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Inspirationen fürs Lehren und Lernen

Von konkreten Lerntipps bis zum Nachdenken über das „Warum eigentlich?“ – der dritte Tag des Lernens war facettenreich. Über allen Programmpunkten stand der Wunsch nach Begeisterung und Eigeninitiative – und zum Abschluss die Forderung nach einem Paradigmenwechsel.

Rund 60 Workshops standen zur Auswahl. Der Großteil der Veranstaltungen richtete sich an Studierende, aber auch für Lehrende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte das Organisationsteam Kurse ins Programm genommen. Zu den Rennern, die schon vor Beginn des Tages ausgebucht waren, zählten zum Beispiel „Präsentieren wie Steve Jobs“, „Lebendige Körpersprache“, „Zeit- und Selbstmanagement“ wie auch „praktisch prüfungsfit“. Neben konkreten Hilfestellungen fanden sich auch Workshops, die dazu einluden, aus dem Hochschulalltag einen Schritt zurückzutreten. Hier standen Fragen im Mittelpunkt wie: Was motiviert mich eigentlich – für das Studium, die Lehre oder den Verwaltungsjob? Woraus schöpfe ich Selbstvertrauen und wie kann damit eine Positivspirale zu mehr Gelassenheit und Leichtigkeit im Joballtag zu mehr Erfolg führen? Was ist meine Rolle als Führungskraft? Was sind für mich Kraftquellen? Wie verlaufen eigentlich Entscheidungsprozesse und wie ist mein persönliches Risikoprofil?

Das Interesse an den Kursen war so groß, dass nicht alle Studierenden einen Platz fanden. „Ich habe aber trotz vorlesungsfrei viele Studierende an der Hochschule gesehen, sie haben den Tag auf jeden Fall zum Lernen genutzt“, sagt Tanja Heinrich lachend. Die Studentin war als AStA-Vertreterin Mitinitiatorin des dritten Tags des Lernens. Ihr Fazit: Das sollte nicht der letzte Tag dieser Art gewesen sein. „Die Rückmeldungen waren sehr positiv, das sollte fortgesetzt werden.“

Kathrin Pallasch, Leiterin der Zentralen Studienberatung, führte mit Unterstützung von Theaterpädagogin Anna Hertz zum Thema des Tages hin.

Es gebe kein Patentrezept für erfolgreiches Lernen, hatte Kathrin Pallasch, Leiterin der Zentralen Studienberatung, bei der Eröffnung des Tages vorausgeschickt. Doch sei bekannt, dass Begeisterung und Eigeninitiative grundlegende Voraussetzungen sind. Diese zu fördern, war Ziel der Veranstaltung. Prof. Dr. Beate Bergé, Vizepräsidentin Lehre und Qualitätssicherung griff dazu einen Gedichttitel von Theodor Fontane auf: „Wer schaffen will, muss fröhlich sein.“ Sie wünschte Studierenden sowie Kolleginnen und Kollegen, dass das „müssen“ nicht Druck ausübe, sondern der intrinsische Wunsch zum Lernen und Lehre sowie der Spaß an der Freude überwiege. „Deshalb möchten wir heute Anregungen für das Schaffen eines begeisternden Umfelds schaffen, damit wir morgen noch fröhlicher an die Hochschule kommen“, fasste sie zusammen.

Tanja Heinrich, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen des AStA begrüßte, hatte dazu eingeladen, alte Muster fallen zu lassen und sich auf Neues einzulassen. „Der Tag ist eine Chance für Lehrende, um zu erfahren: Wie lernen Studierende von heute?“, sagte sie und verband damit den Wunsch, digitale Möglichkeiten noch stärker in die Lehre zu integrieren.

Damit der Einstieg in den Tag des Lernens fröhlich und aufgeweckt gelang, hatte Anna Hertz, Theaterpädagogin an der HTWG, die Teilnehmer eingeladen, in Gruppen-Standbildern ihr Bild von „Lernen“ darzustellen.

"Wir schwimmen uns frei"

Evolution der Begeisterung

Vom Frust zur Lust

TEAM - Toll Endlich Alle Miteinander

Vom Frust zur Idee
 

Weit über die Forderung nach Kreativität und neuen Lernformen hinaus ging die Referentin des Abschlussvortrages: Cosima Klischat von der Hochschule Karlsruhe stellte die Forderung nach einem Paradigmenwechsel zur Diskussion. Die Zukunft fordere verantwortungsbewusste und begeisterte Problemlöser, die die gesamtgesellschaftlichen Wirkungen ihrer Arbeit einschätzen können. Die deutsche Ingenieurausbildung ziele bisher jedoch stark darauf ab, die Natur zu gestalten, statt das menschliche Leben mit ihr in Einklang zu bringen. Orientierungspunkte sollten dagegen die 17 Ziele der globalen Nachhaltigkeitsstrategie sein, zu denen sich im Übrigen auch Berufsverbände wie der VDE bekennen.
Deshalb schlägt sie eine grundlegende Neugestaltung ingenieurwissenschaftlicher Curricula vor. Am Beispiel des Projekts H.ErT.Z – Hochschuloffenes ElektroTechnik Zentrum machte sie anschaulich, wie Verantwortungsbewusstsein, die Reflektion eigenen Handelns und gesellschaftliches Engagement in die Lehre integriert werden könne. Unter dem Stichwort „Service Learning“ seien angehende Ingenieurinnen und Ingenieure aufgerufen, zum Beispiel für Anforderungen im Pflegeheim Lösungen zu finden – wie die Entwicklung eines Rollstuhls, der auf abfälligem Gelände bremst oder eine Tischfunktion, die selbst schwer pflegebedürftigen Bewohnern erlaubt, den Tisch zu verschieben. Service Learning sei nicht mit ehrenamtlichem Engagement zu verwechseln. Dagegen vermittle eine solche Projekterfahrung die Vorahnung, dass der spätere Job sinnstiftend sein kann und Ingenieurinnen und Ingenieure die Gesellschaft mitgestalten können. Nebenbei werde durch die soziale Anwendung von Technik das Ingenieurstudium für Frauen attraktiver.

Alexander Ill, AStA-Vertreter, der Wirtschaftsinformatik an der HTWG studiert, begrüßte die Einladung zum Umdenken: „Ich finde das eine verdammt gute Sache zu sagen: ‚Geht doch mal dahin und tut was Gutes‘.“ Das schaffe Möglichkeiten sich auszuprobieren und sinnstiftende Perspektiven zu entwickeln. Prof. Dr. Beate Bergé fasste zusammen: Auch Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die profilbedingt stark industrieorientiert seien, müssten Prioritäten setzen und fragen, wie Technik dem Wohle der Menschheit und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienen könne.
Die kleine, aber interessierte Gruppe der Lehrenden war sich einig: Ethische Fragen und gesellschaftliche Diskussionen sollten nicht nur im Rahmen des Studium generale eine Rolle spielen, sondern auch bei den Fachlehrenden einen höheren Stellenwert erhalten. Die Anregungen des Vortrags sollen in einer Lehrwerkstatt aufgegriffen werden. (aw)