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Ministerin: Gründerförderung soll fortgesetzt werden

Die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer betrachtet vor Ort die Gründeraktivitäten der Hochschulen. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Uni Konstanz und HTWG kündigte sie an, dass die Gründeraktivitäten weiter gefördert werden sollen.

Lehre, Forschung …. und Gründerförderung? Erst seit wenigen Jahren ist das Thema Gründergeist an Hochschulen, insbesondere Universitäten, stärker in den Fokus gerückt. Das Wissenschaftsministerium hatte vor eineinhalb Jahren das dreijährige Förderprogramm „Gründungskultur in Studium und Lehre“ aufgesetzt. Nun besucht die Wissenschaftsministerin Hochschulstandorte im Land, um sich ein Bild von „Startup-Stories“ zu machen. Im Rahmen ihrer Rundtour hat sie sich auch ein Bild von den Aktivitäten der beiden Konstanzer Hochschulen gemacht. Denn: Universität Konstanz und HTWG Konstanz haben sich für das Projekt zusammengetan. Mit der Startup-Initiative „Kilometer 1“, die vom Land für drei Jahre mit 580.000 Euro gefördert wird, wollen sie unter dem Motto „sensibilisieren, stärken, experimentieren“ Studierende ermutigen, das Thema Gründen als alternativen Karriereweg zu sehen. Sie veranstalten Netzwerktreffen, vermitteln Gründer-Know-How und beraten bei konkreten Gründerideen. Fünf Startups hat die Initiative alleine im Jahr 2018 bereits erfolgreich zu einem Gründerstipendium EXIST begleitet.

Überraschende Ideenvielfalt
Das Ministerium habe das Gründerprogramm zunächst „verspielt“ aufgesetzt, sagte die Ministerin. Sie sei verblüfft von der Ideenvielfalt, die es habe entstehen lassen. Es gelte nun, die Erfahrungen auszuwerten und zu entscheiden, wie das Programm weitergehen und auf ein neues Niveau gehoben werden könne. Klar sei: „Da ist so viel Musik drin, das werden wir nicht fallen lassen“, kündigte die Ministerin an. Denn: Wer heute in Baden-Württemberg gründe, gründe nicht, weil er nichts anderes gefunden habe, sondern weil er von seiner Idee überzeugt sei.
Doch forderte Theresia Bauer, dass die Hochschulen selbst auch einen Beitrag leisten müssten. Diese haben allerdings eigene Wünsche an das Land, um Gründeraktivitäten besser unterstützen zu können: Sowohl Uni-Rektorin Prof. Dr Kerstin Krieglstein wie auch HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz forderten eine bessere Raumausstattung. „Wir haben direkt neben dem Campus eine Schule, die bald frei wird“, betonte Prof. Manz. Der Bauhaus-Bau Wessenbergschule eigne sich hervorragend, um die Themen Innovation und Startup zu beheimaten. Und Untersuchungen der Architektur-Professorinnen und -Professoren der HTWG hätten gezeigt: Ein „Leckerli“ sei, dass der Bau sich eigne, nach einer Sanierung als Energie-Plus-Haus neue Standards zu setzen.

Gründer im Gespräch mit der Ministerin
Das Spektrum der Ausgründungen aus den beiden Hochschulen ist weit. Das Startup „Knödelkult“ bietet „gerettetes Brot im Glas“, also Semmelknödel in verschiedenen Geschmacksrichtungen an, das Startup Fruitcore hat mit HORST einen kostengünstigen und leicht bedienbaren Industrieroboter entwickelt. Eine der Ideen, die beim Ideenwettbewerb von Kilometer1 gewonnen hat, will die Lebensakte von Booten in der Blockchain verankern und damit die Transparenz bspw. über Wartungsarbeiten verbessern. Die Gründerinnen und Gründer formulierten im Gespräch mit der Ministerin ihre ganz konkreten Anforderungen an die Unterstützung durch Hochschulen und das Land. Der Abbau von Bürokratie und formalisierten Abläufen stand dabei im Vordergrund: „Wenn ein Gründerstipendium nur zwölf Monate läuft, ein Bestellvorgang aber vier Wochen braucht, dann kann das nicht gut gehen“, sagte Tobias Kuentzle, einer der Gründer von fruitcore.

EXIST-Stipendium überzeugt sogar besorgte Eltern
Als ein besonders gutes Instrument der Gründerförderung beurteilte Tobias Kuentzle das EXIST-Stipendium, das neben Sachmitteln und Coaching ein festes Gehalt für zwölf Monate beinhaltet. „Als wir diese Zusage hatten, waren auch unsere Eltern überzeugt davon, dass unsere Idee gut ist“, sagte er lachend.
Alle Gründer möchten nicht missen, was sie seit der Ausarbeitung ihrer Ideen gelernt haben. „Das kann man in keinem Studiengang lernen“, sagte Matthias Helmke von Knödelkult. Und auch die Leiter von Kilometer1, Christoph Selig von der HTWG und Franz Wanner von der Universität Konstanz, stellten die besonderen Kenntnisse hervor, die ein Gründerprozess lehrt – und die auch von eventuell künftigen Arbeitgebern gerne gesehen werden. Sie ermutigten Interessierte, ihre Idee zu verwirklichen: „Wenn man’s nicht versucht, verschenkt man was“, sagte Christoph Selig.

Neuer Ideenwettbewerb ist gestartet
Studierende beider Hochschule sind erneut zum Idea-Cup eingeladen. Denn: Herzstück des Programms Kilometer1 ist ein Ideenwettbewerb, der den studentischen Gewinnern eine Studienreise ins Silicon Valley ermöglicht. Die erste Reise fand im September dieses Jahres statt Die neue Bewerbungsrunde für die Reise 2019 ist nun eröffnet.(aw)

HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz (mit Mikrofon) und Uni-Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein diskutierten mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (zweite von links) über die Möglichkeiten, wie Hochschule Gründergeist fördern können.