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Erlebnisreisen für den Geschmackssinn

17.05.2019

Die eigene Business-Idee als Bachelor-Arbeit: Daniel Udvardy will gezielt die Generation Y zu kulinarischen Ausflügen einladen.

Die einen sehen Essen als nötiges Übel, um das Überleben zu sichern. Die anderen, „das sind die, die wir ansprechen möchten, die Genießer, für die Essen eine Leidenschaft ist“, sagt Daniel Udvardy. Wir, das sind Udvardy, der an der HTWG Wirtschaftssprachen Asien und Management China studiert, und sein Schulfreund Florian Egerter, Student der Tourismuswirtschaft in Bad Reichenhall. Die beiden bauen derzeit den Reiseveranstalter „Food-Route“ auf. Hier werden sich Gourmets kulinarische Abenteuer für ihren Urlaub buchen können. Dabei handelt es sich weder um organisierte Gruppenreisen noch um Restaurant-Hopping. „Wir möchten schon die Erlebnisse rund um die Zubereitung der lokalen Spezialitäten erfahrbar machen“, erläutert Daniel Udvardy. Zu ihrem Konzept gehört zum Beispiel hier eine Führung in einer Balsamico-Manufaktur, dort ein Besuch in einer Parmesan-Käserei, eine Weinprobe, ein Kochkurs mit der italienischen Mamma oder ein Ausflug mit der Vespa durch das Proseccogebiet.

Zielgruppe: Generation Y
Derzeit schreiben die beiden Studenten ihre Bachelor-Arbeiten. So wurden vielleicht auch manche Studierende der HTWG auf das Angebot aufmerksam. Denn im Rahmen seiner Arbeit, der Erstellung eines Business-Plans für Food-Route, hatte Daniel Udvardy per Rundmail Studierende der HTWG zu einer Umfrage eingeladen. Der Studierendenverteiler war bewusst gewählt: „Wir wollten in der Umfrage unsere Hauptzielgruppe erreichen, die Generation Y.“ Unter den Jahrgängen der 80er und 90er Jahre seien besonders viele, für die die Ernährung eine wichtige Rolle spiele. Hochwertige Nahrungsmittel, nachhaltige Landwirtschaft, regionale Herkunft, traditionelle Zubereitung, Authentizität – all das sei von großer Relevanz insbesondere für diese Generation. Der Urlaub biete schließlich die Zeit, sich mit vollem Genuss diesen Themen hinzugeben, sich verwöhnen zu lassen, etwas zu lernen, was sich auch in der heimischen Küche umsetzen lässt. Die Studenten glauben an den Erfolg ihres Angebots. „Wovon erzählt man meistens, wenn man vom Urlaub erzählt? Vom Essen! Das ist oft der Höhepunkt eines Urlaubstages“, sagt Udvardy, für den Essen und seine Zubereitung schon immer von großer Bedeutung war und der selbst eine Kochausbildung angefangen hat.

Businessplan als Bachelorarbeit
Udvardy erstellt den Businessplan im Rahmen seiner Bachelorarbeit. Sein Betreuer Prof. Dr. Manfred Pollanz sieht dies in hervorragender Weise geeignet als Medium, um einen Brückenschlag von der betriebswirtschaftlichen Theorie zur ökonomischen Praxis zu erzeugen. Den Studierenden wede damit die Möglichkeit eröffnet, ihre während des Studiums erworbenen Kompetenzen auf einen realen Business-Case zu übertragen und konkreten Praxisbezug herzustellen. „Auf diese Weise wird der Studierende in die Lage versetzt, dem Betreuer zu zeigen, inwieweit er an der Hochschule erworbenes Wissen kritisch reflektieren, deskriptiv verarbeiten und praxisbezogen umsetzen kann. So ermöglicht der Businessplan als Bachelorarbeit eine spannende und herausfordernde Synthesis zwischen Fach-, Methoden- und Umsetzungskompetenz. Gleichzeitig werden eben gerade auch die Anforderungen an nachrückende Führungskräfte adressiert und trainiert, auf die es heutzutage in der Praxis entscheidend ankommt: komplexes Denken und Fähigkeit zur analytischen Durchdringung komplexer realer Probleme“, betont Pollanz.

