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Futter bei die Hühner

24.05.2019

Ein Studierendenteam hat das Videospiel Hungry Chicks entwickelt. Das nächste Spiel ist bereits in Planung. Dann wird Augmented Reality eine große Rolle spielen. Es soll Grundlage für eine Unternehmensgründung sein.

Mit Eiern bewerfen oder doch den Säbel einsetzen? Über einen Heuhaufen hüpfen oder doch besser mit dem Luftballon über das Hindernis fliegen? Die Entscheidung muss schnell getroffen werden, denn schon kommen fiese gegnerische Hühnchen auf den eigenen Stall zugerast. Und der muss schließlich verteidigt werden. Das ist ein Ziel des Spiels „Hungry Chicks“. Das zweite Ziel ist – bei dem Spielnamen naheliegend – möglichst viel Futter für die eigenen Hühner zu sammeln. Über Punkte, die man durch einen erfolgreichen Spielverlauf sammelt und über die die Spieler dann auf das nächste Level springen. „Dann wird das Spiel komplexer, weil der Spieler aus noch mehr Fähigkeiten für seine kämpfenden Hühnchen auswählen kann“, erläutert Tino Weber. Er studiert an der HTWG Wirtschaftsingenieurwesen.

Denn: Die Väter und Mütter der Hühner sind Studierende und Lehrende der HTWG. Einige Wirtschaftsingenieure, eine BWLerin, Informatiker und ein angehender Kommunikationsdesigner haben sich mehr oder weniger zufällig zusammengefunden und ihrer gemeinsamen Leidenschaft gefrönt: Dem Videospiel – und der Entwicklung von Videospielen. Daraus entstanden ist das Spiel „Hungry Chicks“ wie es nun in App-Stores zum Download bereitsteht. „Es ist ein Spiel geworden, das wir selbst gerne spielen“, sagt Tino Weber. Ein Spiel von Spielern für Spieler eben. Und weil sie es selbst spielen, fallen ihnen immer wieder weitere Spielherausforderungen und Strategien ein. Der (ungeplante) Erfolg dieses Spiels hat das Team motiviert, die Zusammenarbeit zu institutionalisieren. Die Studierenden spielen nun mit dem Gedanken, sich zur Finanzierung der weiteren Entwicklungen um ein EXIST-Gründerstipendium des Bundes zu bewerben.

Wie die Hühner farbig wurden
Das erste Ei im übertragenen Sinne hat Benjamin Dums gelegt. Nach seinem Informatik-Bachelor- und Masterstudium an der HTWG hat er zunächst bei der Digital-Agentur Formigas gearbeitet. Das junge Unternehmen, das von HTWG-Absolventen gegründet worden war, hat auch bei ihm Gründergeist geweckt. Nach einigen Jahren Berufserfahrung in der App-Entwicklung ist er sozusagen flügge geworden. Denn noch während seiner Anstellung hat er einen Prototyp von Hungry Chicks entworfen. Und die Rückmeldungen aus dem Freundeskreis waren so positiv, dass er davon überzeugt war: „Das ist die Chance!“

