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Türöffner für den chinesischen Markt

19.07.2019

Stars im chinesischen Pendant zur „Höhle der Löwen“ und erfolgreiche Berater für KMU in Europa: HTWG-Alumni sehen ihr Start-up als Brücke zwischen West und Ost.

Der Name ist wohlüberlegt gewählt: DŌNGXii heißt das Unternehmen von Miriam Theobald, Marcel Münch und David Ruisinger. „Dong“ (chin. 东)  steht in Mandarin für Osten, „Xi“ (chin. 西) für Westen. Wie die Gründer die beiden Silben im Unternehmensnamen aneinanderrücken, möchten sie auch für Firmen aus Europa den Weg in den Osten verkürzen. Das Start-up ist auf zwei Kontinenten aktiv. „Eigentlich setzten wir gerade eins zu eins um, was wir im Studium an der HTWG gelernt haben“, sagt Michael Münch.

Marcel Münch und Miriam Theobald haben an der HTWG den Bachelorstudiengang Wirtschaftssprachen Asien und Management mit dem Schwerpunkt China belegt. Nach dem Master in London – Marcel Münch hat „Designmanagement“, Miriam Theobald „Cities“ belegt – arbeiteten sie zunächst in Festanstellung bei unterschiedlichen Beratungsunternehmen in Berlin. Ihre Kontakte und Freundschaften, die sie während Studium und Arbeit in China geknüpft hatten, pflegten sie weiterhin. Oder man könnte auch sagen: Die Chinesinnen und Chinesen pflegten die Kontakte nach Deutschland, schließlich ermöglichten ihnen ihre Freunde in Berlin, auf unkompliziertem Weg an Produkte aus Deutschland zu kommen.

Deutsche Produkte sind in China beliebt
„Neben dem Job verbrachten wir viel Zeit beim Schlangestehen in der Post, um Päckchen nach China zu schicken“, erzählt Münch lachend. Denn der Wunsch nach Qualitätsware aus Deutschland ist groß. So entstand die Idee, das Interesse in China für europäische Produkte zu nutzen und dem europäischen Mittelstand zu helfen, seine Produkte in China zu vermarkten. Mit ihrem Unternehmen „Things move China GmbH“ wirken sie nun als Transaktionsdienstleister und übernehmen Abrechnungsabwicklung, Versand und Kundenbetreuung. Für den europäischen Verkäufer unterscheidet sich der Prozess nicht vom Verkauf an einen europäischen Kunden: Er stellt lediglich die Produktbeschreibungen und Bilder für die DŌNGXii App bereit und versendet die gekaufte Ware an eine deutsche Adresse. Um alles Weitere kümmert sich das Team von DŌNGXii. Es übersetzt die Produktinfos, übernimmt die grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung sowie die internationale Logistik inklusive Verzollung und After-Sales Service. Die Kunden in China können sich darauf verlassen, keine gefälschten Waren oder Fake-Marken zu erhalten. „Mit dieser digitalen Plattform-Lösung konnten wir so unsere Anfragen aus China auf ein völlig neues Level heben, und gleichzeitig für den deutschen Mittelstand eine Lösung schaffen“ sagt Miriam Theobald.

 

Die beiden Alumni recherchierten viel und konnten noch einen neuen Arbeitskollegen für ihre Idee gewinnen. David Ruisinger, Absolvent der Mannheimer Popakademie, stieg mit ein. Über ein EXIST-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums erhielten sie 2016 über zwölf Monate nicht nur ein festes Gehalt, sondern auch hilfreiche Unterstützung und Coachings. „Dieses Jahr brauchten wir für die Weiterentwicklung unserer Idee und dem Aufbau von DŌNGXii“, erinnert sich Münch. „Wir haben die App, das Backend und die Infrastruktur entwickelt und die ersten Geschäftskontakte auf deutscher Seite akquiriert“, erinnert sich Münch. Parallel mussten sie bereits nach einem Investor suchen.

Alleinstellungsmerkmal: Naturkosmetik und Nahrungsmittel
Die App DŌNGXii ist über App-Stores in China erhältlich. China mit seinen 1,4 Milliarden Bürgerinnen und Bürgern ist ein riesiger Markt. Wie kann eine App wie DŌNGXii gegenüber dem Marktriesen Alibaba, der noch weit mehr anbietet als Amazon und auf dem chinesischen Markt Platzhirsch ist, überhaupt bekannt werden? Zum einen mit einer Nische: „Wir setzen vor allem auf Naturkosmetik und Nahrungsergänzungsmittel“, erläutert Münch. Nach einigen Lebensmittel- und Umweltskandalen sind Chinesinnen und Chinesen sensibilisiert. Produkte aus Deutschland genießen großes Vertrauen. Zum anderen: Über erfolgreiches Marketing in sozialen Medien. Die Produkte werden zum Beispiel in Kurzvideos authentisch präsentiert, so dass eine Differenzierung von Konkurrenzprodukten deutlich wird.  „Wir wissen, wie digitales Marketing in China funktioniert“, sagt Münch.

