Skip to main content

    Kommunikationsdesign

    Masterstudiengang

    Forschung für die Klima-Kommunikation

    Zwei Konstanzer Designerinnen sind Teil einer interdisziplinären Gruppe, die »Narrative der EnergieWende« (NEW) untersucht

    Wer sich noch an den Titel der »Bild«-Zeitung zum angeblichen »Heiz-Hammer« erinnert, der weiß, wie ein wirkungsvolles Narrativ der Energiewende im schlechtesten Fall aussehen kann. Eine Konstanzer Forschungsgruppe geht das Thema mit verändertem Fokus an und untersucht über einen längeren Zeitraum, wie rund um die Energiewende kommuniziert wird und welche Strategien erfolgversprechend sind. Mit dabei sind auch zwei Kommunikationsdesignerinnen, die für die visuelle Ebene zuständig sind.
     
    »Sonne, Garten, Kinder …« – Didem Erne kennt die visuellen Klischees auf den Flyern von Umweltorganisationen oder Solarpaneel-Anbietern. Gemeinsam mit Corinna Lauble arbeitet sie sich durch Unmengen Material, analog und digital, um in eine Matrix einzutragen, wie Akteure der Energiewende kommunizieren. Die beiden Designerinnen, die ihren Master an der HTWG Konstanz gemacht haben, sind Teil einer Forschungsgruppe aus Soziologen, Architekten, Ökonomen und eben Kommunikationsdesignern. 
     
    Das Projekt bildet einen Brückenschlag nicht nur zwischen sehr unterschiedlichen Fachbereichen, sondern auch zwischen zwei Hochschulen: der Universität Konstanz und der Hochschule Konstanz Technik Wirtschaft und Gestaltung. Projektleiter sind die Soziologen Prof. Dr. Christian Meyer und Dr. Frank Oberzaucher von der Universität Konstanz, im Bereich Kommunikationsdesign sind Prof. Eva-Maria Heinrich und Prof. Brian Switzer verantwortlich. Switzer und Oberzaucher haben sich beim »Binationalen Zentrum für qualitative Methoden« (BZQM) kennengelernt und dort festgestellt, dass es ein Potenzial für wissenschaftliche Kooperationen gibt.
     
    Zweieinhalb Jahre lang untersucht die Gruppe nun »Narrative der EnergieWende«, finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Projektträger Jülich. Dabei konzentriert man sich auf die regionalen Akteure im Bodenseeraum und bezieht sowohl Befürworter des Klimaschutzes als auch Skeptiker ein. Erste Überraschung: die schiere Menge an Kommunikationsmitteln sowie die ganz unterschiedlichen Argumentationsansätze. Ein halbes Jahr ist dem Erstellen einer Datenbasis gewidmet, danach beginnt die systematische Auswertung in inhaltlicher, rhetorischer, grammatischer und visueller Hinsicht.
     
    Didem Erne und Corinna Lauble betreten mit diesem Projekt Neuland. Immer noch ist es eher selten, dass sich Kommunikationsdesigner*innen wissenschaftlich betätigen. Bereits im Masterstudium haben sich beide mit Designforschung und einer entsprechenden Methodik beschäftigt, Kenntnisse erworben, wie man visuelle Phänomene einsortieren und clustern kann. Nun sind ihre Kompetenzen gefragt, visuelle Muster überhaupt zu erkennen, in Zielgruppen zu denken und eine Bildrhetorik zu beschreiben. Den Austausch mit den Kolleg*innen aus den anderen Fachbereichen finden sie dabei besonders spannend.

    Angelegt ist das Projekt auf zweieinhalb Jahre. Bis August 2028 sollen ein Forschungsbericht samt Handlungsempfehlungen und eine Homepage fertig sein, auch entsprechende Dialogformate sind geplant. Letztlich geht es darum, Anleitungen für eine zielgruppengerechte Kommunikation zu formulieren.
     
    Projektbeteiligte:  
    HTWG Konstanz, Fakultät Architektur und Gestaltung: Prof. Dr. Thomas Stark, Dipl.-Ing. Nicole Conrad, Prof. Eva-Maria Heinrich, Prof. Brian Switzer
    HTWG Konstanz, Fachgebiet Nachhaltige Ökonomie: Prof. Dr. Maike Sippel

    Universität Konstanz, Fachbereich Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie: Prof. Dr. Christian Meyer; Dr. Frank Oberzaucher (Projektleitung)