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Unter Strom auf die Rennstrecke

29.03.2018

Studierende starten mit selbst entwickeltem Elektromotorrad bei internationalem Wettbewerb

Der Name steht bereits seit Monaten: Amperia 18. Im spanischen Aragón soll ebendiese Amperia 18 dem HTWG-Team eLaketric einen Platz auf dem Siegertreppchen sichern. Dann nämlich, wenn die Studierenden mit ihr, einem selbst konstruierten Rennmotorrad mit Elektroantrieb, beim internationalen Wettbewerb Moto-Student gegen 26 weitere Teams antreten. Bis dahin ist aber noch viel Arbeit zu leisten. Die Amperia 18 will erst noch konstruiert und gebaut werden. Sie ist dann das zweite Motorrad aus der Werkstatt des Teams eLaketric.

„Die Leidenschaft fürs Biken und für die Umwelt treiben uns.“
Teamleiter Dominik Erchinger.

Schon mit ihrem ersten Motorrad, der Amperia 16, waren sie auf Anhieb sehr erfolgreich: In der Gesamtwertung belegten sie in Aragón Platz 4, im Bremstest sogar den ersten Platz. Als erstes Team einer deutschen Hochschule hatten sie an dem Wettbewerb in der Elektroklasse teilgenommen. „Jetzt können wir schon auf unseren Erfahrungen aufbauen“, sagt Erchinger. Er studiert Elektrotechnik und Informationstechnik und ist seit der ersten Stunde im Team dabei.

Willkommen sind Studierende aller Studiengänge. Sie alle arbeiten in verschiedenen Baugruppen auf Augenhöhe zusammen: Maschinenbauer sind in der Konstruktion fit, Informatiker bei der Weiterentwicklung der Software gefragt. Kommunikationsdesigner, Architekten, BWLer und Wirtschaftsrechtler im Marketing, der Sponsorenpflege und bei der Erstellung des Business-Plans, Elektrotechniker bei allen Aufgaben zur Energieversorgung. Zum Beispiel beim Batterie-Management-System.

„Die Batterie ist das Herz der Maschine.“
Raphael Llombart, Leiter des High-Voltage-Teams.

Die Batterie der Amperia 18 ist einzigartig und auf dem Markt so nicht zu bekommen. Sie wird von den Studierenden selbst entwickelt. Eine echte Pionierarbeit. „Wir haben viel recherchiert, aber der Bereich ist wenig erforscht. Also müssen wir selbst ran“, sagt Llombart. 18650-Lithium-Ionenzellen werden via Laserschweißverfahren verbunden. Insgesamt 616 Stück. Zusammen sind sie 6,6 kWh stark. Abstrakte Zahlen, aber Llombart hilft weiter: „Stellt Euch einfach 616 Handyakkus vor.“ Auf eine Geschwindigkeit von bis zu 170 km/h wird die Amperia 18 es mit der Batterie schaffen, im Rennbetrieb über eine Strecke von ca. 30 Kilometer.

Alle Baugruppen haben jeweils ihre Herausforderungen. Das Low-Voltage-Team gewährleistet die Konzeption, Konstruktion und Montage aller Bedienelemente, deren Zusammenspiel, die Datenverarbeitung und Ansicht auf dem Dashboard. Das Mechanik-Team erstellt den Rahmen und das Getriebe und zeichnet für die Fahrdynamik verantwortlich. Es erstellt sämtliche CAD-Arbeiten und hält den Kontakt zu den Fertigungspartnern. Das Marketing-Team wirbt um Teammitglieder und um Sponsoren. „Es ist sehr wichtig, die Kontakte zu pflegen, die Sponsoren auf dem Laufenden zu halten, sie einzuladen, aber auch bei deren Veranstaltungen präsent zu sein“, erläutert Kommunikationsdesign-Studentin Felicitas Baaske, Leiterin des Marketingteams.

