Gleichstellung und Diversity

Girls'Day 2019

Nichts für Betonköpfe

Siebzig Schülerinnen begrüßte die Gleichstellungsbeauftragte der HTWG, Prof. Dr. Kerstin Schaper-Lang, am Donnerstag zum Girls‘ Day an der Hochschule Konstanz.

Der bundesweit stattfindende Aktionstag will Mädchen und junge Frauen speziell für technische und naturwissenschaftliche Fächer begeistern. „Nutzen Sie die Angebote in den verschiedenen Fakultäten und finden Sie heraus: Macht es mir Spaß oder macht es mir keinen Spaß? Darum soll es heute gehen“, so Schaper-Lang. Die HTWG machte es den Schülerinnen leicht, Spaß zu haben, denn das Programm in den Fakultäten Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik (EI), Bauingenieurwesen und Informatik setzte den Schwerpunkt bewusst auf Mitmachangebote, nicht auf langatmige Vorträge: Learning by doing.  „Wir wollen die Schülerinnen abholen bei dem, was sie interessiert“, sagte Dr. Tobias Raff, Professor für Systemdynamik. „Derzeit engagieren sich viele Schülerinnen und Schüler bei Fridays for Future, wir bilden die Generation aus, die eine nachhaltige Energiewende technisch umsetzt. Um einen Einblick zu geben, was auf diesem Feld möglich ist, haben wir deshalb am Girls‘ Day einen Programmschwerpunkt auf Solarzellen gesetzt. Wir erklären, wie eine Solarzelle funktioniert und die Schülerinnen können selbst einen Solar-Propeller bauen, den sie auch mit nach Hause nehmen dürfen.“  

Auf dem HTWG-Campus am Seerhein fanden sich vor allem Schülerinnen der gymnasialen Mittelstufe ein. „Das ist der Trend“, stellte Schaper-Lang fest. „Obwohl es auch von der Realschule durchaus Möglichkeiten gibt, die Fachhochschulreife zu erlangen, merken wird, dass dieser Tag fast ausschließlich von Gymnasiastinnen genutzt wird.“  Noch sind es immer noch vergleichweise wenig Frauen, die an der HTWG ein technisches Studium aufnehmen. „Mir ist das ein Rätsel und ich finde es schade“, betonte Prof. Dr. Martin Domm von der Fakultät Maschinenbau. „Zumal Deutschland im internationalen Vergleich eine Ausnahme bildet. Schaut man beispielsweise nach Indien, in die USA oder auch nach Frankreich, ist die Quote von Frauen in sogenannten „Männerberufen“ viel höher.“ Das Argument, Frauen wollten lieber beruflich mit Menschen zu tun haben, lässt er nicht gelten: „Als Ingenieurin hat man sehr viel mit Menschen zu tun. Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten für und mit Menschen und fast immer im Team.“

Vorbilder sind wichtig

Einige der Schülerinnen waren schon zum zweiten Mal beim Girls‘ Day an der HTWG und schauten sich verschiedene Fakultäten an. Die HTWG findet den Girls' Day hilfreich, weil Schülerinnen ihren eigenen Raum haben sich auszuprobieren. Aber wie kommt der "Tag nur für Mädchen" eigentlich bei den Schülerinnen selbst an? „Von mir aus hätten auch Jungs dabei sein können, das wäre mir egal gewesen“, sagte eine Siebtklässlerin vom Schloss Gaienhofen. Ihre Mitschülerin widerspricht: „Also ich finde es schon gut, dass keine Jungs dabei sind. Außerdem haben die ja auch ihren eigenen Tag – den Boys‘ Day.“

Wichtiger als reine Mädchentage scheinen weibliche Role Models zu sein, will man Frauen für ein MINT-Studium gewinnen. Vorbilder also, die zeigen, dass Frauen in technischen Berufen erfolgreich sind. Deshalb hatte die Fakultät Bauingenieurwesen eine Veranstaltung im Programm, die genau dies thematisierte: „Aus dem Leben einer Ingenieurin.“ Die Fakultät Elektro- und Informationstechnik stellte den Schülerinnen die Studiengangsbotschafterin Felicitas Maurer an die Seite. Sie studiert im 6. Semester Wirtschaftsingenieurwesen Elektro- und Informationstechnik. Warum sie als Frau das Studium gewählt hat? „Ich als Frau?“, fragte sie ein wenig irritiert zurück. „Mich hat einfach Mathe schon immer interessiert und ich war gut darin. Mir gefällt es, dass ich als Ingenieurin kreativ sein kann und die Technologien entwickeln, die die Welt voranbringen. Als Studiengangsbotschafterin möchte ich zeigen, dass es normal ist, als Frau mit Spaß ein technisches Studium zu absolvieren.“