Dums stellte seine Idee weiter im Bekanntenkreis vor, darunter eben einigen Studierenden der HTWG. Sie zogen bei der Weiterentwicklung des Spiels mit. Daniel Maresch zum Beispiel hat die ursprünglich schwarz-weiße Gestaltung von Dums aufgearbeitet. Die Arbeit für das Spiel und die positiven Rückmeldungen haben ihn motiviert, sich nun um einen Platz im Studiengang Kommunikationsdesign zu bewerben. „Wir haben alle richtig Lust uns reinzuhängen“, sagt Wirtschaftsingenieur-Student Tino Weber, der sein Praxissemester bei Dums in der Spieleentwicklung absolviert hat. „Wir haben einen langen Atem und viel Leidenschaft“, ergänzt Peter Witzsche. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik und Informationstechnik und schreibt derzeit seine Bachelorarbeit über digitales Marketing am Beispiel von Hungry Chicks. Dabei sehen die Downloadzahlen schon ohne Marketing nicht schlecht aus. Innerhalb kurzer Zeit hätten mehr als 300 Nutzer das Spiel auf ihr Handy geladen. Und was die Entwickler besonders freut: Die Spieler haben das Spiel sehr positiv bewertet. Im Apple-App-Store hat das Spiel 5,0 von fünf Punkten. Ein begeisterter Nutzer drängt sogar nach Fortsetzung: „Wann gibt es weitere Kapitel?!?“ Die Nutzer haben selbst eine Panne beim Daten-Update verziehen. „Da ist uns etwas Blödes passiert. Mit dem Update waren für die Spieler alle bisherigen Erfolge verloren gegangen. Sie hätten wieder bei Level 1 anfangen müssen. Zum Glück konnten wir das innerhalb kurzer Zeit wieder reparieren“, erzählt Dums.

Neues Spiel, neues Glück
So ein Upload in die App-Stores ist noch mit vielen weiteren Herausforderungen verbunden. Viele Seiten umfassen die Informationen, die Dums mitteilen musste. Sehr viele darunter betreffen technische Hintergründe und den Datenschutz. Anhand der eingereichten Informationen werde dann auch die Alterszulassung definiert, die allerdings in unterschiedlichen Ländern anders angesetzt sein könne. In Deutschland dürfen Kinder ab zwölf Jahren auf die Jagd nach Futter für ihre Hühner gehen.
Der hohe formale Aufwand schreckt das Team allerdings nicht. Sie denken schon weiter und stecken mitten in den Vorbereitungen für ein neues Spiel. „Hungry Chicks“ war nur eine Testphase. „Der Erfolg war gar nicht geplant“, sagt Benjamin Dums. Das neue Spiel aber soll von Beginn an durchdacht sein. Und es soll weit ausgefeilter sein, auch was das Geschäftsmodell betrifft, kündigen sie an. Stefanie Thoß, die an der HTWG BWL studiert, erstellt derzeit den Businessplan. Details kann das Team noch nicht verraten. Nur so viel: Augmented Reality (AR), also die erweiterte Realität über virtuelle Mittel wird eine große Rolle spielen. Stefan Ankele, ein weiteres Teammitglied, gibt hierfür Input. Er hat bereits seine Bachelor-Arbeit bei Prof. Dr. Burkhard Lehner zum Einsatz von AR in Videospielen geschrieben. „Wir haben da eine recht innovative Idee, wie wir AR neu einsetzen werden“, macht Ankele neugierig.

Das neue Spiel soll der Startschuss für eine Unternehmensgründung sein. Mit den bisherigen Planungen hat sich das Team mit dem Namen Krauthead-Entertainment bereits für die Teilnahme bei einer Start-Up-Messe in Stuttgart qualifiziert. In regem Austausch steht das Team mit Kilometer1, der gemeinsamen Startup-Initiative von HTWG und Universität Konstanz. Hier werden die Spielemacher bei den weiteren Vorbereitungen des Antrags für das EXIST-Stipendium begleitet. Eine solche Förderung unterstützt Studierende und Absolventen beim Aufbau eines Startups mit finanziellen Mitteln und Coaching-Angeboten. Den Zuschlag dazu zu erhalten, ist nicht einfach. Die innovative Technologie, die das Team im Spiel einsetzt, könnte ihm jedoch die Tür dazu öffnen. Wir drücken die Daumen!

Mitspielen und die Macher kennenlernen?
Wer neugierig auf das Spiel „Hungry Chicks“ und seine Macher geworden ist, kann sie persönlich kennenlernen. Am „Aktionstag Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“ der HTWG wird das Team das Spiel vorstellen und Hintergründe zur Programmierung erläutern: Samstag, 29. Juni, 11 bis 17 Uhr www.htwg-konstanz.de/ki