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100 Tage im Amt

06.01.2021

Prof. Dr. Sabine Rein hat am 29.9.2020 die Leitung der HTWG übernommen. Seitdem war ihr Krisenmanagement gefragt, persönliche Fragen blieben auf der Strecke. Das holen wir heute nach.

Welche App auf Ihrem Smartphone nutzen Sie am meisten?

Am meisten nutze ich LinkedIn – für mich eine hervorragende App, um zu sehen, was in meinem Netzwerk geschieht – wer sich beruflich verändert und welche Innovationen gerade diskutiert werden.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese gerade „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett, ein sehr amüsantes Buch! Parallel lese ich noch „Italien- Porträt eines fremden Landes“ von Thomas Steinfeld.

Als Sie fünf Jahre alt waren, was wollten Sie damals werden?

Ich glaube, mit fünf Jahren hatte ich noch keinen Berufswunsch. Später wollte ich lange Richterin werden – vielleicht, weil ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe.

Ihr größtes Vorbild?

Mein größtes Vorbild ist die Politikerin Louise Schröder (1887 – 1957). Ich bin ja Berlinerin und in Berlin ist der Name Louise Schröder zum Beispiel über Straßennamen sehr präsent. So kam es, dass ich mich schon früh für den Lebensweg von Louise Schröder interessiert habe: Sie stammt aus sehr einfachen Verhältnissen und hat sich früh für Sozialpolitik und für die Gleichstellung der Frau eingesetzt. In der Nazizeit erhielt sie ein Berufsverbot und gehörte nach dem Krieg dem Gründungsausschuss der Freien Universität Berlin an. Louise Schröder war als erste Frau Oberbürgermeisterin Berlins – zu einer Zeit, als Frauen noch ihren Ehemann fragen mussten, ob sie berufstätig sein dürfen.
Louise Schröder ist für mich ein Vorbild, weil sie für den Rechtsstaat, für Demokratie und für soziale Gerechtigkeit eingetreten ist und im positiven Sinne Spuren hinterlassen hat.

Mit wem würden Sie gerne einen Kaffee trinken?

Mit Angela Merkel. Ich habe ja viele Freunde in der ganzen Welt und, wenn wir auf Politik zu sprechen kommen, schwärmen sie regelrecht von Angela Merkel. Sie ist hoch angesehen und wir werden in anderen Ländern regelrecht beneidet, dass wir sie als Staatschefin haben. Auch ich finde, dass sie eine beeindruckende Persönlichkeit ist, die in ihrem Leben eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht hat. Außerdem hat sie natürlich sehr interessante Begegnungen in ihrem Leben gehabt. Von beispielsweise Barack Obama über Jürgen Klopp bis hin zu Hasso Plattner. Mit denen würde ich übrigens auch gerne einen Kaffee trinken.

Mit wem ein Kaltgetränk?

Mit Kolleginnen und Kollegen und Studierenden an der HTWG. Werde ich auch machen, wenn die Strandbar geöffnet hat.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Über die Simpsons. Ich habe ja lange für eine amerikanische Unternehmensberatung gearbeitet und bin natürlich viel mit der amerikanischen Kultur in Berührung gekommen. Die Simpsons überspitzen diese Kultur für mich in einer sehr witzigen Art und Weise.

Welche Sprache würden Sie gerne lernen? Warum?

Sehr gerne würde ich mein Chinesisch weiter verbessern, da stehe ich leider noch am Anfang. Warum? Mit dem Lernen einer Sprache erschließe ich mir auch die Kultur und den Zugang zu den Menschen, selbst wenn ich weiß, dass ich Chinesisch nie perfekt beherrschen werde. An der chinesischen Sprache faszinieren mich die Schriftzeichen. Diese zu üben, hat etwas Meditatives.

Ihr liebstes Reiseziel bzw. wohin wollten Sie schon lange gerne reisen?

Als wir (vor Corona) noch unbeschwert reisen konnten, sind wir sehr gerne nach Frankreich gereist. Darüber hinaus faszinieren mich schon immer ferne Länder und Kulturen. Viele habe ich schon gesehen. Auf meiner Liste stehen noch Peru und Vietnam.

Was brauchen Sie, um abschalten zu können?

Sport. Am liebsten zu lauter Musik.

Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit denken?

Ich erinnere mich gerne an gute Vorlesungen, an mitreißende Lehrende, die ihre Vorlesungen interaktiv gestaltet haben. Dies habe ich mir für meine eigene Lehre als Vorbild genommen. Und ich erinnere mich an meine Kommilitonen. Mit einigen bin ich bis heute befreundet.

Woran weniger gerne?

An Themen, bei denen sich damals nicht der Sinn erschlossen hat. Also häufig Fächer, die eher trocken waren und dann auch noch trocken unterrichtet wurden.

Was bedeutet der Hochschultyp „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ für Sie?

Ich habe ja ursprünglich an einer Fachhochschule studiert, also den Hochschultyp, den wir heute Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) nennen, kenne diesen Hochschultyp also schon aus meiner eigenen Studienzeit. Die HAWen stehen für mich für eine hohe Anwendungsorientierung, einen hohen Praxisbezug und hervorragende Berufsaussichten. Sie stehen für mich für eine Forschung, mit der wir dazu beitragen, die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt mit der HTWG erinnern? In welchem Rahmen war er und was haben Sie mit der Hochschule verbunden?