Präsentation in der Höhle der Löwen
Einen besonderen Schub hat ihre Shopping-Plattform erhalten, als Miriam Theobald und Marcel Münch ihr Geschäftsmodell in der chinesischen Variante der Fernsehshow „Höhle der Löwen“ präsentieren konnten. Ziel der Show ist, über die Vorstellung innovativer Geschäftsideen Investoren, aber auch Publicity zu gewinnen. Ersteres schien während der Sendung noch wahrscheinlich, ist dann jedoch bei weiteren Verhandlungen gescheitert. Doch die Steigerung der Bekanntheit ist ihnen geblieben. „Allein durch die Show konnten wir über Tausende neue Nutzer gewinnen.“

Aufbau eines Consulting-Netzwerks
Auch bei deutschen Firmen erregte DŌNGXii zunehmend Aufmerksamkeit, insbesondere durch die Kenntnisse der Gründer im Bereich digitale Kanäle und digitale Geschäftsmodelle und Innovationen in China. Immer öfter wurden sie von deutschen Firmen, die in China aktiv sind, eingeladen, sie in ihrer Strategie in Social-Media-Aktivitäten und auf Online-Plattformen zu beraten oder von chinesischen Wettbewerbern zu lernen und damit neue, innovative Geschäftsmodelle für Deutschland und China abzuleiten. „Daraus entstand schließlich ein zweites, sehr stabiles, Standbein für DŌNGXii“, sagt Münch, nämlich das Consulting. Inzwischen beraten sie Firmen zu ihrer Gesamtstrategie für den Eintritt in den chinesischen Zukunftsmarkt und für Innovations-Strategien, die durch chinesisch geprägte Technologietrends wie Elektromobilität, eHealth, eCommerce und Smart Cities entstehen. Sie leiten Workshops mit Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern, begleiten sie in Marktstudien und Analysen. „Der chinesische Markt tickt einfach anders, aber wir verstehen ihn“, sagt Münch lachend. Und auch DŌNGXii sei als Beratungsfirma anders: Besonders wichtig ist den Gründern der persönliche Kontakt zu ihren Kunden. „Der qualitative Faktor ist für uns von hoher Bedeutung“, betont er.

Tipps für den Einstieg in den chinesischen Markt:

Marcel Münch sind drei Punkte besonders wichtig, mit denen sich Unternehmer beim Eintritt in den chinesischen Markt beschäftigen sollten:
1.    Sich mit China beschäftigen und es kennenlernen!
2.    Sich die Frage ehrlich beantworten: Passt mein Produkt überhaupt für den chinesischen Markt?
3.    Fokusgruppen definieren, Nutzerfeedback einholen und das Produkt auf die Endkunden anpassen!

Nach wie vor Kontakte zur HTWG
Auch der Kontakt zu ihren ehemaligen Professorinnen und Professoren ist ihnen wichtig. Das Team profitiere sowohl vom Wirtschafts-Know-How, das sie im Studium erhalten hätten wie auch von der Sprachpraxis und den kulturellen Kenntnissen über China. „Ich freue mich immer, wenn ich einmal wieder nach Konstanz kommen kann“, sagt Münch. Insbesondere Prof. Dr. Rainer Bakker habe ihr Unternehmen in der Startphase mit wertvollen Tipps begleitet. Prof. Bakker sagt: „Miriam und Marcel haben mich beim Aufbau der rechtlichen Infrastruktur für ihre Handelsplattform in Deutschland und der VR China zu Rate gezogen und wir haben gemeinsam alternative Modelle und Gestaltungen diskutiert. Daneben durfte ich auch den Gründungsprozess und die Aufnahme des Investors als Berater begleiten. Mich haben schon seit dem Studium an der HTWG Miriam und Marcel mit ihrem visionären Mut und ihren innovativen Ideen beeindruckt. Hinzu kommen bei beiden die für die Umsetzung der ambitionierten Ziele notwendige Geduld, Entschlossenheit und Disziplin!“
Inzwischen zählt das Start-up der HTWG-Absolventen elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Während in der App zwischenzeitlich vieles automatisiert ist, sind die Beratungsdienstleistungen personalintensiv. Und was Münch besonders wichtig ist: Durchschnittlich alle zwei Monate reist er selbst nach China, um vor Ort auf dem Laufenden zu bleiben. Und um den Westen mit dem Osten zu verbinden – DŌNGXii eben.

Viele Auszeichnungen

Das Start-up der HTWG-Alumni hat bereits auf vielfältige Weise besondere Auszeichnungen erhalten:  

2017 Ausgezeichneter Ort in „Deutschland - Land der Ideen“
Platzierung auf der Shortlist Business Punk
Teilnahme an dem chinesischen Pendant der Fernsehshow „Höhle der Löwen“
Berichte und Interviews in vielen Zeitungen und Magazinen, wie z.B. Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Der Aktionär