Hochschultag 2026: Künstliche Intelligenz im Dialog

Dr. Monika Oertner und Schüler*innen im Workshop "Mensch-Maschine-Dialog"
Unter dem Leitthema „Maschinen, die denken? Künstliche Intelligenz im Dialog“ fand in diesem Jahr der Hochschultag in Kooperation mit dem Hegau-Bodensee-Seminar an der HTWG Hochschule Konstanz ‒ Technik, Wirtschaft und Gestaltung statt. Rund 25 Schülerinnen und Schüler der Konstanzer Gymnasien Ellenrieder-Gymnasium und Heinrich-Suso-Gymnasium sowie des Nellenburg-Gymnasiums Stockach nahmen an der Veranstaltung teil und erlebten Impulse, Experimente und Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz (KI).
Eröffnet wurde der Hochschultag durch Prof. Dr. Gunnar Schubert, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit an der HTWG, sowie Dr. Norina Procopan, Leiterin des Hegau-Bodensee-Seminars. In ihren Begrüßungsworten hoben sie die zentrale Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft hervor – insbesondere vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dr. Norina Procopan verwies zudem auf die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit sowie die Unterstützung durch die HTWG. Sie unterstrich außerdem, „wie wichtig es ist, zu entdecken, dass Lernen Freude machen kann“. Diese Haltung spiegelt sich auch im “Leitbild Lehre” der HTWG wider: „Freude am Lernen, um Chancen zu eröffnen“.
Keynote: KI im Gesundheitskontext
Den inhaltlichen Auftakt bildete die Keynote von Prof. Dr. Ralf Seepold, Professur für Ubiquitous Computing. In seinem Vortrag beleuchtete er den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen und zeigte, wie intelligente Systeme bereits heute Diagnostik und Therapie unterstützen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Themengebiet Schlaf sowie auf der Frage, welche Rolle datenbasierte Technologien für Prävention und Gesundheitsförderung spielen können. Gleichzeitig hob er die ethischen Dimensionen der KI hervor und sensibilisierte für einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen technologischen Möglichkeiten. Abschließend verwies Prof. Dr. Seepold auf den neuen Studiengang Angewandte Künstliche Intelligenz (KIB) an der HTWG, der ab dem Wintersemester 2026/2027 startet und sich durch besonders flexible Wahlmöglichkeiten sowie einem hohen Anteil an Teamprojekten auszeichnet.
Workshops: KI praktisch und kritisch erleben
Im Anschluss vertieften die Schüler*innen das Thema in zwei parallel stattfindenden Workshops. Im Workshop unter der Leitung von Prof. Dr. Christopher Knievel (Professur für Autonome Systeme, Fakultät Elektro- und Informationstechnik) entwickelten die Schülerinnen und Schüler einen KI-basierten Fitnesstracker auf Grundlage des „micro:bit“-Boards. Der batterriebetriebene Mikrocontroller wurde dabei von den Teilnehmenden selbst am Handgelenk getragen. Ziel war es, Bewegungsdaten eigenständig zu erfassen und auszuwerten: Die Teilnehmenden zeichneten ihre Aktivitäten selbst auf, sodass das System Bewegungen entlang der X-, Y- und Z-Achse erkennen und zwischen Gehen, Laufen oder Hüpfen unterscheiden konnte. Neben einem praxisnahen Einblick in die Funktionsweise lernender Systeme wurde dabei insbesondere deutlich, wie groß die Datenmengen sind, die für das Training von KI-Anwendungen erforderlich sind.
Der Workshop „Mensch-Maschine-Dialog“ bot einen technophilosophischen Zugang zum Thema Künstliche Intelligenz. Dr. Monika Oertner von der HTWG-Schreibberatung führte die Schülerinnen und Schüler in die Funktionsweise moderner KI-Chatbots wie ChatGPT ein und machte den Entstehungsprozess des Outputs anschaulich nachvollziehbar. Anschließend setzten sich die Teilnehmenden kritisch mit generativen KI-Systemen auseinander: In einem gemeinsamen Brainstorming sammelten sie Eigenschaften, die sie großen Sprachmodellen zuschreiben, und diskutierten, inwiefern diese Einschätzungen tatsächlich fundiert sind. Auch Fragen nach der Herkunft von Informationen sowie deren Bewertung und Einordnung standen im Fokus. So entwickelten die Schülerinnen und Schüler eine differenzierte Perspektive auf den Einsatz und die Wirkung generativer KI.
Beide Workshops wurden von den Schüler*innen mit großem Engagement aufgenommen und am Ende ausdrücklich gewürdigt.
Austausch und Reflexion im Plenum
Den Ausklang des Tages bildete eine gemeinsame Plenumsdiskussion, in der die Ergebnisse aus den Workshops zusammengeführt und reflektiert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Auseinandersetzung mit KI nicht nur technisches Verständnis erfordert, sondern auch ethische, gesellschaftliche und persönliche Fragen aufwirft.
Das Hegau-Bodensee-Seminar: Förderung über den Unterricht hinaus
Das Hegau-Bodensee-Seminar, das seit 1990 besonders interessierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Konstanz fördert, bietet mit seinen Arbeitsgemeinschaften einen Raum für vertieftes, interdisziplinäres Lernen. Jährlich nehmen rund 160 bis 200 Jugendliche daran teil und beschäftigen sich mit Themen, die über den regulären Bildungsplan hinausgehen. Ziel ist es, Neugier zu fördern, eigenständiges Denken zu stärken und kreative Lösungsansätze zu entwickeln.
Der Hochschultag 2026 knüpfte daran an und machte deutlich, wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig in den Dialog über Zukunftstechnologien einzubeziehen.
Titelfoto: HTWG