Im Modul Schal- und Rüsttechnik fand am 14. November 2025 eine Exkursion zur Baustelle des Pumpspeicherkraftwerks Forbach der EnBW im Schwarzwald statt. Begleitet wurde sie von Dipl.-Ing. Thomas Walliser. Ziel war es, den Studierenden einen praxisnahen Einblick in die laufenden Bauprozesse sowie in die technischen und organisatorischen Herausforderungen beim Ausbau eines modernen Pumpspeicherkraftwerks zu geben, mit besonderem Fokus auf die dort eingesetzten Schal- und Rüsttechik. Im Zuge der Kraftwerkserweiterung entstehen umfangreiche unterirdische Strukturen wie Kavernen und Zulaufstollen, deren Planung, Bau und Absicherung hohe Anforderungen stellen.
Die Exkursion erfolgte auf Einladung der PORR, die bei dem Projekt sowohl für den Tunnelbau als auch für den Rohbau verantwortlich ist. Zu Beginn erhielten die Teilnehmenden eine umfassende Einführung in Ziele, Planungsphasen und Umsetzung des gesamten Vorhabens. Im Zentrum steht die Modernisierung und Erweiterung des bestehenden Kraftwerks, um einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität sowie zur Integration erneuerbarer Energien zu leisten. Für die Studierenden bot die Exkursion eine wertvolle Möglichkeit, die im Studium vermittelten Inhalte zur Schal- und Rüsttechnik direkt auf der Baustelle zu erleben und im Austausch mit Fachleuten aus der Praxis weiter zu vertiefen.
Das neue Pumpspeicherkraftwerk Forbach im nördlichen Schwarzwald stellt ein bedeutendes Modernisierungsprojekt im Wasserkraftportfolio der EnBW dar. Die bestehende Anlage, die ursprünglich in den 1920er Jahren errichtet wurde und zu den ältesten ihrer Art in Deutschland zählt, wird im Zuge der Energiewende umfassend erneuert und erweitert. Ziel des Projekts ist es, die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Anlage deutlich zu steigern und sie zugleich so auszustatten, dass sie den aktuellen technologischen und energiewirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird. Mit dem Ausbau reagiert die EnBW auf die zunehmende Bedeutung flexibler Energiespeicher, die für die Integration schwankender erneuerbarer Energiequellen wie Wind- und Solarenergie unverzichtbar sind.
Kern des neuen Kraftwerkskonzepts ist ein unterirdischer Anlagenkomplex, in dem ein modernes Kavernenkraftwerk errichtet wird. Das Wasser der Schwarzenbach-Talsperre wird künftig nahezu senkrecht auf die Turbinen geleitet, wodurch ein höheres Gefälle entsteht und die Leistung gegenüber der Altanlage um rund zehn Megawatt erhöht werden kann. Der Kraftwerkskomplex umfasst das neue Schwarzenbachwerk mit einer Pumpturbine sowie das neue Murgwerk als Laufwasserkraftwerk mit zwei Turbinen. Ein Hauptstollen verbindet das Kraftwerk mit dem Ausgleichsbecken in Forbach, während sechs Nebenstollen zusätzlichen Speicherraum schaffen und damit die Flexibilität im Pump- und Turbinenbetrieb deutlich erhöhen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist der Neubau eines Kavernenspeichers mit einem Fassungsvermögen von 200.000 Kubikmetern, der das bestehende Ausgleichsbecken mit 204.000 Kubikmetern ergänzt. Durch die vergrößerte Speicherkapazität kann das Kraftwerk bis zu sieben Stunden kontinuierlich Strom erzeugen und damit gezielt zur Netzstabilisierung beitragen. Der Baubeginn erfolgte 2024, die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen, und die Investitionskosten belaufen sich auf rund 280 Millionen Euro. Das historische Maschinenhaus bleibt aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten, wird jedoch nicht mehr in das neue Kraftwerkskonzept eingebunden.
Besonders beeindruckend waren die Dimensionen der Baustelle und die Einblicke in den Tunnel- und Kavernenbau. Die unterirdische Kaverne erreicht etwa 123 Meter Länge, 20 Meter Breite und 42 Meter Höhe. Ein weit verzweigtes Tunnelsystem mit über fünf Kilometern Länge verbindet die einzelnen Anlagenteile. Außerdem entstehen zwei Druckschächte, über die das Wasser aus dem oberen Speicherbecken zur Turbine geleitet wird. Die reversible Pumpturbine, die im neuen Kraftwerk zum Einsatz kommt, wird eine Leistung von rund 50 Megawatt im Turbinenbetrieb und 57 Megawatt im Pumpbetrieb haben. Damit wird das Kraftwerk flexibel Strom erzeugen oder überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen speichern können. Nach Abschluss der Modernisierung wird sich die Gesamtleistung des Kraftwerks auf 77 Megawatt erhöhen.
Im Rahmen der Baustellenbegehung des neuen Pumpspeicherkraftwerks in Forbach erhielten wir einen umfassenden Einblick in die aktuellen Bauarbeiten und den Fortschritt des Projekts. Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch der Kraftwerkkaverne, in der derzeit intensiv an den rohbaulichen Strukturen gearbeitet wird. Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen konnte man beobachten, wie Schalungsarbeiten, Bewehrungsarbeiten und Betonierarbeiten in der Kraftwerkskaverne durchgeführt wurden.
Ein weiterer Bestandteil der Begehung war die Besichtigung des letzten noch fertigzustellenden Nebenstollens, der für den späteren Kraftwerksbetrieb als Wasserspeicher dient. In diesem Bereich waren bereits umfangreiche Sicherungsmaßnahmen sichtbar. Während der Begehung konnte, bei den gerade stattfindenden Spritzbetonarbeiten zugeschaut werde. Der Spritzbeton dient zur Stabilisierung des Felsgesteins und zur ersten Auskleidung der Tunneloberfläche. Die Arbeiten verdeutlichten anschaulich, wie anspruchsvoll der untertägige Ausbau ist und welche technischen Anforderungen an den Tunnelbau gestellt werden.
Die Exkursion zum Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks Forbach bot eine wertvolle praxisnahe Ergänzung zum Modul Schal- und Rüsttechnik. Durch die Begehung der unterirdischen Baustellenbereiche und den fachlichen Austausch mit den Mitarbeitenden der Firma PORR konnten wir die vielfältigen Herausforderungen eines komplexen Tunnelbauprojekts direkt erleben. Besonders beeindruckend war die gleichzeitige Durchführung verschiedener Arbeiten in der Kraftwerkskaverne, die eine hohe Koordination, präzise Logistik und konsequente Arbeitssicherheit erfordern. Auch die Dimensionen des Projekts sowie die Sicherung der Stollen mit einer Spritzbetonschale verdeutlichten die technische Komplexität und das Zusammenspiel unterschiedlicher Bauprozesse. Die Exkursion ermöglichte es, theoretische Inhalte aus dem Studium in einem realen Baukontext zu überprüfen und besser zu verstehen.
Ein besonderer Dank gilt der PORR GmbH & Co. KGaA für die Ermöglichung der Exkursion. Ebenso danken wir der Bauleiterin der Kaverne, Frau Svenja Staub M.Eng., für die anschauliche Projektvorstellung und die fachkundige Baustellenführung, durch die spannende Einblicke in die Praxis gewonnen werden konnten. Unser Dank gilt außerdem Herrn Dipl. Ing. Thomas Walliser von der HTWG Konstanz für die Organisation und Durchführung der Exkursion.