vera Maier-Tragmann (vera.maier-tragmann@htwg-konstanz.de). Infos gibt es zudem online unter www.raumfuer.eu.


Acht Boxen, acht Themen, das ist das Prinzip der Wanderausstellung »Raum für …!«, die in diesem Jahr noch dreimal gezeigt wird und zur Ausleihe zur verfügung steht.