Fakultät Informatik
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Code auf der Rennstrecke: Informatik beim Bodensee Racing Team

Foto: Der Iltis 26E auf dem Transpolis-Gelände in Frankreich während des Endurance-Rennens. Im Bild: Nico Mattes. (Fotograf: Jonas Reimann)
Über 100 km/h – und niemand sitzt am Steuer. Beim Bodensee Racing Team der HTWG Konstanz bringen Informatik-Studierende einem Rennwagen bei, selbstständig über die Strecke zu fahren. Dabei sammeln sie Praxiserfahrung jenseits des Hörsaals.
Was ist die Formula Student?
Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studierende. Innerhalb eines Jahres entwickeln und bauen die Teams nach einem festen Reglement einen eigenen Rennwagen – vom Chassis über den Antriebsstrang bis hin zu Elektronik und Software.
Bei den Events treten die Fahrzeuge gegen Teams aus aller Welt an. In den statischen Disziplinen präsentieren die Teams unter anderem ihre Kostenaufstellung, ihre technischen Entscheidungen und einen Businessplan. In den vier dynamischen Disziplinen muss der Rennwagen auf der Strecke zeigen, was in ihm steckt. Seit 2017 gibt es zusätzlich den Driverless Cup. Hier fährt das Fahrzeug ohne direkten menschlichen Einfluss: Algorithmen steuern es selbstständig durch unterschiedliche Streckenlayouts – und das so schnell wie möglich.
Das Bodensee Racing Team
Die HTWG Konstanz ist mit dem Bodensee Racing Team (BRT) dabei, das seit 2006 jedes Jahr einen neuen Rennwagen baut. In der Saison 2026 ging das Team mit dem Iltis 26E bei vier Events an den Start:
- Formula Student Czech Republic, Tschechien: Saisonauftakt
- Formula Student Spain, Circuit de Barcelona-Catalunya: Pokal für die beste Livery, also das gelungenste Fahrzeugdesign
- Formula Student Germany (FSG), Hockenheimring
- Formula Student France, Transpolis-Gelände: Saisonabschluss mit dem zweiten Platz im Businessplan
Informatik im Rennwagen
Im Team gibt es Aufgaben für viele Fachrichtungen: von der Konstruktion mechanischer Bauteile über die Auslegung elektronischer Schaltungen bis hin zur Software. Gerade für Studierende der Informatik gibt es dabei jede Menge zu tun.
Embedded Systems: das Nervensystem des Fahrzeugs
Auf zahlreichen Platinen im Fahrzeug arbeiten Mikrocontroller, deren Code angepasst oder neu geschrieben werden muss. Hier können besonders Studierende der Angewandten Informatik (AIN) mit der Vertiefung Embedded Systems ihr Wissen praktisch anwenden und sich neuen Herausforderungen stellen.
Die Software tauscht Daten über Kommunikationsschnittstellen aus – also über die Verbindungen, auf denen Steuergeräte, Sensoren und Rechner im Fahrzeug miteinander „sprechen“. Dazu zählen etwa der in Autos verbreitete CAN-Bus, das auch aus dem Büronetzwerk bekannte Ethernet und die einfache serielle Schnittstelle UART (Universal Asynchronous Receiver-Transmitter). Sensordaten müssen zuverlässig ausgelesen, zugeordnet und verarbeitet werden. Nur so lässt sich das Fahrzeug sicher steuern – egal, ob ein Mensch am Steuer sitzt oder das autonome System die Strecke bewältigt.
Foto: Nico Mattes bei der Fehlersuche im Embedded-Software-Stack des Iltis 26E (Fotograf: Jonas Reimann)
Autonomes Fahren: sehen, planen, lenken
Damit der Rennwagen ohne fahrende Person auskommt, braucht er anspruchsvolle Erkennungs- und Regelungsverfahren. Hier bringen sich Studierende des Masterstudiengangs Informatik (MSI) ein und erproben unterschiedliche Verfahren zur Objekterkennung und -zuordnung. Das System erkennt die Pylonen, die die Strecke begrenzen, und berechnet daraus einen Pfad. Ein Regler führt das Fahrzeug entlang dieses Pfads. Die Steuerbefehle gelangen über die Kommunikationsschnittstellen zu den Aktoren wie Motorsteuerung und Lenkung, die sie umsetzen. Besonders knifflig ist dabei das Tempo: Das autonome Fahrzeug erreicht über 100 km/h. Die Steuerbefehle müssen deshalb in sehr kurzen Abständen berechnet werden.
Simulation: erst virtuell, dann auf die Strecke
Damit ungetestete Algorithmen nicht gleich am echten Fahrzeug erprobt werden müssen, hat das Team eine Simulationsumgebung aufgebaut, die laufend weiterentwickelt und verfeinert wird. Sie bildet die dynamischen Disziplinen ab. So lässt sich für jede Disziplin der beste Algorithmus ermitteln, und Schwächen fallen frühzeitig auf.
Abbildung: Simulationsmodell für den Driverless-Stack mit NVIDIA Isaac Sim 6.0.1, aufgebaut für die Skidpad-Disziplin. (Bild: Aron Lapp)
Werkzeuge für das Team
Neben der Software im Fahrzeug entstehen auch Werkzeuge für die Teamarbeit. Ein Beispiel ist ein Dashboard, das Deadlines, Termine und andere wichtige Informationen auf einen Blick zeigt. Dafür greift es über Schnittstellen auf andere Programme und Webseiten zu und bündelt deren Daten. So findet das Team auch verstreute Informationen an einer zentralen Stelle.
Mitmachen
Das BRT bietet Studierenden der Informatik die Chance, das Erlernte in einem echten Projekt anzuwenden, zu vertiefen und neue Kenntnisse zu gewinnen. Möglich ist das im Rahmen eines Teamprojekts oder einer Abschlussarbeit, aber auch als reguläres Teammitglied: Das BRT gehört zu den interdisziplinären Projekten im Studium Generale des Center of Cross-Curricular Learning (CCL). Alle Interessierten sind eingeladen, beim Recruiting Day vorbeizuschauen, sich auf der Website des Bodensee Racing Teams zu informieren oder sich per E-Mail zu melden.
Instagram: @brt.konstanz
Foto: Der Iltis 26E auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya in Spanien während des Endurance-Rennens. Im Bild: Nico Mattes. (Fotograf: Jonas Reimann)
Fotos: Jonas Reimann, Aron Lapp
Text: Christopher Gogl