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Summerschool blickt auf Medizininformatik

Zum ersten Mal haben die Informatik-Fakultäten der HTWG und der Hochschule Reutlingen zusammen mit der Moskauer Sechenov University eine deutsch-russische Summerschool ausgerichtet. Mit großem Erfolg - noch vor ihrem Ende wurde über eine Wiederholung nachgedacht.

Welche Entwicklungen der Informatik prägen die Medizin der Zukunft? Wo kann sie die den medizinischen Alltag unterstützen? Wie Diagnosen erleichtern? Und wie verändern eigentlich neue Medien die Beziehung zwischen Arzt und Patient? Das sind nur einige Fragen, die die deutsch-russische Summerschool zum Thema Medizininformatik behandelte. Zum ersten Mal hatten die Informatik-Fakultäten der HTWG und der Hochschule Reutlingen zusammen mit der Moskauer Sechenov University die Veranstaltung ausgerichtet. Die Sechenov Universität ist die älteste russische Bildungseinrichtung für das Gesundheits- und Pflegewesen. Sie hat eine große medizinische Fakultät und bietet weitere Life-Science-orientierte Studiengänge an.

Innerhalb von zwei Wochen gewannen acht Studentinnen und zwei Studenten des noch jungen Studiengangs „General Medicine“ der russischen Universität nicht nur Einblicke in die Anwendungsfelder moderner Medizininformatik, sondern auch unmittelbar Erfahrungsberichte der Anwender im deutschen und schweizerischen Gesundheitswesen.
Während in der ersten Woche der Summerschool an der Hochschule Reutlingen der Schwerpunkt auf den theoretischen Möglichkeiten von zum Beispiel Big Data, Blockchain, Wearables und virtueller Realität lag, war das Programm in der zweiten Woche an der HTWG in Konstanz auf die Anwendung fokussiert. „Es hat mir unglaublich viel gebracht, dass wir die Erfahrungen in der Anwendung von Praktikern hören konnten“, sagte eine russische Studentin im Rückblick. Denn: Zum vielseitigen Programm gehörten unter anderem auch eine Führung im Klinikum Konstanz durch Radiologie-Chefarzt Prof. Dr. Markus Juchems und ein Vortrag von Dr. Sabine Schmidt-Weitmann (Bild), die am Universitätsspital als „Tele-Doktor“ mit einem Ärzteteam Online-Sprechstunden per E-Mail erprobt und zur Resonanz des Angebotes bei den Patienten geforscht hat.
Prof. Dr. Ralf Seepold, der die Summerschool mitinitiiert und organisiert hat, leitete das Programm in Konstanz. „Unser Ziel war, das weite Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten von Informatik in der digitalen Medizin aufzuzeigen und einen Blick auf Trends der Zukunft zu ermöglichen“, sagte er. Prof. Dr. Christian Wache aus dem HTWG-Studiengang Gesundheitsinformatik ging in einem Workshop auf die Kompatibilität von medizinischen Daten ein, Doktorand Maksym Gaiduk stellte die Möglichkeiten nicht-invasiver Schlafforschung vor. Zwei Studentinnen, die bereits selbst in Russland im Schlaflabor gearbeitet hatten, testeten die neuen Anwendungen gleich während der Summerschool bei sich selbst. „Der Wissensaustausch ist ein großer Gewinn. Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen weltweit wird angesichts der neuen Entwicklungen selbstverständlich werden müssen. Ich freue mich, daran teilnehmen zu können“, sagte eine Studentin.
Die Mischung aus Vorlesungen, Laborbesuchen, Exkursionen und praktische Workshops kam so gut an, dass schon vor Abschluss der Summerschool über eine Wiederholung nachgedacht wurde. (aw)

Weitere Informationen zum Programm:
https://uc-lab.in.htwg-konstanz.de/grss.html

Bildtext: Dr. Sabine Schmidt-Weitmann hat am Universitätsspital als „Tele-Doktor“ mit einem Ärzteteam Online-Sprechstunden per E-Mail erprobt und zur Resonanz des Angebotes bei den Patienten geforscht. Während der deutsch-russischen Summerschool stellte sie ihre Ergebnisse vor.