Zurück zur Übersicht

Hamlet und die Parteipolitik

Eine alte Fähre, die im Konstanzer Hafen lostuckert, darauf ein Haufen fein herausgeputzter Gestalten. Podium, Mikros, Kameras und ein Pulk Journalisten, die gierig auf Statements warten. Die Partei für Wandel und Fortschritt muss die Nachfolge ihres Vorsitzenden Philipp Richter regeln, der das Zeitliche gesegnet hat. Jede Menge Anlass für Intrigen, Kraftmeiereien und Rangeleien um die vakante Stelle.

Wie in Hamlet. Tatsächlich haben Studierende der beiden Konstanzer Hochschultheater das Stück von Shakespeare zur Vorlage genommen, dieses gehörig entbeint und darauf neue Stränge aufgezogen, die zeitgemäß von Nachhaltigkeit und Verantwortung handeln. Der königliche Hof ist zur Parteiveranstaltung verkommen, aus den Dichterversen hohles Politikersprech geworden, nur die Ranschmeißer, Lakaien und Intriganten sind zeitlos geblieben. Der Name des Stückes ist Programm: Do be Do. Denn in der Gegenwart geht es nicht mehr um Sein oder nicht sein, damit kann es ja angesichts des Klimawandels bald vorbei sein. Es geht um Tun oder nicht Tun. Die rund 40 Darsteller bringen es unter der Leitung von Anna Hertz (Theater der HTWG Konstanz) und Thomas Fritz Jung (Theater der Uni Konstanz) fertig, Zuschauer am Ende etwas ratlos zurückzulassen angesichts des Spiegels, den sie der Politik hinhalten. Ratlos, ob es nicht zu spät ist und immer noch Sprechblasen, sinnleere Slogans und die ewig gleichen Politrituale die Probleme ignorieren. Die Ernsthaftigkeit der Fragen nach unseren Zukunftschancen wird immer wieder durch Ironie, Humor und bissigen Kommentaren durchbrochen. Damit wird die Vorstellung nicht zum Agitprop-Theater sondern zu einer engagierten Auseinandersetzung mit den Fragen, die sich die junge Generation stellt. Man sollte sie ernst nehmen.

Weitere Vorstellungen:

25., 27. und 28. Juni um 19 Uhr, auf der historischen Fähre „Konstanz“. Abfahrt am Imperia-Steg. Bei Regen wird im Konzil gespielt.

Reservierungen unter: theater@htwg-konstanz.de