Mein erster Kontakt mit der HTWG war vor einigen Jahren, als ich als damalige Prorektorin der HFT Stuttgart eine Veranstaltung hatte und nach der Konferenz die Gelegenheit bekam, das Solarboot anzusehen und eine kleine Fahrt auf dem Bodensee zu machen. Mich hat damals sehr beeindruckt, wie professionell die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner mit uns Gästen umgegangen sind. Dieser Eindruck, dass die Hochschulangehörigen sehr stolz auf die HTWG sind, hat sich übrigens danach bestätigt. Und ich finde übrigens: zu recht. Die HTWG ist eine tolle Hochschule mit einem vielschichtigen Profil und engagierten Menschen!

Welchen Studiengang der HTWG würden Sie ihren Söhnen empfehlen?

Ich kann alle Studiengänge der HTWG empfehlen, weil alle moderne Curricula nutzen, die ständig weiterentwickelt werden. Die Studiengänge sind international vernetzt, die Lehrenden sind hochqualifiziert und kommen alle aus der Praxis. Ich empfehle meinen Söhnen, das zu studieren, wofür sie sich interessieren. Im Falle meiner Söhne sind dies technische Fachrichtungen - natürlich keine schlechte Wahl.

Was lässt sich an der HTWG (schnell) und ohne Geld verändern?

Was ich noch mehr nutzen will, ist, die Kompetenzen aller HTWG-Angehörigen zu vernetzen und für Innovationen zu nutzen. Dies habe ich schon angefangen: Die Präsidialetage haben wir mit wenigen, überwiegend bordeigenen Mitteln und kreativen Ideen zu einem ganz individuellen HTWG-Ort gemacht: Prof. Gautschi als Architektin und Prof. Fritz vom Open Innovation Lab haben gemeinsam mit Herrn Brendgens, dem Leiter Gebäudemanagement und mir die Ideen gesammelt, diskutiert und umgesetzt. Ihre Namen stehen stellvertretend für alle, die mitgewirkt haben, von den Hausmeistern über die Schreinerei bis zur IT. Die Präsidialetage zeigt das, was wir an der HTWG können: kreativ sein, lösungsorientiert und kooperativ. Beeindruckt hat mich das Engagement, mit denen alle über die Sommerferien – also während der Urlaubszeit – mitgemacht haben.

Worum beneiden Sie die Studierenden der HTWG?

Um die Möglichkeit, an diesem schönen Campus zu studieren und im Sommer zwischen den Vorlesungen in einer Pause in den Seerhein zu springen.

Wie oft waren Sie schon im Bodensee schwimmen?

Das kann ich nicht zählen. Das Strandbad Hörnle ist einer der Lieblingsorte meiner Familie, wir sind vorletztes Jahr den Bodenseeradweg gefahren und dabei immer wieder in den See gesprungen. Da ich sehr wasseraffin bin, kann ich mich da kaum zurückhalten.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz in Konstanz?

Ja klar, die HTWG!

Prof. Dr. Sabine Rein

Prof. Dr. Sabine Rein steht links im Bild und hält eine aufgeklappte Urkundenmappe in der Hand. Rechts im Bild steht Ministerialdirektor Ulrich Steinbach.Professorin Dr. Sabine Rein ist von Hochschulrat und Senat am 10. Juli mit überwältigender Mehrheit zur Präsidentin der Hochschule Konstanz gewählt worden. Am 28. September überreichte ihr Ulrich Steinbach (rechts), Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Ernennungsurkunde.

Vor ihrem Wechsel an die HTWG lehrte Prof. Dr. Sabine Rein seit 2010 an der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) Betriebswirtschaft und hier vor allem die Themen Public Management, Führen und Veränderungsmanagement. An der HFT war sie von 2012 bis 2017 Prorektorin für Studium und Lehre sowie 1. Vertreterin des Rektors. Nach ihrer Promotion an der Universität Potsdam war Sabine Rein bis zu ihrer Berufung in leitenden Positionen tätig, unter anderem in der Senatsverwaltung für Inneres des Landes Berlin und bei der Accenture GmbH in München. Seit 2010 ist sie Geschäftsführende Gesellschafterin der Rein Unternehmensberatung in Bondorf. Sabine Rein ist Mitglied zahlreicher Kommissionen und Expertengruppen.

Hochschulratsvorsitzender Dr. Stefan Keh sagte nach der Wahl: „Frau Dr. Rein hat sich in einem hochkarätigen Bewerberfeld durchgesetzt. Mit ihr haben wir eine exzellente Wahl getroffen. Sie kennt Hochschule, Wirtschaft und öffentliche Verwaltung gleichermaßen gut. Mir gefällt an ihr die Kombination aus Zuhören können und entschlossenem Engagement sehr gut. Das sind beste Voraussetzungen, eine erfolgreiche HTWG noch erfolgreicher zu machen“.