Architektur

Bachelor und Master

Dekoratives grafisches Element

Schöpferische Unruhe

(09/20) In erster Linie ist er Zeichner und Maler. Doch neben seiner Vorliebe für Kohle, Grafit und dunkle Farbtöne in seinen Arbeiten ist es die Leidenschaft für Performance, Installationen und räumliche Inszenierungen, die seine Kunst ausmacht. Der freischaffenden Künstler Davor Ljubičić, der unter anderem an der HWTG in den Studiengängen Architektur als Lehrbeauftragter tätig ist, wird mit dem diesjährigen Konstanzer Kunstpreis ausgezeichnet.

 

Es ist sein erster Preis aus Deutschland, und deshalb eine ganz wichtige Anerkennung für den Konstanzer Künstler. Seit 1995 befindet sich Davor Ljubičićs Atelier im Neuwerk, das er als Drehpunkt seines Schaffens bezeichnet. Ein Ort für „absurde Taten“, an dem sich Dinge gegenseitig beflügeln. Seit Jahren arbeitet er überwiegend mit Kohle. Der Boden in seinem Atelier, den der als Palette benutzt, ist überlagert mit verschiedenen Grafit- und Ölschichten. Wenn er auf dem Boden arbeitet, der vom Kohlepulver eine komplett schwarze Schicht bekommen hat, und dort neue Zeichnungen entstehen, benutzt er diesen „Schmutz“ wiederum als Material für seine Bilder.

In den Studiengängen Architektur und Gestaltung ist Davor Ljubičić seit 2018 ein bekanntes Gesicht. Seinen Weg an die Hochschule beschreibt eine schöne Anekdote: Die Professorin Katrin Günther war schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einer geeigneten Lehrperson für das Wahlpflichtfach „Aktzeichnen“. Auf der Biennale in Venedig wurde sie auf die Zeichnungen von Davor Ljubicic aufmerksam und recherchierte nach ihm. Dass der freie Künstler letztendlich nur einen Steinwurf von der Hochschule entfernt wohnt, war für die Professorin ein glücklicher Zufall. Der Kontakt war somit schnell hergestellt. „Ich war von Katrins Anfrage total überrascht“, berichtet Davor mit einem Augenzwinkern, „da ich bis dahin gar nicht wusste, dass im Architekturstudium Aktzeichnen angeboten wird.“
Sein Kurs ist seither stets gut besucht, zeitweise hat er bis zu 35 Studierende betreut, darunter waren auch immer wieder Gäste von der Uni Konstanz. „In meinem Kurs geht es nicht nur um nackte Körper“, erklärt er, „sondern um zeichnerische Erfahrung und das genaue Hinschauen. Zeichnen soll ein Genuss sein. Zeichnen braucht Kontinuität und Arbeit.“ Das Wort „üben“ mag er nicht, „man tut es einfach - ohne Zwang, man denkt Zeichnung und man denkt durch die Zeichnung.“ Im vergangenen Sommer-Semester, welches komplett digital abgehalten wurde, ist auch er auf die Zoom-Plattform ausgewichen. „Aktzeichen aus der Ferne – eine ungewöhnliche aber spannende Angelegenheit“, so Ljubičić.


Bei seiner eigenen Arbeit schlagen sich in den Installationen seine Zeichnungen nieder und umgekehrt. Diesen Aspekt sollte man seiner Meinung nach auch bei den Architektur-Studierenden berücksichtigen. „Architektur ist mehr als nur ein Haus zu bauen“, so Ljubičić. Seine eigene künstlerische Arbeit vergleicht er mit einer archäologischen Ausgrabung in seiner eigenen Erinnerung. Manche seiner Arbeiten erklärt er zu Artefakten und zerstört sie bewusst, um in einem stetigen Veränderungsprozess wieder etwas Neues daraus zu schaffen.
Die Veränderung seiner Bilder ist nicht erzwungen, sondern kommt aus einer inneren Notwendigkeit, einem inneren Antrieb, den er immer wieder selbst bremsen müsse, so der Künstler. Wenn er beispielsweise der Ölfarbe die lange Trocknungszeit nicht gebe, die sie eigentlich bräuchte, verkleben und zerstören sich die so bewusst zusammengerollten Bilder selbst. Doch es kann wiederum passieren, dass er sie Jahre später als Artefakte herauskramt und an oder mit ihnen weiterarbeitet. „In meinem Atelier kann ich Dinge, die mir nicht gefallen, verändern, auslöschen oder zerstören“, schwärmt Davor Ljubičić und wird zum Schluss nachdenklich: „Stell Dir mal vor, das könnte man im wahren Leben auch – einfach unangenehme Dinge auslöschen!“


Der Konstanzer Kunstpreis:
Der mit 8.000,- EUR dotierte Preis wird seit 1979 alle zwei Jahre von der Stadt Konstanz und vom Kunstverein Konstanz verliehen. Er geht an Künstler, die im Bodenseeraum geboren oder beheimatet sind, hier längere Zeit künstlerisch tätig waren oder die der Bodenseelandschaft in ihrem Werk eine bevorzugte Stellung einräumen.

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Davor Ljubičić ist in erster Linie Zeichner und Maler, erweitert sein künstlerisches Profil aber mit Performances und Videos sowie raumbezogenen Installationen und Projekten. Mit Kohle, Graphit, doppelt gekochtem Leinöl auf schwerem Bütten stellt Ljubičić monumentale Werke her, die doch nie wirklich ihre Prozesshaftigkeit verlieren. In seinen neuesten Werken bearbeitet Ljubičić Teile seines früheren Werkes weiter und es entstehen collagenhafte Wandinstallationen. Seine Werke befinden sich in einem ständigen Prozess und bleiben damit für die Betrachter rätselhaft und geheimnisvoll, individuell lesbar aber niemals eindeutig. Beeindruckend ist die Vielschichtigkeit des Gesamtwerks: Ausgehend von der Zeichnung und Malerei entwickelt der Künstler Objekte und neue Formen der Präsentation, und auch auf dem Gebiet der Performance, die er gerne auf Video festhält und in unterschiedlichster Weise präsentiert, zeigt er sich sicher und innovativ.

Zur Person:
Davor Ljubičić wurde 1958 in Kroatien geboren und studierte von 1980-84 an der Akademie der Bildenden Künste in Sarajevo. Seit 1992 in Konstanz als freischaffender Künstler. An der Kunstschule Bodenseekreis Meersburg hat er seit 1993 eine Lehrtätigkeit, seit 2000 unterrichtet er an der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz und seit 2018 hat er einen Lehrauftrag an der HTWG Konstanz für das Wahlpflichtfach „Aktzeichnen“. Seit 1984 hat er einige Kunstpreise und Auszeichnungen erhalten. Der Konstanzer Kunstpreis ist sein erster Preis, den er in Deutschland erhält.

Preisverleihung am 11. Oktober 2020 um 11 Uhr im Konzil. Anmeldung ist erforderlich!

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Text: Conny Lurz