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    Architektur

    Bachelor und Master

    Ausstellungseröffnung „aus Schalen entworfen“

    (7|26) Bei angenehmen Temperaturen eröffnete am 1. Juli unsere Ausstellung „aus Schalen entworfen“ im Roten Turm des Bückleareals. Sie zeigt die vielseitigen Ergebnisse des Forschungsprojekts „Stuttgart 210 – weiterdenken, weiterbauen!“, das unter Leitung der HTWG Konstanz in Kooperation mit HFT Stuttgart und HKA Karlsruhe durchgeführt wurde. 

    Einführende Worte der Präsidentin

    Die ersten Worte anlässlich der Vernissage richtete Prof. Dr. Sabine Rein, Präsidentin der HTWG, auf den Treppen zum neu so benannten „Roten Turm“ im Innenhof an die zahlreichen Besucher*innen. Sie betonte die positiven Potenziale, die auch ein Endlosprojekt wie der Stuttgarter Hauptbahnhof freisetzen kann. Er steht „in der öffentlichen Wahrnehmung für erhebliche Kostensteigerungen und jahrelange Bauverzögerungen im Infrastrukturbau“, war mit 2,5 Milliarden Euro angesetzt und liegt mittlerweile bei 14,5 Milliarden. Seine Inbetriebnahme wird statt im Jahr 2019 inzwischen erst Ende 2031 erwartet. Dennoch konnte durch ihn das Forschungsprojekt Stuttgart 210 entstehen, das „temporäre Hilfsmittel für einen Bau für neue Architektur […] nutzt“, wodurch „aus vermeintlichem Abfall eine neue Ressource“ entsteht. Sie hob in diesem Rahmen ganz allgemein die Forschung und Weiterentwicklung in Reallaboren hervor, welche Hochschulen für angewandte Wissenschaften auszeichnet: Man geht raus aus dem Hörsaal, bringt verschiedene Akteur*innen und Disziplinen zusammen und findet Lösungen für die Themen der heutigen Zeit. So dankte sie abschließend allen Beteiligten für ihren großen Beitrag zu diesem Forschungsprojekt. 

    Der Hauptinitiator des Projekts

    Danach sprach Prof. Stefan Krötsch, der Hauptinitiator von „Stuttgart 210“, ein paar Worte. Eigentlich war eine Ausstellungsführung angedacht, aber dank der zahlreichen Besuchenden wurde spontan umdisponiert: Einige Projektbeteiligte würden nun vor dem Ausstellungsgebäude Einblicke in die Arbeit geben und anschließend drinnen in kleineren Gruppen Fragen beantworten. Sein Dank galt allen Beteiligten und insbesondere Prof. Dipl.-Ing. Andreas Kretzer von der HfT Stuttgart, der die Ausstellung konzipiert hat. Dann führte er aus, dass bislang zwei Projekte umgesetzt werden konnten: der Jugendtreff Ingersheim und neu auch ein Bau in Marbach. Kleinere Städte tun sich offenbar leichter mit der Umsetzung, merkte er an. Alles in allem konnten nur zehn Prozent der Schalungen gerettet werden – was angesichts von 2500 Kubikmetern Holz aber doch eine Menge ist. Die Ausstellung enthält Informationen zum Forschungsprojekt selbst als auch drei Modelle von den Reallaboren in Mannheim, Stuttgart und Ingersheim. Weiters geht es um die Qualitäten der Schalen als Tragwerk und die juristische Einordnung des Projekts – „wir berühren hier sieben Rechtsfelder“, betont Krötsch, angefangen bei der Frage, was Abfall ist und was weiterverwendet werden darf. Eine weitere Schwierigkeit bestand auch darin, eine Planung ohne konkreten Auftrag vorzunehmen. Daher wurde ein Katalog mit potenziellen Bauteilen erstellt, um Anfragen an verschiedene potenzielle Bauherren zu schicken. Diese Vorgehensweise stieß oftmals auf Ratlosigkeit, bis auch potenzielle Entwürfe hinzugefügt wurden. Zudem gab es einen gewissen Zeitdruck, da auf der Baustelle kein Platz war, die nicht mehr benötigten Schalen zu lagern. Überhaupt waren enorme Transportkosten von 10.000 bis 20.000 € mit den groß dimensionierten Elementen verbunden. Abschließend dankte er noch explizit den Architekturstudenten Luca Lechner und Paul Lindemann, die den Ausstellungsaufbau vorgenommen haben.

