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Wirtschaft und Wissenschaft im Austausch beim Tag der Forschung und des Transfers

Sieben Männer auf einer Bühne bei einer Paneldiskussion, im Hintergrund eine Leinwand mit einer Präsentation

Paneldiskussion zum Thema "Zukunft gestalten", moderiert von HTWG-Vizepräsident Prof. Dr. Gunnar Schubert

Unter dem Motto „Wissen schafft Dialog“ fand am 19. Mai 2026 mit rund 120 Teilnehmenden der Tag der Forschung und des Transfers an der HTWG Hochschule Konstanz statt. Keynotes, Impulsvorträge und interaktive Formate zeigten: nur im Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik entsteht der Nährboden für eine innovationsstarke Bodenseeregion.

Den Tag eröffneten Prof. Dr. Gunnar Schubert, Vizepräsident Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit, und Prof. Dr. Sabine Rein, Präsidentin der HTWG. Nachdem sie die Gäste und insbesondere Landrat Zeno Danner, der in diesem Jahr vor Ort war, begrüßt hat, verwies Rein auf die noch junge Tradition des Tags der Forschung und des Transfers. „Innovation entsteht selten allein, sie entsteht dort, wo unterschiedliche Akteurinnen und Akteure zusammenkommen“, brachte die Präsidentin das Anliegen der mittlerweile fest im Terminkalender der HTWG verankerten Veranstaltung auf den Punkt.

„Das Motto ‚Wissen schafft Dialog‘ veranschaulicht, wie wir Forschung an der HTWG verstehen und leben“, betonte Rein. Der Transfer sei für die Hochschule kein Anhängsel von Forschung und Lehre, sondern ein fester Bestandteil im Gesamtkonzept. Insbesondere die aktuellen geopolitischen Krisen und Herausforderungen wie die KI-Revolution könnten nicht allein bewältigt werden, sondern benötigten starke Netzwerke und belastbare Strukturen. „Die HTWG sieht sich dabei als Orchestrator zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, Unternehmen und Forschenden in der Bodenseeregion“, betonte Rein. In diesem Sinne schloss die Präsidentin ihre Ansprache mit der Einladung, Fragen zu stellen, sich zu vernetzen und Kooperationen anzustoßen.


Präsidentin Prof. Dr. Sabine Rein eröffnet den Tag der Forschung und des Transfers

Vier Impulsvorträge: Von KI bis smarter Heizung
Mit vier Impulsvorträgen starteten Forschende der HTWG das Tagesprogramm. „Was müssen Unternehmen eigentlich können, um KI sinnvoll einsetzen zu können?“, leitete Prof. Dr. Christopher Rentrop seinen Vortrag ein. Er zeigte, dass die Stärke von Unternehmen im Zusammenspiel von IT-Abteilung und Fachabteilungen liegt. Außerdem verwies er auf die Problematik, dass es in vielen Betrieben eine sogenannte organisatorische Schizophrenie gebe, die die Digitalisierung störe, indem sie unterschiedliche Weltbilder innerhalb der Organisation erzeuge. Dabei fehle es an einer Vision, an die gemeinsam geglaubt werden könne. Auch auf das Thema IT-Governance ging der Experte ein und veranschaulichte am Beispiel von Elefant, Einhorn und Co., welche Probleme dabei auftreten und wie Unternehmensabteilungen gemeinsam Verantwortung übernehmen können. „Wir brauchen ein gemeinsames Weltbild und ein gemeinsames Verständnis, wohin es mit der KI gehen soll“, schlussfolgerte der Experte. Prof. Dr.-Ing. Stefan Waitzinger zeigte am Beispiel von Zahlen und Fakten, dass die Arbeitsproduktivität der Erwerbstätigen in Deutschland gesunken ist und wie die stille Produktivitätskrise mit KI zusammenhängt.

„Was ist Innovation?“ Dieser Frage ging Prof. Dr.-Ing. Alexander Basler in seinem Impulsvortrag auf den Grund. Wie Innovationen im Rahmen der angewandten Forschung entstehen können, zeigte er am Beispiel der zukunftsfähigen Mobilität. Sein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit Fahrerassistenzsystemen für Kleinfahrzeuge. Über acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer anerkannten Schwerbehinderung, viele von ihnen seien mobilitätseingeschränkt, erläuterte Basler. „Diesen will das Projekt eine sichere Mobilität gewährleisten“, so der Experte. Angewandte Forschung sei der Motor für Innovation, da durch den Transfer praxisnahe Lösungen und somit Wettbewerbsvorteile geschaffen werden könnten, so Basler. Prof. Dr. Doris Bohnet ging in ihrem Vortrag darauf ein, wie mit smarten Heizungen nicht nur Energiekosten, sondern auch Emissionen eingespart werden können. Mit ihren Beiträgen zeigten die Forschenden, welches breite Spektrum die HTWG mit ihren Fachbereichen abdeckt.


