Zurück zur Übersicht

Psychische Belastung im Studium: Awareness-Week an der HTWG

Ein Problem, das viele Studierende betrifft: Psychische Belastungen während des Studiums. Mit aktivierenden Mitmach-Angeboten machte die Nightline im Rahmen der Awreness-Week auf das Thema aufmerksam.

Gelbe und rosa Wattekugeln in Gläsern, davor Zettel mit Aussagen wie: „Es gibt Tage, an denen mir alles über den Kopf wächst“ oder „Ich habe das Gefühl, dass den anderen das Studium leichter fällt als mir“. Eine Kunstinstallation, die da am Fuß der Treppe in der HTWG-Mensa ihren Platz gefunden hat? Beim Näherkommen fällt der Schriftzug der Nightline ins Auge und es wird klar: Mit Kunst hat das ganze wenig zu tun, dafür aber mit einem Problem, das viele Studierende betrifft: Psychische Belastungen während des Studiums.

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, hat die Nightline an der Universität Konstanz und an der HTWG eine Awareness-Week veranstaltet. Mit einer Pinnwand im F-Gebäude und dem Stimmungsbarometer in der Mensa. Bewusst wurde ein spielerischer, aktivierender Zugang gewählt. Die Wattekugeln sind als Einladung zu verstehen mitzumachen: Wer der Aussage auf dem Zettel zustimmt, wirft eine gelbe Kugel ins Glas, wer ihr nicht zustimmt, eine rosafarbene. Am „Pegelstand“ des Stimmungsbarometers lässt sich ablesen, dass auch Mitstudierende mit Ängsten zu kämpfen haben und dem Gefühl, dass alles zu viel wird. Das Bewusstsein, nicht allein zu sein, hilft bereits. Denn immer noch ist das Thema tabuisiert und viele Betroffenen sprechen nicht offen darüber, fühlen sich stigmatisiert.  

„Dabei ist es ein Problem, das viele, gerade Studierende haben“, sagt eine Nightline-Mitarbeiterin der HTWG. „Eine aktuelle Studie zeigt, dass Studierende häufiger mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben als Nicht-Studierende im selben Alter.“ Die erwähnte Studie offenbart aber auch noch etwas Anderes: 25 Prozent der Studierenden haben das Gefühl, zu viel Stress und Erschöpfung zu erleben und etwa ein Sechstel der Studierenden leidet unter Depressionen und Angststörungen. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass viele Studierende aus Angst vor Stigmatisierung die Angebote der psychosozialen oder psychologischen Beratungsstellen nicht annehmen. Auch Nachteilsausgleiche beanspruchen nur etwa 30 Prozent der Berechtigten.

Hilfe erhalten betroffene Studierenden unter anderem bei der Nightline. Die Nightline ist ein anonymes Beratungs- und Zuhörangebot via Telefon. Das Besondere daran: Am anderen Ende der Leitung sitzen Studierende von HTWG und Uni Konstanz. Sie arbeiten ehrenamtlich und können betroffene Studierende dazu ermutigen, sich Hilfe zu suchen und sie an die entsprechenden Beratungsangebote verweisen. Oft hilft es aber schon, sich den Frust und die Sorgen von der Seele zu reden. Dafür wurden die Ehrenamtlich in der Gesprächsführung geschult.

Die Bilanz der Mitmach-Aktion an der HTWG zeigt, dass mehr gelbe als rosafarbene Wattekugeln in den Glasbehältern gelandet sind, das Thema für die Studierenden der Hochschule Konstanz also durchaus von Relevanz ist.

Beratungsangbote:

Psychotherapeutische Beratung der Seezeit

Nightline

Zu den Studien:

Stange, Karl-Heinz: Psychische Beeinträchtigungen und Studium. Psychotherapiemöglichkeiten, Hilfen und Nachteilsausgleiche für Studierende, 2014

Techniker Krankenkasse:  Gesundheitsreport 2015. Daten und Fakten zu Arbeitsunfähigkeit und Arzneiverordnungen. Schwerpunkt: Gesundheit von Studierenden. Veröffentlichungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement der TK

Grützmacher, J.; Gusy, B.; Lesener, T.; Sudheimer, S.; Willige, J. (2018). Gesundheit Studierender in Deutschland 2017.