Ketchup oder Senf? Wie die „LkW-Maschine“ drei HTWG-Studenten bis ins Fernsehen brachte

André Löffler, Thomas Anton und Fabian Wockenfuß mit ihrer Leberkäswecken-Maschine, von der ein Video auf Instagram viral ging
Ein Instagram-Reel, ein Fernsehteam im Vorlesungsraum und überregionale Presseanfragen: Die drei HTWG-Studenten Fabian Wockenfuß, André Löffler und Thomas Anton haben mit ihrer Leberkäswecken-Maschine Aufmerksamkeit ausgelöst, mit der sie nicht gerechnet hatten. Der Auslöser war ein Instagram-Video, das inzwischen mehr als 11 Millionen Aufrufe hat.
Im September 2025 beginnen drei Studenten der Fakultät Maschinenbau mit ihrer Projektarbeit: eine Maschine, die auf Knopfdruck fertige Leberkäswecken baut, inklusive (süßem) Senf oder Ketchup. Sechs Monate bauen, testen und tüfteln Fabian Wockenfuß, André Löffler und Thomas Anton in WG-Wohnzimmern und Werkstätten, bis die Maschine bei der Präsentation im Februar 2026 aus 50 Wecken und 6 Kilogramm Fleischkäse fast fehlerfrei fertige Leberkäswecken zusammensetzt. Für die Projektarbeit gibt es dafür die Bestnote 1,0. Ein kurzer Clip davon landet auf dem Instagram-Kanal @htwg.konstanz.
Was danach passiert, übertrifft alles, womit die drei gerechnet hatten. Das Reel verbreitet sich innerhalb weniger Stunden millionenfach, die Kommentarspalten füllen sich mit Diskussionen über die richtige Soße und Scheibendicke, und kurz darauf klingeln die Telefone: Fernsehteams, Zeitungen und Radiosender wollen die Maschine sehen und mit den drei Studenten sprechen.
So groß war das Echo
Die Story schafft es unter anderem mit TV-Beiträgen ins SWR und RegioTV, mit Print- und Onlineartikeln in die Stuttgarter Zeitung, die Deutsche Handwerks-Zeitung und dazu ein knappes Dutzend weiterer Zeitungen und Radiosender. Auch Wochen nach dem eigentlichen viralen Hit trudeln die Presseanfragen immer noch ein.
Für drei Studenten, die ein halbes Jahr zuvor noch elektrische Brotmesser auseinandergebaut haben, um ihren Antrieb in selbst konstruierte Gehäuse einzubauen, ist das eine völlig neue Erfahrung.
André Löffler erinnert sich genau an die ersten Stunden nach dem Posten des Reels: „Als das Reel innerhalb weniger Stunden schon Millionen Aufrufe hatte, war ich schon sehr überrascht. Ich glaube aber, erst als uns die Hochschulkommunikation kontaktiert hat, wurde mir klar, wie groß die ganze Sache wirklich ist.“
Vor dem ersten Interview ist die Aufregung entsprechend groß. Danach wird es leichter, wie André beschreibt: „Ja, auch jetzt bin ich vor einem Telefonat noch etwas nervös, aber lange nicht mehr so wie vor dem ersten Interview.“
Auch für Fabian Wockenfuß war der erste Auftritt vor laufender Kamera Neuland: „Vor der Kamera zu stehen, war spannend, das hatte ich vorher noch nie erlebt. Es hat richtig Spaß gemacht, eine coole Erfahrung.“
Die größte Diskussion: die Soßenfrage
Kaum ein Thema sorgte online für so viele Kommentare wie die Frage nach der richtigen Soße auf dem Leberkäswecken. Die Antwort darauf hat Thomas Anton klar für sich beantwortet, auch wenn er in der Minderheit ist: „Von uns dreien habe tatsächlich ich dazu gedrängt, dass man Ketchup nimmt. Ich esse Leberkäswecken immer mit Ketchup, sogar Bayer [lacht]. Immer wenn wir die Maschine vorgestellt haben, haben 30 bis 40 Prozent der Leute Ketchup genommen. Dass wegen dem Senf so hohe Wellen geschlagen werden, hat mich echt überrascht: Man kann die Soße ja selbst wählen, für jeden ist also etwas dabei.“
Fabian kennt die Frage inzwischen auswendig: „Manche Fragen kamen bei fast jedem Interview wieder, allen voran ‚Ketchup oder Senf?‘. Die hat uns wirklich jede Redaktion gestellt, das Thema hat alle ziemlich beschäftigt.“
Interesse an Studenten klingt nicht ab
Auch Wochen nach dem ersten Beitrag reißt das Interesse nicht ab. Thomas berichtet, dass bis heute regelmäßig neue Anfragen ankommen: „Echt verrückt, wie viele Anfragen das waren. Bis heute kommt noch jede Woche etwas rein. Besonders gefreut haben mich die Anfragen der Fernsehsender, das hat man ja nicht alltäglich, genauso wie die Berichterstattung meiner Heimatzeitung, der Memminger Zeitung. Danach haben mich Leute auf der Straße angesprochen, mit denen ich vorher noch nie gesprochen hatte.“ Im ganzen Trubel sieht André vor allem eins: eine Bestätigung für die Arbeit im Projekt: „Ich finde, der Hype und die Aufmerksamkeit sind auch irgendwie eine Belohnung und Anerkennung für die ganze Arbeit, die in dem Projekt steckt. Es war definitiv eine Erfahrung und eine Erinnerung fürs Leben. Aber auch komisch, wie schnell sich so etwas entwickeln kann und welche Themen dann letztendlich die Leute beschäftigen.“ In Konstanz selbst hält sich die Prominenz auf offener Straße für Fabian eher in Grenzen: „Direkt erkannt hat mich bisher niemand. Aber gefühlt hat jede*r das Video gesehen, auch bei mir auf der Arbeit.“
Die Reaktionen im eigenen Umfeld beschreibt Thomas als durchweg positiv, von Anfang an: „Meine Familie war von Minute eins an dabei, schon als ich von der Idee erzählt habe, dass wir das machen wollen. Die haben sich richtig gefreut und auch gar nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Am Ende haben sich alle total gefreut, dass daraus so ein Erfolg wurde und wir sogar im TV und im Radio zu hören und zu sehen waren.“
Wie es für die drei weitergeht
Für die drei Studenten endet mit dem viralen Erfolg auch bald ein Kapitel an der HTWG: Sie arbeiten aktuell an ihrer Bachelorarbeit.
Thomas plant anschließend einen Master „in Richtung Entwicklung und Konstruktion“. André absolviert derzeit ein einjähriges Praktikum bei Georg Fischer in Sissach und schreibt parallel seine Bachelorarbeit. Danach will er in eine Festanstellung wechseln, ein berufsbegleitender Master bleibt für ihn aber auch eine Option.
Fabian Wockenfuß, der dritte im Team, hat die Maschine ebenfalls durch alle sieben Bauphasen begleitet, von den ersten Tests mit einem fixierten Messer bis zur fertigen Präsentation. Auf die Frage, was nach dem Studium für ihn ansteht, hat er eine klare Antwort: „Für mich steht jetzt erst mal der Start ins Berufsleben an.“
Was bleibt, ist eine Maschine, die zeigt, wie viel aus einer Projektarbeit werden kann, wenn Idee, Technik und ein gutes Video zusammenkommen.
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