    Einblicke in die Projektgenese

    Als nächster gab Prof. Dr.-Ing. Thomas Stark ein paar Einblicke. Inzwischen stünden Re-use und Kreislaufwirtschaft ja „ganz oben auf der Agenda“. So gab es mit den Projekten die Idee, eine „superökologische Bauweise zu entwickeln“, basierend auf ihrer Ökobilanz. Bald zeigte sich jedoch das Problem, dass es keine einheitlichen Verfahren zu ihrer Berechnung im Bauwesen gab. Nach Proberechnungen wurde zunächst auch ein sehr schlechter Wert erzielt, was, wie sich herausstellte, am biogenen Baustoff Holz lag: Es wird nämlich davon ausgegangen, dass Holz am Ende seines Lebenszyklus verbrannt wird und somit für hohe CO2-Emissionen sorgt. Es gibt also durchaus Korrekturbedarf bei der Berechnungsmethode. 

    Auch Roman Kreuzer als ehemaliger HTWG-Student und Projektbeteiligter steuerte noch ein paar Worte bei. Nach seinem Abschluss hatte er Stefan Krötsch seine Bereitschaft bekundet, irgendwann ein gemeinsames Projekt umzusetzen. Als es dann so weit war, konnte er sich nach ersten Schilderungen der Grundidee nichts Ansehnliches darunter vorstellen und war eher irritiert, was sich erst im Prozess änderte Eine weitere Überraschung war, dass solche Projekte in Deutschland überhaupt umsetzbar sind – trotz zahlreicher Niederlagen auf dem Weg. Die besondere Schwierigkeit lag zudem darin, dass der Bauprozess umgedreht war zu üblichen Projekten. Sein „großes Learning von dieser Arbeit: Man kann Sachen einfach neu definieren, wenn sie vorher noch nicht da waren.“ Er äußert die Hoffnung, dass nach Ingersheim und Marbach noch weitere Projekte umgesetzt werden können.

    Abschließend kam Robert Pawlowski von der Hochschule Karlsruhe zu Wort. Er richtete einen Appell an die angehenden Architekt*innen, durchzuhalten – gerade bei schwierigen Projekten. Oft ist eine gewisse Vereinfachung nötig, um sie möglich zu machen, und gute Zusammenarbeit. Seine zentrale Arbeitsthese als Tragwerksplaner ist, „dass wir Funktion, Form und Konstruktion zusammenbringen“. In diesem Fall gab es gegebene Bauteile, von denen man nicht wusste, ob sie tragen oder nicht und die oftmals so zugesägt waren, dass sie gerade nicht zusammenpassten. Zahlreiche Details mussten also ausgearbeitet werden, was durch eine intensive, kreative und vor allem mutige Zusammenarbeit möglich wurde. Er betonte die herausragende Leistung aller Beteiligten und sprach ihnen sein Kompliment aus. 

    Passend zur finalen Einladung aller Anwesenden in die Ausstellung schaltete sich dann noch unvermittelt der wegen der heißen Temperaturen seitlich des Gebäudes angebrachte Wassersprüher an, was für einige Lacher sorgte. Im Anschluss fanden im Inneren der Ausstellungen Erläuterungen und Gespräche statt und die VR-Brille, über die sich Bauteile im virtuellen Raum anordnen lassen, wurde durch die Besuchenden intensiv und begeistert ausprobiert. Der Abend klang bei sommerlichen Temperaturen noch samt Apéro-Begleitung aus, für die ein Pizza- und Waffelwagen von Studierenden sorgte, der an diesem Abend seinen Jungfernauftritt hatte. 

    Die Ausstellung ist noch bis 28.07.2026 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

    Text und Fotos © Christina Bösel