Architektur

Bachelor und Master

Anerkennend, fast neidvoll waren die Blicke der Anwesenden, als Prof. Thomas Stark einen ÜBER.BLlCK über sein Forschungssemester gab. Anerkennung war geboten für die Fülle von Projekten, die in diesem recht überschaubaren Zeitraum angestoßen, beendet oder vorangebracht wurden, und nicht nur die anwesenden Kollegen, sondern gerade auch die Emeriti zeigten sich begeistert. Neidvoll blickten eher die Studierenden und Alumni, die sich in ihrer Studienlaufbahn schon durch die mitunter nicht einfach zugänglichen und bislang eher trocken vermittelten Themen „Bauphysik“ und „Gebäudetechnik“ geackert – vielleicht sogar gequält – haben.

Ihren Nachfolgern wird für den Wissenserwerb auf diesen Gebieten zukünftig nämlich ein Experimentierlabor, kurz E-LAB, zur Verfügung stehen. An vorerst acht Stationen im Ecolar-Gebäude und mit weiteren mobilen Experimenten, die auf dem gesamten Campus durchgeführt werden können, nähern sie sich der Lüftungs- und Wärmepumpentechnik, führen z. B. Experimente zu Wärmeleitfähigkeit und -verteilung oder zum Lichteinfall in Räumen durch. Dass die in den Stationen dargestellten Themen wohl gewählt sind, dafür sorgten Auftaktveranstaltungen bereits 2016. Damals legten Studierende dar, welche Themenkomplexe sie experimentell erfahren möchten, und erarbeiteten anschließend Konzepte zur entsprechenden Umnutzung des Ecolar-Gebäudes.

Stolz präsentierte Stark am Abend beispielhaft die Station zur Wärmepumpentechnik, und bedankte sich für die Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren, die neben dem Preisgeld des Landeslehrpreises, den er 2012 erhalten hatte, den Aufbau des E-LABs ermöglichten. Begleitet wird die experimentelle Erfahrung im E-LAB von einem E-Learning-Tool im Sinne eines Wikis, das Basiswissen, Übungsaufgaben, Informationen zu den technischen Einzelsystemen, realisierte Beispiele und Planungstools für den eigenen Entwurf der Studierenden bereithält.

Der anschließende Einblick in laufende und zukünftige Forschungsprojekte dürfte den meisten Zuhörern neue Aspekte in Fragen der Energieeffizienz und des Nachhaltigen Bauens vermittelt haben. Stark berichtete nicht nur von einem geplanten Gewerbegebiet, das im Ausbau eine autarke Energieversorgung auf der Basis von Solarenergie und Agrothermie anstrebt, oder auch von nachhaltiger Stadtentwicklung, bei der neue Wohngebiete durch sinnvolle Stadplanung, vollständige biologische und technische Kreisläufe und v.a. den zentralen Gedanken des Teilens als so hochwertig anzusehen sind, dass sie auf bisher landwirtschaftlich genutzten und sogar Biotopflächen angesiedelt werden können.

Er machte auch einen Standortvorteil des ländlichen Raumes im Hinblick auf die erneuerbaren Energien deutlich: Letzlich beinhaltet Fläche die Möglichkeit der Energiegewinnung. Zukünftig werden sich deshalb neue Versorgungsstrukturen, aber auch Wirtschaftsmodelle entwickeln, die die kleinteiligen Erzeugungspunkte für erneuerbare Energie auf dem Land mit der städtischen Nachfrage in Einklang bringen. Um die gesetzten Ziele zur Nutzung von erneuerbaren Energien in den nächsten 11 Jahren zu erreichen, muss ungefähr das Doppelte der bisher schon verbauten Solarfläche installiert werden. Bei der Bewältigung dieser gigantischen Aufgabe sieht Stark die Architekten in einer wichtigen Position, wenn es gelingt, Photovoltaik gestalterisch ansprechend und dennoch bezahlbar einzusetzen. Auch auf diesem Gebiet ist er forschend tätig. Zuletzt weist seine Ideenskizze eines Gebäudes, das zu 100 Prozent aus Rückbaukomponenten, also eigentlich Abfall, aus dem Landkreis Konstanz errichtet wird und dennoch höchsten Kriterien der Energieeffizienz entspricht, in die Zukunft optimierter Materialkreisläufe. Leuchtende Augen bekommt der Referent dabei, und wer sich in dieses Projekt einbringen will, ist sicherlich jederzeit willkommen.