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Innovation bis zum Umfallen

Inspirierend, erhellend und ermutigend – das sind nur wenige der euphorischen Beschreibungen der zweiwöchigen Start-up-Summerschool an der HTWG. „Extrem“ sei sie gewesen, mit „extrem viel Input“, sagen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – und „extrem viel Output“, sagt Organisatorin Katinka Weber von Kilometer1, der gemeinsamen Gründerinitiative von HTWG und Universität Konstanz.

Trotz herrlichen Spätsommerwetters haben 20 Studierende in der vorlesungsfreien Zeit die Hochschule besucht. Hochgradig motiviert ihr eigenes Unternehmen zu gründen, haben die Teilnehmer die Chance genutzt elementare, unternehmerische Fähigkeiten zu erlernen. Breit ist das Spektrum der Gründungsideen, die in den zwei Wochen entstanden oder gereift sind: die einen möchten ein modulares Möbelsystem mit einem innovativen Verstrebungsknoten aufbauen, die anderen eine Plattform, über die sich Studierende zu gemeinsamen Projekten finden könnten, um vor dem Berufseinstieg Praxiserfahrungen zu sammeln. Wieder andere möchten die Möglichkeit für individualisiertes Design von Skihelmen anbieten, andere ein Armband, in das ein Alarmsignal für Notfälle eingebaut ist.

Großer Einsatz, großer Gewinn

Die Gründungsideen hatten die Studierenden zum Teil bereits vor dem Start der Start-up-Summerschool, zum Teil ist sie in Kreativ-Einheiten entstanden. Denn: Das Programm begleitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Beginn an über den gesamten Prozess einer Gründung, Schritt für Schritt. Es war intensiv. Belohnte aber auch jeden Teilnehmer mit enorm viel neuer Praxiserfahrung: „Ich habe so viel gelernt wie in einem ganzen Semester nicht“, sagte ein Gründungsinteressierter, ein anderer betonte die wertvollen Kontakte, die er habe knüpfen können: „Wir hatten Referenten, deren Veranstaltungen ich mir sonst nie leisten könnte“, sagte eine Teilnehmerin.
Organisatorin Katinka Weber hatte mit dem Team von Kilometer1 namhafte Redner und Workshopleiter einbinden können. „Die Referenten hatten Spaß dabei, mit motivierten und vor Ideen sprühenden jungen Menschen zusammenzuarbeiten. Sie waren auch mit einem großen Idealismus gekommen“, berichtet sie. Unter anderem dabei waren Robin Auer von IBM, Johann Schlieper, Präsident der Schweizer Business Angel und Marius Keckeisen, ehemaliger CEO von BLACKROLL, in der Summerschool engagiert.

Erwartungen übertroffen

Aber nicht die Referenten alleine haben zum Erfolg beigetragen: „Die Teilnehmer haben mitgezogen, motiviert aus eigenem Antrieb“, sagt Katinka Weber voller Anerkennung. Ein hohes Maß an Offenheit, Neugier und Interesse – sogar an wichtigen aber eher trockenen Themen wie Finanzierung und Rechtsformen der Ausgründung – habe die zwei Wochen zu einem Erfolg gemacht. So meint Theresa Mages, die mit ihrer Kompetenzvermittlungsplattform „TeamUp“ Studenten ermöglichen will, deren gelerntes Wissen in praktischen Projekten umzusetzen: „Meine Erwartungen wurden übertroffen. Es hat echt Spaß gemacht, ich war selten so motiviert morgens aufzustehen, wie in diesen zwei Wochen“.
In der Summerschool hätten sich die Studierenden eine Basis geschaffen, auf der sie nun aufbauen könnten, sagt Christoph Selig von Kilometer1 und ergänzt: „Es ist einfach anders, ob ich zwei Wochen von morgens bis abends an einem Thema dranbleiben kann oder während des Semesters neben meinem eigentlichen Stundenplan alle zwei Wochen mal einen halben Vormittag finde, mich damit zu beschäftigen.“

"Das hätte auch schief gehen können"

Besonders wertvoll, neben einer guten Idee, ist in einem Startup vor allem das Team. Vor dem „Teambuilding“ hatte Katinka Weber daher großen Respekt: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus verschiedenen Studiengängen und haben sich nicht gekannt. Das hätte auch schief gehen können“, sagt sie lachend. Aber: Dank des verbindenden Interesses haben die Studierenden enorm schnell Vertrauen zu einander gefasst und sich in ihren Gruppen einem gemeinsamen Ziel verschrieben. „Ein Team hat sich ganz bewusst nach benötigten Kompetenzen zur Verwirklichung einer Idee zusammengefunden, ein anderes, weil sie sich einfach sympathisch waren – beides hat funktioniert und ist ein möglicher Weg eine Startup-Idee zum Leben zu erwecken.“

Acht Gründerideen im Pitch

Und so konnte eine fachkundige Jury acht Gründerideen im finalen Start-up-Pitch beurteilen. „Ich dachte immer, Du musst die geniale Idee haben, um zu gründen. In den letzten zwei Wochen habe ich gelernt, dass man nicht unbedingt das Rad neu erfinden muss. Es kann schon ausreichen, eine besondere neue Spezifizierung herauszuarbeiten, um sich erfolgreich gegen ein bestehendes Konkurrenzprodukt durchzusetzen“, sagt Studentin Tanja Heinrich. Eine weitere Erkenntnis: „Es ist sinnvoll, im Team zu gründen“, sagt Roman Leinweber. Der Informatik-Student will mit seiner Idee „ggFollow“ eine Live Ticker Plattform für den E-Sport Bereich aufbauen. Mit im Boot ist auch ein E-Sport-Fan, der die redaktionellen Inhalte liefern könnte und so den Technik-Part des Informatik-Studenten ergänzt.

Sie stellten ihre Idee im Pitch vor acht Juroren vor: Die Kompetenzvermittlungsplattform „TeamUp“ will Studenten ermöglichen, deren gelerntes Wissen in praktischen Projekten umzusetzen.

„ggFolllow“ hat beim Pitch den ersten Platz belegt. Auf den zweiten Platz schaffte es „Mama says“, eine Rezepte-App, mit der die User sicher sein können, sich über einen Wochenplan hinweg ausgewogen zu ernähren. Den dritten Platz belegte die „Talentwarte“. Sie will Firmen in Zeiten des Fachkräftemangels besondere Recruitingangebote machen und organisiert Events wie Koch- oder Cocktailabende, bei denen sich Führungskräfte und Studierende in einer etwas anderen Rolle kennenlernen können.

Es geht weiter

Alle Teams wollen an ihrer Idee weiterarbeiten. Gleich am ersten Wochenende nach der Summerschool haben sie sich wieder zusammengesetzt. Nun findet monatlich ein Stammtisch statt. „Wir haben großes Interesse, dass die Studierenden an ihrem Thema dran bleiben und unterstützen sie, wo es nur geht“, verspricht Katinka Weber.

Weitere Informationen rund ums Thema Gründen gibt es auf der Website von Kilometer 1