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Finanzspritze Stipendium

29.10.2018

Die Bewerbung um ein Stipendium kann sich im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen. Die Chancen sind nicht schlecht.

Ein Stipendium ist wohltuend wie ein kleiner Sechser im Lotto – nur viel leichter zu erlangen. Stipendien und Stipendiengeber sind vielfältig: Es gibt staatliche Begabtenförderungswerke, parteinahe, konfessionelle und gesellschaftliche Stiftungen. Die gewährten Stipendien umfassen die Finanzierung eines grundständigen Bachelor-Studiums, des Bachelor- und Masterstudiums, eines Auslandsaufenthaltes, eines sozialen Einsatzes und vieles mehr. Zugegeben, es fällt schwer, sich einen Überblick zu verschaffen. Doch die Mühe, sich mit der Studienfinanzierung über ein Stipendium zu beschäftigen, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen. Ein Stipendium ist nicht nur eine sehr günstige Möglichkeit, das Studium zu finanzieren, da es, im Gegensatz zum BaföG nicht zurückgezahlt werden muss. Neben der finanziellen Unterstützung bieten viele Stiftungen auch eine ideelle Förderung. Stipendiatinnen und Stipendiaten starten so bereits mit einem wertvollen Netzwerk ins Berufsleben – und Freundschaften, die oft ein Leben lang halten.

Bestnoten sind nicht nötig
Auch wer keine Bestnoten vorzuweisen hat, kann gute Chancen auf ein Stipendium haben. Die Mitarbeiterinnen der Zentralen Studienberatung der HTWG empfehlen, sich mit dem breiten Spektrum verschiedener Stipendienangebote auseinanderzusetzen. „Da findet mancher, dessen Noten vielleicht nicht überragend sind, eine Nische, in die genau er passt“, sagt Beraterin Kathrin Pallasch. Zum Beispiel gibt es zielgerichtet Stipendien für die verschiedenen Fachrichtungen, für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg, für Studierende in besonderen Familiensituationen, für Arbeiterkinder, für Studierende mit Migrationshintergrund.

Zum Beispiel das Deutschlandstipendium

Nina Schladebach zum Beispiel macht ein Zweitstudium (Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau). Sie zahlt dafür Studiengebühren und ist von vielen anderen finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Durch eine Rundmail ist sie auf das Deutschlandstipendium aufmerksam geworden. Vier Stunden hat sie benötigt, um ihre Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen. Die Zeit war aus ihrer Sicht gut investiert: Ein Jahr lang erhält sie nun monatlich 300 Euro. Das Deutschlandstipendium ist unabhängig von Parteien und Konfessionen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierte Programm wird seit Wintersemester 2018/19 an der HTWG ausgezahlt. Das Geld stammt zur Hälfte von Firmen, Privatleuten und Stiftungen, zur Hälfte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Bewerbung? "Es gibt nichts zu verlieren - im Gegenteil"

Zugegeben: Die Anzahl der Deutschlandstipendien an der HTWG ist beschränkt. Dennoch empfiehlt sich eine Bewerbung. Zum einen hat die Hochschule das Ziel, die Fördersumme kontinuierlich zu erhöhen. Zum anderen ist der Aufwand relativ gering. „Es kann ja nichts Schlimmes passieren und außer ein bisschen Zeit kostet sie nichts“, sagt Nico Seige. Ihn hatte gereizt, dass das Stipendium parteiunabhängig ist und von lokalen Sponsoren stammt. Dank der monatlichen Geldspritze kann er nun weiter seiner Tätigkeit als Jugendtrainer im Fußballverein nachgehen. Ohne den festen monatlichen Betrag hätte er einen Job suchen müssen. „Ich habe mir außerdem eine Fachzeitschrift abonniert und habe mehr finanziellen Spielraum bei meinen Projekten mit Microkontrollern“, berichtet der Elektrotechnik- und Informationstechnik-Student. Auch Alina Rathke nutzt die Unterstützung, um die gewonnene Freizeit in ehrenamtliches Engagement umzuwandeln: Die Wirtschaftsrechts-Studentin arbeitet im Studierendenprojekt Law meets business mit.

Stipendien-Info-Veranstaltung am 7. November

In einer Informationsveranstaltung am 7. November geben die Studienberaterinnen wie auch Förderwerke und Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Überblick über Stipendienangebote: 17 Uhr, F007. Ab 18 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich bei einer Tischmesse zu informieren.

