Hochschule trifft auf Handwerk auf Konstanzer Höhen

Studierende und Zimmerer in Ausbildung arbeiten Hand in Hand beim Aufbau der Kapelle
Der Bau der neuen Wegkapelle zwischen Litzelstetten und Dingelsdorf verbindet ländliche Baukultur, Naturschutz und forschendes Lernen. Architekturstudierende der HTWG Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung entwickelten den Entwurf und waren maßgeblich an der baulichen Umsetzung beteiligt.
Standort zwischen Obstwiesen und Naturschutzgebiet
Oberhalb des Fuchshofs, zwischen Wanderweg und Obstwiesen, liegt ein Platz, der in der Region unter dem Namen „Der alte Gott“ bekannt ist. Hier wurde bereits im Jahr 1947 ein Stein mit der Inschrift „Der alte Gott lebt noch“ sowie ein Wegkreuz errichtet.
Mit dem Bau der Kapelle an diesem Ort wollten die Initiatoren des Projekts, das Ehepaar Heiner und Lucia Fuchs vom Obstbaubetrieb Fuchshof, die Tradition bäuerlicher Kapellenbauten im ländlichen Raum aufgreifen und zeitgemäß fortführen. Zugleich erfährt der historisch geprägte Ort eine angemessene Aufwertung.
Eine wesentliche Herausforderung lag in der sensiblen Lage am Rand und teilweise innerhalb des Naturschutzgebiets sowie am Standort unter einem groß gewachsenen Walnussbaum mit ausgedehntem Wurzelwerk. Die Sondergenehmigung für den Bau wurde erteilt, da ein solcher Kapellenbau, so der Bauherr, Teil der ländlichen Kultur ist und zudem ein gewisses öffentliches Interesse an diesem Ort gegeben ist. Das Gebäude ist auch rückbaubar, ohne dass Wurzeln und Krone des benachbarten Baums beschädigt werden. An diesem Ort standen zudem bereits das Kreuz, eine Bank, ein Mülleimer und Obstbäume, weshalb es möglich war, den Bau als plausibel zu begründen.
Walz 4.0: Forschendes Lernen
Das Projekt wurde im Rahmen der Bildungs- und Netzwerkplattform „Walz 4.0“, das Handwerk, Hochschule und Praxis zusammenbringt, über zwei Semester realisiert. Im ersten Semester, der Entwurfsphase, waren acht Architekturstudierende beteiligt, begleitet von Prof. Oliver Fritz und Prof. Dipl.-Ing. Stefan Krötsch der Fakultät Architektur und Gestaltung der HTWG. Im Sommersemester 2026 folgten in der Umsetzungsphase dreizehn Architektur- und acht Bauingenieurstudierende, ergänzt durch Prof. Dr.-Ing. Alexander Michalski der Fakultät Bauingenieurwesen der HTWG und den Designer Tom Pawlofsky. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit Auszubildenden im Zimmererhandwerk.

Vom Entwurf zur Auswahl
Im ersten Abschnitt des Projekts entwickelten die Studierenden fünf unterschiedliche Entwürfe in Holzbauweise für die Kapelle. In einem gemeinsamen Prozess wählten die beiden Architekturprofessoren zusammen mit der Bauherrschaft und dem Baubürgermeister der Stadt Konstanz, Karl Langensteiner-Schönborn, den Entwurf der Studentinnen Leonie Fien und Annika Wernert zur Umsetzung aus.
Redesign und Werkplanung
Im Sommersemester stand der ausgewählte Entwurf im Zentrum eines Redesigns. Genehmigungsplanung, Grundstücksvermessung und Werkplanung wurden erarbeitet, und die Besonderheiten des Baus im Detail ausgeformt. Ein Schwerpunkt lag auf traditionellen Holzverbindungen – etwa Schwalbenschwanzverbindungen –, um den Einsatz anderer Materialien möglichst gering zu halten. Dadurch können einzelne Bauteile der Kapelle bei Bedarf einfach ausgetauscht werden, sollte Holz schadhaft werden.

Besondere Merkmale des Entwurfs sind ein vorgelagerter Raum mit Ausblick für Wandernde, ein Schindeldach sowie ein kontemplativ gestalteter Innenraum. Die Kapelle misst etwa 25 Quadratmeter, ist fünf Meter hoch und bietet Platz für etwa sechs Personen. Im Inneren schaffen gotische Spitzbögen und Oberlichter eine ruhige Atmosphäre.
Bauabschluss und Richtfest
Der Baukörper der Kapelle ist bereits fertiggestellt, wird jedoch erst noch an seinen Bestimmungsort oberhalb des Fuchshofs gebracht. Das Richtfest der Kapelle ist für Sonntag, den 11. Oktober 2026, vorgesehen.
Gemeinsam Baukultur weiterentwickeln
Mit der Kapelle entsteht so ein Ort, der Geschichte und Gegenwart, Landschaft und Baukultur, Hochschule und Handwerk sichtbar miteinander verbindet. Am Projekt beteiligt waren die HTWG-Studierenden: Leonie Fien, Luisa Herzog, Leonie Kromer, Christian Knab, Marc Windmüller, Henrik Bühler, Simon Albrecht, Luis Reissing, Tom Weppler, Maximilian Schaedlich, Jannis Eichler, David Riesterer und Annika Wernert.
Fotos: Jannis Eichler