Das Startland von Food-Route ist Italien. „Hier kennen wir uns beide einfach am besten aus“, sagt Udvardy verschmitzt. Es ist leicht zu bereisen, die Studenten sprechen die Sprache und das Land biete unendlich viele kulinarische Überraschungen. „Viele Leute denken zwar, sie kennen die italienische Küche, aber sie bietet so viel mehr als Pizza und Pasta!“, betont Udvardy. Ziel ist, den Gästen die Lebendigkeit der jeweiligen Landesküche nahezubringen und den Reisenden zu ermöglichen, nebenbei Land und Leute kennenzulernen.
Es gibt Reisepakete vom verlängerten Wochenende bis hin zum zweiwöchigen Roadtrip. Die Routen sind ganz unterschiedlich je nach persönlichen Interessen ausgerichtet. Interessierte können sich ihr Paket bei Food-Route buchen. Die Feinarbeit machen dann Daniel Udvardy und Florian Egerter. Sie buchen die Unterkünfte, die Führungen, die Kochkurse. Der Urlauber erhält seine Fahrtroute, die er mit dem eigenen Auto – oder auf Wunsch mit dem Mietwagen - abfährt.
Die beiden Studenten haben alle Partner vor Ort persönlich besucht - und ihre Produkte gekostet. „Wir wollen nichts anbieten, was wir nicht selbst gesehen haben.“ Und: Man nimmt ihnen beim Lesen ihrer Website ab, dass sie dabei viel Freude hatten. Die Unterkünfte sollen echte Geheimtipps sein, die sich nicht auf den üblichen Hotelbuchungsportalen finden, mal in einer alten Bergdorfschule in den Ausläufern der Alpen, umgebaut in ein Boutique-B&B. Bei ihren Erkundungstouren haben die Studenten offene Türen eingerannt: Die italienischen Gastgeber waren von dem Konzept der beiden angetan. Die heimische Recherche auf italienischen Websites wurde so von vielen persönlichen Empfehlungen vor Ort ergänzt.

Viele Ideen zum Ausbau
Der Phantasie zum Ausbauen des Reiseangebots sind keine Grenzen gesetzt – sowohl was die Länder, aber auch die Reisemittel betrifft. Wie wäre es mit „Inselhopping in Griechenland“, oder mit „mit dem Fahrrad durch das Baskenland“? Und natürlich hat Udvardy, der im Rahmen seines Studiums an der HTWG ein Jahr in China verbracht hat, ein besonderes Faible für die asiatische Küche. Ein Höhepunkt für Mutige sind „Black-Map-Routen“, eine kulinarische Schnitzeljagd, während der die Reisenden erst am Abend erfahren, wohin sie am nächsten Tag reisen sollen – eine Wundertüte.
Dass ein Student der Asien-Studiengänge mit einer Existenzgründung liebäugelt, ist für Prof. Dr. Manfred Pollanz nicht überraschend: „Die Studierenden unseres Studiengangs werden im Rahmen ihres einjährigen Asienaufenthalts mit äußerst vielfältigen und dynamischen Kontexten konfrontiert, was sich als sehr förderlich für die Entfaltung von Kreativität erweist. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn Studierende mit einer konkreten Unternehmensidee zurückkehren und nach Abschluss ihres Studiums den Weg in die Selbstständigkeit anstreben.“

Noch sind die Studenten beim Aufbau des Angebots und ihrer Website. Richtig losgehen soll es dann im Weihnachtsgeschäft 2019. Dann haben die beiden ihr Studium abgeschlossen und können sich ganz auf ihre kulinarischen Erlebnisreisen fokussieren. Im Sommer 2019 wollen sie die ersten Testpersonen auf die Reise schicken. Interessierte können sich an info@food-route.de wenden.

 

Titelfoto: Unsplash.com / Luca Micheli

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