Trotz des Wettbewerbes um die Stipendien rät auch Lian Fuchs Kommilitoninnen und Kommilitonen zur Bewerbung: „Ich bin Realist“, sagt der EIW-Student mit Blick auf die Studierendenzahl der HTWG und der begrenzten Zahl der Stipendien und fügt hinzu: „Dieser rationalen Erkenntnis steht mein eigenes Empfinden gegenüber. Denn auch ich stand da und dachte mir, dass meine Gesamtanforderungen nicht ausreichen würden.“ Aber: Es hat geklappt. Ebenso rät Stipendiatin Esther Beyer zur Bewerbung: „Es gibt nichts zu verlieren, im Gegenteil.“

Spannende Persönlichkeiten statt Überflieger

Doch auch bei den klassischen Begabtenförderungswerken ist eine Bewerbung einen Versuch wert. Denn: Die meisten Stipendiaten sind keine abgehobenen Überflieger. „Ich hatte eine ganz andere Vorstellung von den Leuten“, erinnert sich Xenia Kasatkin, die während des Studiums Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wurde. Zu ihrem Bewerbungsverfahren gehörte ein Auswahlwochenende. Diese Auswahlwochenenden der Studienstiftung des deutschen Volkes scheinen geradezu legendär: Auch Lea Keller wurde zu einem solchen Auswahltreffen eingeladen, nachdem sie von einem ihrer Professoren für ein Stipendium vorgeschlagen worden war. Sie schwärmt: „Es war super, Studierende aus allen Teilen Süddeutschlands und von allen möglichen Fachrichtungen kennen zu lernen, dabei unterschiedliche Berufs- und Studienwege und vor allem mehr über deren Hobbys und Interessen zu erfahren.“ Obwohl es letztlich für sie mit dem Stipendium nicht geklappt hat, zehrt sie nach wie vor von der Erfahrung. „Das Tolle an der Sache ist, dass, wenn Du Dich vorschlagen lässt, Du automatisch zu einem der Auswahlseminare eingeladen wirst – egal wie Deine Noten sind. Denn diese spielen bei der Studienstiftung sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es um deine Persönlichkeit und Dein Verantwortungsbewusstsein“, sagt sie.

Neben der finanziellen Unterstützung des gesamten Studiums gibt es auch die Möglichkeit, besondere Maßnahmen im Lauf des Studiums zu finanzieren. So gibt es zum Beispiel Praktikanten- und Reisestipendien. Wirtschaftsrechtlerin Lea Keil konnte so über die ZIS-Stiftung für Studienreisen einen vierwöchigen Aufenthalt in Katalonien finanzieren.
Maschinenbaustudent Dimitrie Kuhn hat gezielt nach Finanzierungsmöglichkeiten für sein Studium gesucht. Nach Hauptschule, Ausbildung, Berufstätigkeit und Technikerschule hatte er sich dafür entschieden, sein Wissen mit einem Studium zu erweitern. „Ich stieß einfach an Wissensgrenzen, die ich überschreiten wollte“, erläuterte Kuhn, der inzwischen sein Bachelor-Studium erfolgreich abgeschlossen hat. Seine Motivation und seine Zielstrebigkeit hatten schließlich auch die Juroren des „Aufstiegsstipendiums“ der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung überzeugt, das gezielt Studierende auf dem dritten Bildungsweg fördert. Die Bewerbung sei für ihn überraschend wenig aufwändig gewesen. Nach dem Ausfüllen eines Online-Formulars folgte ein Online-Test, der dazu diente, seine Motivation und sein Engagement abzufragen. Darauf schließlich folgte in einer dritten Runde ein persönliches Gespräch mit zwei Juroren.

Mehr Rechte als Pflichten

Die Stipendiaten, so sind sie überzeugt, haben mehr Rechte als Pflichten. Sommerakademien, Stipendiatenstammtische und Treffen mit den Vertrauensdozenten sorgen für Austausch. Einer dieser Vertrauensdozenten ist Prof. Dr. Burkhard Lehner. „Vielen ist nicht bewusst, dass man sich auch noch während des Studiums bewerben kann und dass man nicht von einem Dozenten vorgeschlagen werden muss“, sagt Prof. Dr. Burkhard Lehner, Professor an der HTWG in der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, der einer von insgesamt acht Vertrauensdozenten der Studienstiftung des deutschen Volkes in der Region Konstanz/Bodensee ist. Er hält Kontakt zu den Stipendiaten und steht für Fragen während der Bewerbung zur Verfügung. Gleichzeitig appelliert Lehner an seine Kolleginnen und Kollegen in der Professorenschaft, Studierende für das Stipendium vorzuschlagen.
„Ich bin überzeugt davon, dass viel mehr Studierende der HTWG ein Stipendium erhalten könnten“, sagt Xenia Kasatkin. Sie rät ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, gründlich zu recherchieren, welche Stipendien für sie passen könnten und es dann mit der Bewerbung zu probieren: „Es gibt nichts zu verlieren. Nur zu gewinnen.“ Eben einen kleinen Sechser im Lotto.

Weitere Informationen

In einer Informationsveranstaltung am 7. November geben die Studienberaterinnen wie auch Förderwerke und Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Überblick über Stipendienangebote: 17 Uhr, F007. Ab 18 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich bei einer Tischmesse zu informieren.

Eine Übersicht zum Studieren mit Stipendium findet sich auf der Seite der Zentralen Studienberatung der HTWG.

Weitere Informationen rund um Stipendien gibt es zum Beispiel auf folgenden Seiten:
www.stipendiumplus.de
www.stipendienlotse.de

Hier ein Interview mit Dimitrie Kuhn im Deutschlandradio Wissen vom Februar 2016

Fotos: Pixabay / QuinceMedia