Von Supergirls Robots, smarten Elektroingenieurinnen und Käpsele

An der mangelnder Begeisterungsfähigkeit für Technik jedenfalls kann es nicht liegen. Der Eifer und das Interesse war den Mädchen bei den Workshops förmlich anzusehen. Mal eben lernen, einen Roboter so zu programmieren, dass er „Das-Haus-vom-Nikolaus“ auf ein DINA-2-Blatt zeichnet? Kein Problem. Eine LED-Uhr zu programmieren, so dass sie die Leuchtanzeigen den Minuten- und Stundenverlauf anzeigen und die exakte Uhrzeit? Ein Kinderspiel. Die Schülerinnen hatten keine Scheu nachzufragen, sondern ließen sich von den Betreuerinnen und Betreuern eher noch einen weiteren Kniff zeigen. „Hier sind schon ein paar Käpsele dabei“, begeisterte sich Matthias Hermann, der am Institut für optische Systeme seine Doktorarbeit macht und für die Informatik-Fakultät die Programmierung der LED-Uhren anleitete. „Die Mädchen haben heute zum ersten Mal mit Chip-Programmierung zu tun, aber sie waren voll dabei, haben sofort verstanden, worum es geht. Wir hoffen, dass wir jetzt das Interesse wecken können, wo sie noch keine Berührungsängste haben und sie dann auch dabei bleiben und vielleicht später sogar Informatik studieren.“

Identifikationspotenzial am Girls‘ Day bot auch das Betonkanu-Team der HTWG. Angehende Bauingenieurinnen und Bauingenieure bauen alle zwei Jahre ein Kanu aus Beton, das in einer Regatta im Wettbewerb mit anderen Hochschulen bestehen muss. Ein Projekt, in dem theoretisches Wissen aus dem Studium in die Praxis umgesetzt wird – und ideal um beim Girls‘ Day den Schülerinnen einen anwendungsbezogenen Einblick ins Studium zu geben. „Was wir hier im Labor im Kleinen machen, machen wir auf der Baustelle draußen im Großen“, so ein Sprecher des Team. Man wolle zeigen, dass man mit Beton nicht nur Häuser bauen könne, sondern dass Beton ein vielseitiger und faszinierender Baustoff sei. Den Schülerinnen gefiel es: Sie durften sich im Baustoff-Labor umschauen und auch selbst Beton gießen.

Girls'Day 2018

Der Girls'Day ist eine deutschlandweite, jährliche Veranstaltung für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Hier können sie wie bei einem Tag der offenen Tür in verschiedene Ausbildungsberufe und Studiengänge der Betriebe und Hochschulen hineinschnuppern und lernen die Fachbereiche IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen.

Insgesamt 74 Teilnehmerinnen der sechsten bis zehnten Klasse kamen am diesjährigen Girls'Day aus der Bodenseeregion an die HTWG. Dort erlebten sie einen spannenden Tag in den Hochschullaboren, konnten Vieles selber ausprobieren und bekamen nebenbei aus erster Hand Informationen aus dem Leben der Ingenieurinnen. Nach einer Begrüßung durch die Gleichstellungsbeauftragte Prof. Dr. Kerstin Schaper-Lang ging es mit den Programmpunkten der Fakultäten Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik los.

Einblicke in die Welt des Bau- und Wirtschaftsingenieurwesens

Die Teilnehmerinnen erfuhren mehr über die Welt des Bau- und Wirtschaftsingenieurwesens, der Umwelttechnik und des Ressourcenmanagements: Sie bekamen Einblicke und Informationen über die zugehörigen Berufsfelder, führten Untersuchungen im Wasserbaulabor und eine praktischen Übung mit dem 3D-Scanner durch. Zuletzt konnten sie mit neu erworbenem ingenieurwissenschaftlichen Know-how ein "Mitbringsel" von der Hochschule Konstanz–Fakultät Bauingenieurwesen selbst herstellen.

Werdet zum Supergirl – im Maschinenbau hat die Zukunft bereits begonnen!

In der Zukunft lassen wir Roboter für uns arbeiten und benutzen neue, geheimnisvolle Metalle, die sich wie von Zauberhand selbst bewegen. Einen kleinen Vorgeschmack bekamen die Mädchen am Girls'Day im Roboter- und Werkstoffkundelabor der Hochschule Konstanz. Sie programmierten vormittags selber einen Roboter, der anschließend ganz allein ein Motiv aufs Papier brachte. Am Nachmittag experimentierten sie mit exotischen Metallen, die von selbst ihre Form änderten und konnten ihr Smartphone-Display in 200-facher Vergrößerung unter dem Mikroskop betrachten. Nach Abschluss der Experimente bekamen alle Maschinenbau-Supergirls noch ein Zertifikat.

Die Welt der Solartechnik

Im Studienbereich Elektrotechnik durften die jungen Gäste Messungen an einer Photovoltaik-Zelle durchführen. Hierbei erfuhren sie, wie die Zellen genau funktionieren und wie sie optimal betrieben werden. Anschließend testeten sie die Funktionsweise der Zellen an einem Motor mit Propeller. Die Geräte wurde selbst entwickelt, gebaut und konnten schließlich mit nach Hause genommen werden! Neben der Solartechnik erlebten sie außerdem auch eine spannende Blitz- und Donnervorführung im Hochspannungslabor.

Informatik – Learning by Doing

Informatik ist langweilig? – Von wegen. Die Informatik begleitet uns fast in jedem Bereich unseres Lebens. Am Girls-Day wurde den Teilnehmerinnen die Welt der Informatik mit einem Besuch im Open Innovation Lab der Hochschule näher gebracht. Besonders begeistert waren die Mädchen von der 3-D-Brille, mit der sie in virtuelle Welten abtauchen konnten.

Rückblick Girls'Day 2017