Unternehmenskontakte öffnen Türen für die berufliche Zukunft
Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit Industriepartnern sind dem Team sehr wichtig. Nicht nur für die finanzielle Unterstützung. Hier erhalten die Studierenden neben Sachmitteln auch fachlichen Input. „Und: Wer hier im Team mitarbeitet, dessen Engagement und Kompetenzen sind bei potentiellen Arbeitgebern schon bekannt“, sagt Dominik Erchinger. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team „eLaketric“ bietet zudem viele mögliche Themen für Projekt- und Abschlussarbeiten.

Betreut wird das Team von Prof. Dr. Florian Lang, Leiter des Studiengangs Automobilinformationstechnik. Er hat das Team im Oktober 2015 ins Leben gerufen. In dem Engagement der Studierenden sieht er ein weiteres Aushängeschild für die HTWG. „Zweiräder mit Elektroantrieb werden in den kommenden Jahren insbesondere für kurze Strecken noch weiter an Bedeutung gewinnen“, ist er sich sicher.
 

Teamgeist und Erfolgserlebnisse
Das Motorrad lebt nicht nur von der Energiezufuhr durch Strom. Sondern in erster Linie dank der Leidenschaft der Teammitglieder. Und die wiederum schöpfen ihre Kraft aus vielen kleineren und größeren Erfolgserlebnissen, die manche Tiefschläge wieder vergessen lassen. Und warum finden sich Grill, Getränkekästen und sogar ein Einmachtopf in der Werkstatt? Ein deutlicher Hinweis, dass das Team auch immer wieder einen Anlass zum Feiern findet. „Dabei entstehen einfach die besten Ideen“, sagt Elektrikleiter Philipp Jacquemont.

Feiern ist mehr als legitim, denn die Teammitglieder stecken – oft ohne es zu merken - viel Zeit in das Projekt: Jeden Mittwoch um 19 Uhr ist Teamtreffen im Raum F120. Dazu kommt die Arbeit in den einzelnen Baugruppen. „Drei bis fünf Stunden pro Woche kommen dabei schnell zusammen“, sagt Johannes Müller, der die Maschine im letzten Wettbewerb gefahren hat. 2 ECTS-Punkte können die Studierenden bei aktiver Teilnahme sammeln. Dafür verlangt die Teamleitung aber auch Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit. Das gesteckte Ziel erfordert schließlich Einsatz.

Weitere Informationen zum Projekt und Team eLaketric

MotoStudent

MotoStudent ist ein studentischer Wettbewerb für die Entwicklung und Konstruktion eines Motorrad-Prototyps. Dabei treten Hochschulteams aus aller Welt in verschiedenen Disziplinen der Ingenieurswissenschaften gegeneinander an. Seit 2008/2009 treten die Teams mit Verbrennungsmotoren (Hubraum: 250ccm) und seit 2015/2016 in der Kategorie Electric gegeneinander an. In dieser ersten Saison konnte sich das elaketric-Team hier einen hervorragenden vierten Platz erarbeiten.
Milestone 1
Die Disziplinen des „MS1“, also diejenigen, für welche das Motorrad noch nicht fertiggestellt sein muss, werden über die Abgabe verschiedener Dokumente bewertet. Dabei müssen Aufgabenstellungen zur Kostenplanung, Innovation, Industrialisierung, Konstruktion und beim Abschlussevent in Spanien auch die Präsentation bearbeitet werden.
Milestone 2
Der MS2 beinhaltet alle an und mit dem Motorrad zu absolvierenden Tests. Diese werden auf der Rennstrecke „Motorland“ im spanischen Aragón absolviert. Hier spielen neben den Fahreigenschaften auch die Festigkeit des Rahmens sowie Bremseigenschaften und die Sicherheit der Elektrik/Elektronikkomponenten eine Rolle. Die spannendste Phase des Wettbewerbs sind die Dynamiktests. Hier müssen die Fahrer der Teams ihre Geschicklichkeit bei Beschleunigungs- und Bremstests sowie dem Durchfahren eines Geschicklichkeitsparcours und einer gezeiteten Runde unter Beweis stellen.
Weitere Informationen zu MotoStudent