Prof. Dr. Doris Bohnet bei ihrer Keynote über smarte Heizungen

Keynote I: Wie gelingt Innovation trotz Strukturbruch?
Im Zentrum der Veranstaltung standen zwei Keynotes mit anschließender Paneldiskussion. Prof. Dr.-Ing. Guido Baltes, Direktor des Instituts für Strategische Innovation & Transformation (IST) an der HTWG, zeigte, wie strategische Innovation auch in Krisenzeiten gelingen kann. „Wir haben heute ein höheres Unsicherheitsniveau, als wir es gewohnt waren“, nannte der Experte eine der aktuellen Herausforderungen. Die Unsicherheit sei inzwischen ein Dauerzustand. Das liege daran, dass die Symptome nicht eindeutig und die Probleme nicht mehr klar und auch nicht zeitlich begrenzt seien. Dieser Zustand löse Gewissheiten auf und ebne den Weg für eine ungewisse Zukunft. Deutschland befinde sich zudem inmitten eines Strukturbruchs. Es komme jetzt darauf an, die Arbeitsproduktivität wieder zu stärken, aber nicht durch mehr Arbeit, sondern mittels Innovationen durch KI und Software. Der deutsche Mittelstand habe die wichtigen Jahre der Digitalisierung zwischen 2016 und 2019 verpasst, diese Lücke müsse jetzt geschlossen werden, so der Experte.


In der anschließenden Paneldiskussion, die von Guido Baltes moderiert wurde, sprachen Landrat Zeno Danner sowie Expert*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft darüber, wie die Innovationskraft in der Region gestärkt werden kann. Dabei kommt es auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts, aber auch auf den Wohnungsmarkt und das Gesundheitswesen vor Ort an, wie aus der Diskussion hervorging. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit der HTWG wertvoll, weil wir dadurch unsere Innovationsstärke fördern“, bemerkte Lisa Sophia Friedrich, Geschäftsführerin der Kliniken Schmieder. Mirja Schmidbauer, Geschäftsführende Gesellschafterin der Elma Schmidbauer GmbH, betonte: „Wir müssen Bildungsketten und Innovationsketten fördern, mit dem Reallabor ist zwischen der HTWG und der Stadt Singen genau so etwas passiert“. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Vernetzung rund um den See eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Innovationen einnimmt.


Keynote II: KI und Robotik – wer behält die Kontrolle über die Daten?
In der zweiten Keynote zeigte Prof. Dr. Gunnar Schubert, wie mit KI, Robotik und Co. die Zukunft aktiv gestaltet werden kann. Dabei ging er zunächst auf wichtige Begriffe wie Generative AI und Agentic AI ein, bevor er Spannungsfelder der KI wie Haftung, Datensouveränität und Qualifikationswandel thematisierte. „Wie bleiben wir Herrscherinnen und Herrscher über unsere Daten?“, nannte Schubert eine der wichtigsten Fragestellungen in Bezug auf KI. In der anschließenden Paneldiskussion mit Expert*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigten Forschende der HTWG, wie sie KI in ihren Projekten konkret anwenden. Die Vertreter*innen aus der Wirtschaft diskutierten gemeinsam mit den Forschenden, wie neue Technologien in Unternehmen etabliert werden können. In den Datenstrukturen des Unternehmens müsse eine gewisse KI-Readiness vorliegen, bemerkte beispielsweise Maximilian Schmitt, R&D Leiter der formigas GmbH.


Als Moderatorin führte Alexandra von Riegen, Leiterin Transfer und Netzwerke, durch den Tag. Zwischen den Vorträgen konnten die Gäste sich bei der Posterausstellung über aktuelle Forschungsprojekte, Fördermöglichkeiten und Kooperationsmöglichkeiten mit der HTWG informieren und mit den Forschenden ins Gespräch kommen. Bei Laborführungen lernten die Teilnehmenden ausgewählte Labore der HTWG kennen und konnten sich ein Bild von den Möglichkeiten der angewandten Forschung machen. Auch für individuelle Fragestellungen blieb viel Raum. 


Die Kaffeepause wurde von den Teilnehmenden für Austausch und Vernetzung genutzt

Für die Hochschule war der Tag der Forschung und des Transfers wieder ein großer Erfolg. Es wurde einmal mehr deutlich, dass Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenarbeiten müssen, um die wichtigen Zukunftsthemen anzupacken.
 

Text: Ina Klompmaker

Fotos: Emma Kemmler