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    Kommunikationsdesign

    Bachelorstudiengang

    »Restart«

    Charlotte Gagel, Anke Westphal, 1. Preis, Master

    Betreuende Professoren:
    Prof. Valentin Wormbs
    Prof. Jo Wickert
     
    Was hat Kommunikationsdesign mit entlassenen Häftlingen zu tun? Die Masterabsolventinnen Charlotte Gagel und Anke Westphal haben in ihrer Thesis gezeigt, wie Gestaltung zur Resozialisierung beitragen kann. Denn der Übergang aus dem Vollzug gilt als kritische Phase: Rückfallstatistiken zeigen, dass innerhalb von drei Jahren ein erheblicher Anteil ehemaliger Häftlinge erneut straffällig wird. Ungefähr jede zweite Person kommt nach der Haft wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Die Masterthesis von Gagel und Westphal untersucht, wie Kommunikationsdesign Resozialisierungsprozesse im Strafvollzug und in der Entlassungsphase unterstützen kann. Grundlage bilden semi-strukturierte qualitative Erhebungen mit 20 Interviewpartner*innen sowie Besuche in Justizvollzugsanstalten, ergänzt durch nutzerzentrierte Tests.
     
    Einbezogen wurden Perspektiven aus Psychologie, Therapie, Sozialarbeit, Bewährungshilfe und Justizvollzugsbeamt*innen sowie Stimmen von Gefangenen, ehemals Inhaftierten und Designer*innen. Aus der Auswertung entstand einerseits eine konzeptionelle Arbeit, die mögliche Ansätze für Design im Kontext Resozialisierung herausgearbeitet hat. Andererseits wurde eine der entwickelten Ideen als Prototyp konkretisiert: »ReStart«, eine digitale Plattform mit dem KI-Bot »Reso«. ReSo setzt bereits analog im Vollzug an (u. a. über Briefe) und begleitet den schwierigen Übergang nach der Entlassung in die Freiheit proaktiv durch Check-Ins, Terminerinnerungen sowie Unterstützung bei Formularen und Anträgen.
     
    ReSo ersetzt keine professionelle Beratung und erledigt Aufgaben nicht stellvertretend, sondern führt Schritt für Schritt an Kompetenzen heran, z. B. durch gemeinsame Jobsuche, Bewerbung und Vorbereitung von Behördengängen. ReStart ist als App und Webanwendung nutzbar. ReSo kommuniziert per Brief, Telefon, SMS oder einem Messenger nach Wahl. Ein integriertes Navi kann Trigger-Orte berücksichtigen und alternative Routen vorschlagen, um Risikosituationen im Alltag zu vermeiden. Fachkräfte können Terminanfragen senden und Dokumente oder Vorlagen bereitstellen. Außerdem existieren Informationszugänge für Angehörige.

    Für einen absolut ungewöhnlichen Design-Ansatz und ein hervorragend durchdachtes Konzept hat die Jury der »Konstanzer Designpreise« einen 1. Preis verliehen.