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Theater Hochschule Konstanz begeistert mit Ibsens „Ein Volksfeind“ im Rheinstrandbad

Das Konstanzer Rheinstrandbad wurde Mitte Juni zur Kulisse eines besonderen Theatererlebnisses: Das Theater Hochschule Konstanz zeigte Henrik Ibsens „Ein Volksfeind“ auf dem Seerhein. Vor der einzigartigen Wasserkulisse erlebte das Publikum an vier Abenden ein klug inszeniertes, atmosphärisch dichtes Spiel über Wahrheit, Verantwortung und die Macht der öffentlichen Meinung.

Die eigens im Wasser errichtete Bühne verwandelte das Rheinstrandbad in einen Spielort, der den Inhalt des Stücks sinnlich erfahrbar machte. Wo sonst Erholung und „paradiesische“ Emotionen dominieren, entspann sich ein Konflikt um verunreinigtes Wasser, wirtschaftliche Interessen und moralische Haltung: Ein Arzt entdeckt, dass das Wasser des Kurbads krank macht – ausgerechnet jene Ressource, von der die Stadt lebt. Was zunächst wie ein klarer Fall von Aufklärung wirkt, gerät zunehmend ins Wanken: Politik, Presse und Bürgerschaft beginnen, aus Angst vor wirtschaftlichen Schäden die Wahrheit zu relativieren, zu verschieben, zu verschweigen.

Die Inszenierung zeigte eindrücklich, wie brüchig vermeintliche Gewissheiten werden, wenn die Wahrheit unbequem wird. Wer hat recht, wenn alle um Deutungshoheit ringen? Darf die Wahrheit über den Ängsten und Bedürfnissen anderer stehen? Und was passiert mit denen, die nicht „mitlaufen“, wenn der Druck der Mehrheit steigt? Vor der nächtlichen Kulisse des Seerheins bekamen diese Fragen eine besondere Schärfe.



Studierende in allen Rollen – auf und hinter der Bühne
Seit 1993 wird an der HTWG Hochschule Konstanz Theater gespielt, und pro Semester eine Aufführung auf die Bühne gebracht. Das aktuelle Stück überzeugte durch die starke Leistung der Studierenden von der HTWG und der Universität Konstanz auf der Seebühne und hinter den Kulissen. Denn im Rahmen des Studium-Generale-Projektkurses realisieren die Studierenden alles selbst: Bühnenbild, Dramaturgie, Schauspiel, Technik, Maske, Kostüme, Organisation und Marketing. In diesem interdisziplinären Lernraum werden Freundschaften über Fakultäten hinweg geschlossen, Soft Skills gestärkt und neue Perspektiven entdeckt. Die Leistung jedes Einzelnen summierte sich, sodass das Ensemble bei den vier Vorstellungen hochprofessionell agieren konnte. Auch die klare Figurenzeichnung und die präzise gesetzten Dialoge begeisterten das Publikum.

Geleitet und begleitet wurde die Produktion von der erfahrenen Theaterpädagogin Anna Hertz. Mit sicherem Blick für Ensemblearbeit und Textbearbeitung gelang es ihr einmal mehr, gemeinsam mit den Studierenden ein Stück auf die Bühne zu bringen, das sowohl künstlerisch überzeugt als auch gesellschaftlich relevant ist. Auch in der Regiearbeit können die Studierenden sich miteinbringen. Dass es dem Theater Hochschule Konstanz jedes Semester gelingt, ein neues Stück auf Konstanzer Bühnen zu präsentieren, zeigte sich auch dieses Mal in der stimmigen Verbindung von Spielort, Stoff und Ensemble.

„Ich bin immer wieder beeindruckt davon, mit wie viel Einsatz die Studierenden bei der Sache sind und was wir durch das Engagement auf allen Seiten gemeinsam auf die Beine stellen. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, auf diese Weise zusammenzuarbeiten“, sagt Anna Hertz. „Besonders war auch, wie herzlich uns das Team des Rheinstrandbads über zwei Wochen hinweg aufgenommen und unterstützt hat. Das Event war für beide Seiten eine großartige Bereicherung.“

Mehr als ein Hochschulprojekt
Die Aufführungen im Rheinstrandbad Konstanz haben gezeigt, dass studentisches Theater mehr sein kann als ein Hochschulprojekt. Auf der Seebühne im Seerhein sind besondere Theaterabende entstanden, die nachhallen – und die beweisen, dass die Wahrheit nicht nur Wellen schlagen, sondern auch zum Nachdenken anregen kann.

Copyright alle Fotos: Ilja Mess