Architektur

Bachelor und Master

Einen Querschnitt lateinamerikanischer Architektur versprach der Titel des Abends. Da die diesjährige VIII. International SummerSchool „Flying Classroom LC:SP+MV:LP:SC“ entlang des 34. Breitengrades durch Südamerika tourt, waren Architekten aus den dort angesiedelten Ländern eingeladen. Sie sind alle in der Lehre tätig und werden im Sommer Teil des internationalen Projektes, das sich wie im vergangenen Jahr wieder von einem Meer zum anderen spannt. Die drei Architekten hatten sich erst in Konstanz kennengelernt – so trägt eine ursprünglich deutsch-brasilianische Idee zu engeren Kontakten am anderen Ende der Welt bei.

Mit beispielhaften Gebäuden der Moderne in dem für südamerikanische Verhältnisse fast schon zwergenhaften Staat Uruguay machte Constance Zurmendi Lust auf einen Aufenthalt in der Hauptstadt Montevideo. Sie zeigte deutlich die europäischen Einflüsse auf die uruguayanische Architektur – sei es durch europäische Architekten, die in dem südamerikanischen Land tätig waren, sei es durch heimische Architekten, die ihre Ausbildung in Europa erhalten hatten.
 
Gabriel Santinelli skizzierte eindrucksvoll die historischen Wurzeln typischer argentinischer Siedlungen und verdeutlichte, woran die ausufernden, kaum geplanten und entsprechend infrastrukturell unterentwickelten Siedlungsflächen heute krankten, wo und wie sinnvolle Stadtentwicklung vorangetrieben werden und die Landschaft in diesen Planungen berücksichtigt werden kann.

Sein Kollege Alejandro Beals stellte einige seiner Projekte in Chile vor. Auch ihm ist besonders daran gelegen, Freiräume zu schaffen, die öffentlich nutzbar sind. Nach dem Erdbeben von 2010, das größte Zerstörungen bewirkte, legt er beim Wiederaufbau und der Umnutzung von Gebäuden großen Wert darauf, wie Raum strukturiert und genutzt werden kann zum Wohle der Gemeinschaft.

Besonders deutlich wurde die Haltung, die die Gäste von weither gegenüber ihrer Profession einnehmen: Sie waren sich sehr ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, dem Einflussbereich und Gestaltungsrahmen des Architekten bewusst. Politische Verhältnisse, finanzielle Knappheit und soziokulturelle Besonderheiten prägen den Architektenalltag in Lateinamerika. Die Ausführungen gingen auf gestalterische Details ein, formulierten aber einen sozialpolitischen Auftrag an den Berufsstand, der im europäischen Kontext weit weniger stark ausgedrückt wird.